In Affären verwickelter Fillon greift Staatschef Hollande scharf an

Der politisch schwer angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat Staatschef François Hollande vorgeworfen, gezielt vertrauliche Informationen durchsickern zu lassen und damit unter anderem auch seine Kandidatur zu untergraben. Hollande stehe an der Spitze eines "schwarzen Kabinetts", das den Medien gezielt Informationen zuspiele, sagte Fillon am Donnerstag im Sender France 2. Das Büro Hollandes widersprach den Darstellungen umgehend.

Fillon bezog sich auf Druckfahnen eines Buches zweier Enthüllungsjournalisten, in die er vor dem Druck Einblick erhalten habe. Darin werde beschrieben, dass Hollande sich sämtliche ihm interessant erscheinenden Protokolle richterlicher Anhörungen in sein Büro schicken lasse. "Das ist ein vollkommener Gesetzesbruch", sagte Fillon.

Das dieser Tage erscheinende Buch sei von Journalisten der Zeitung "Le Canard Enchaîné" geschrieben worden. Diese Reporter seien "weit davon entfernt, meine Freunde zu sein", sagte Fillon. Die Zeitung hatte die Enthüllungen um die Affäre um mögliche Scheinbeschäftigungen von Fillons Frau und zwei seiner Kinder ins Rollen gebracht. Seitdem reißen die Enthüllungen über den Präsidentschaftskandidaten nicht ab. In den Umfragen ist Fillon inzwischen deutlich abgeschlagen.

Seit zwei Monaten überschütte ihn die Presse mit "Schmutz", sagte der konservative Politiker. Er müsse oft an den früheren sozialistischen Premier Pierre Bérégovoy unter dem ehemaligen Präsidenten François Mitterrand denken, der in eine Affäre um einen Wohnungskredit verwickelt war und 1993 Suizid beging. "Ich verstehe, warum man dazu gebracht werden kann, bis zum Äußersten zu gehen", sagte Fillon.

Hollandes Büro erklärte, der Staatschef verurteile "mit größtem Nachdruck die unwahren Vorwürfe von François Fillon". Von Anbeginn der Präsidentschaft habe die "Exekutive niemals in ein juristisches Verfahren eingegriffen und immer streng die Unabhängigkeit des Gerichtswesens respektiert". Mit Blick auf die Affäre um Fillon hieß es in der Erklärung, der Staatschef habe seine Informationen dazu ausschließlich aus den Medien selbst bezogen. Die Franzosen wählen am 23. April und 7. Mai in zwei Wahlrunden ihren nächsten Präsidenten. Hollande tritt nicht wieder an.

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