AfD-Politiker empört mit Nazi-Symbol bei Trauermarsch für ermordete Juden

Andreas Wild, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, während des Schweigemarsches. (Bild: Christoph Soeder/dpa)

Bei einem Schweigemarsch zum Gedenken an die vor 80 Jahren in der Reichspogromnacht ermordeten Juden schockierte AfD-Politiker Andreas Wild mit einem Symbol, das in Österreich zwischen 1933 und 1938 als Erkennungszeichen für die damals noch verbotenen Nationalsozialisten diente: die blaue Kornblume.

Die Berliner Grünen nannten das Verhalten von Andreas Wild eine “widerliche Provokation” und forderten eine Reaktion seiner Partei. Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sprach von einem “Schlag ins Gesicht der jüdischen Gemeinde”. Gegenüber der “Deutschen Presse-Agentur” forderte die Politikerin: “Bei solch offensichtlich rechtsextremen Entgleisungen muss die AfD Konsequenzen ziehen.”

Andreas Wild trug die Blume sowohl bei der Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus als auch später am Holocaust-Mahnmal am Revers seines Jacketts. In den sozialen Medien verbreiteten sich schnell Fotos, die ihn deutlich erkennbar mit dem Nazi-Symbol zeigen.


Wild weist die Vorwürfe zurück

Der AfD-Politiker selbst will von der historischen Bedeutung der blauen Kornblume nichts wissen – beziehungsweise deutet er sie anders. “Dass das ein Nazi-Symbol sein soll, höre ich zum ersten Mal”, teilte er der dpa mit. Stattdessen trage er die Blume seit einiger Zeit als Zeichen für Patriotismus und Vaterlandsliebe. Wild verstehe nicht, warum das nun “skandalisiert” werde.

Der AfDler folgt damit einem üblichen Argumentationsmuster bezüglich dieses Symbols. Vor der Umdeutung durch die Nationalsozialisten galt die blaue Kornblume in der Romantik als klassisches Symbol für Natürlichkeit. Wild ist in seiner eigenen Partei wegen rechtsextremer Ansichten umstritten. Im Jahr 2017 wurde er aus der AfD-Fraktion ausgeschlossen, er ist allerdings immer noch Parteimitglied.

Auch diese Meldungen aus der deutschen Politik könnten Sie interessieren: