Fillon wirft Hollande Durchstechen von belastenden Informationen vor

Französischer Präsidentschaftskandidat Fillon

Der angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat schwere Vorwürfe gegen Staatschef François Hollande erhoben. Der konservative Kandidat warf dem Sozialisten am Donnerstagabend vor, mit einem "schwarzen Kabinett" hinter den Medien-Enthüllungen über seine Person zu stehen. Der Präsident wies die Vorwürfe als "erlogene Behauptungen" zurück und warf Fillon Würdelosigkeit vor.

Der wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre unter massivem Druck stehende Fillon nutzte ein Interview im öffentlich-rechtlichen TV-Sender France 2 für seine Attacke gegen Hollande. Aus einem bald erscheinenden Enthüllungsbuch wisse er, dass der Staatschef sich die Ergebnisse von juristischen Abhöraktionen, "die ihn interessieren", vorlegen lasse.

"Das ist ein vollkommener Gesetzesbruch", sagte Fillon und sprach von einem "schwarzen Kabinett", das Informationen aus Justizermittlungen an die Presse durchsteche. Es handle sich um einen "Staatsskandal".

Allerdings wies einer der Autoren des fraglichen Buches - Titel: "Bienvenue Place Beauvau", frei übersetzt: "Willkommen im Innenministerium" - Fillons Angaben umgehend zurück: "Wir haben das nie geschrieben", sagte Didier Hassoux dem Nachrichtensender France Info. "Der einzige, der an ein schwarzes Kabinett im Elysée-Palast glaubt, ist François Fillon."

Hassoux arbeitet für die investigative Satirezeitung "Le Canard Enchaîné" - also jene Zeitung, die die Scheinbeschäftigungsaffäre um Fillon ins Rollen brachte.

Hollande verurteilte Fillons Äußerungen am Donnerstagabend als "verlogene Behauptungen". Seine Regierung habe sich niemals in ein Justizverfahren eingemischt und immer die Unabhängigkeit von Richtern und Staatsanwälten respektiert. Er selbst habe ausschließlich aus der Presse von den Vorwürfen gegen Fillon erfahren. "Der Skandal betrifft nicht den Staat, sondern eine Person, die sich vor der Justiz wird verantworten müssen", erklärte Hollande mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren gegen Fillon.

Am Freitag legte der Präsident in einem Interview mit France Info nach: Er warf dem konservativen Präsidentschaftskandidaten fehlende "Würde" und "Verantwortungsbewusstsein" vor.

Die Grünen-Politikerin Cécile Duflot verglich Fillon gar mit US-Präsident Donald Trump: "Weil er in die Ecke gedrängt wird, erfindet er, ein bisschen wie Trump." In der Scheinbeschäftigungsaffäre hat Fillon wiederholt Aussagen gemacht, die sich schnell als falsch herausstellten.

Kritisiert wurde Fillon auch, weil er in dem France-2-Interview Parallelen zum früheren sozialistischen Premier Pierre Bérégovoy zog, der in einer Affäre um einen Wohnungskredit unter Druck geriet und sich 1993 das Leben nahm. "Seit zwei Monaten überschüttet die Presse mich mit Schlammmassen", sagte Fillon. Er müsse deswegen immer wieder an Bérégovoy denken: "Ich verstehe, wie man dazu gebracht werden kann, bis zum Äußersten zu gehen."

Die ebenfalls bei France 2 eingeladene Schriftstellerin Christine Angot reagierte empört: "Erpressen Sie uns mit einem Suizid?", fuhr sie den Kandidaten an.

Der frühere konservative Premierminister galt lange als klarer Präsidentschaftsfavorit. Seit den Enthüllungen um eine mögliche Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau und zwei seiner Kinder ist er in Umfragen aber abgestürzt. Er liegt bei den Wahlabsichten für die erste Runde am 23. April inzwischen hinter dem Mitte-Kandidaten Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen - und würde damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen.

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