Affenpocken in Europa wohl nicht dauerhaft in Tieren

Greifswald (dpa) - Ein dauerhaftes Vorkommen von Affenpocken in Tieren ist laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Europa sehr unwahrscheinlich.

«Es ist fraglich, ob es in Europa überhaupt Tierspezies gibt, die als geeignete Reservoirwirte in Frage kommen», schreibt das für Tiergesundheit zuständige Bundesforschungsinstitut. Dennoch müsse die weitere Entwicklung beobachtet werden.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hatte davor gewarnt, dass die Affenpocken endemisch werden könnten, sollte der Erreger von Menschen auf Tiere überspringen und sich in einer Tierpopulation ausbreiten. Die Gefahr wäre, dass Viren immer wieder auf den Menschen überspringen könnten.

Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall bei einem Menschen in Großbritannien nachgewiesen worden. Seitdem berichten immer mehr Staaten, in denen das Virus bislang eigentlich nicht vorkam, von nachgewiesenen Ansteckungen von Mensch zu Mensch. Dem Robert Koch-Institut (RKI) waren in Deutschland zuletzt zehn Affenpockenfälle in fünf Bundesländern (Stand 25.5.) bekannt.

Übertragung durch engen Körperkontakt

Affenpocken werden laut RKI durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. «Das Risiko, sich mit Affenpocken zu infizieren, ist nicht auf sexuell aktive Menschen oder Männer, die Sex mit Männern haben, beschränkt. Jeder, der engen körperlichen Kontakt mit einer ansteckenden Person hat, kann sich infizieren.» Dass momentan vor allem Fälle bei schwulen Männern bekannt sind, könnte unter anderem mit mehreren internationalen Events zusammenhängen, bei denen es zu Ansteckungen kam.

Dem Hersteller des Affenpocken-Impfstoffs Imvanex zufolge ist bei dem aktuellen Ausbruch nicht mit einem Mangel des Vakzins zu rechnen. «Wir glauben, dass wir die weltweite Nachfrage bedienen können ohne weitere Investitionen in unsere Produktionsanlagen», sagte ein Sprecher des Unternehmens Bavarian Nordic, Rolf Sass Sørensen, am Mittwoch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Das Unternehmen verfügt über die einzige Zulassung für ein Vakzin gegen die Affenpocken weltweit. Möglich sei derzeit die Produktion von 30 Millionen Dosen jährlich, sagte Sørensen. Die Zulassung für Affenpocken beschränkt sich jedoch auf die USA und Kanada. Eine Zulassung in der EU sei in Planung, sagte Sørensen. Beispielsweise in Großbritannien werde das Vakzin aber auch «Off-Label», also ohne entsprechende Zulassung, eingesetzt.

Vor Hortung wird gewarnt

Die Afrikanische Gesundheitsbehörde für Ansteckende Krankheiten (CDC) warnte vor einer Hortung von Impfstoffen in den westlichen Staaten. Ahmed Ogwell, stellvertretender CDC-Direktor, appellierte am Donnerstag in Addis Abeba, Lehren aus der Anfangszeit der Corona-Pandemie zu ziehen. «Wir hoffen, dass Impfstoff vor allem dort verfügbar ist, wo das Risiko am höchsten ist - nicht dort, wo man besonders viel für ihn bezahlen kann.» Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus Regionen West- und Zentralafrikas bekannt.

Die angekündigten bis zu 40.000 Dosen eines Pockenimpfstoffs zur etwaigen Anwendung in Deutschland könnten laut dem Präsidenten der Gesellschaft für Virologie knapp bemessen sein. «Dennoch ist das ein guter Anfang, insbesondere für Impfungen im Bereich bekannter Infektionscluster, wodurch man das Ausbruchsgeschehen wahrscheinlich deutlich eingrenzen kann», sagte Ralf Bartenschlager vom Universitätsklinikum Heidelberg der dpa.

Lauterbach befürchtet Stigmatisierung schwuler Männer

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte vor einer Stigmatisierung schwuler Männer im Zusammenhang mit den Affenpocken. Es müsse verhindert werden, «dass Menschen stigmatisiert werden, die homosexuell sind und Sex mit Männern haben», sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz». «Das ist einfach wichtig zu sagen: Es kann jeden treffen.»

Zuvor hatte der Sprecher der Deutschen Aidshilfe, Holger Wicht, in einem «FAZ»-Podcast betont, es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nur Schwule die Krankheit bekommen könnten oder sie gar schuld an der Verbreitung wären. So könnte das - auch von Lauterbach genutzte - Wort «Risikogruppe» so verstanden werden, dass schwule Männer ein besonderes Risiko darstellen. Gemeint sei aber, dass diese Männer ein besonderes Risiko hätten, sich anzustecken. Dem Nachrichtenportal t-online sagte Wicht aber auch: «Herr Lauterbach gibt sich erkennbar Mühe, nicht zu stigmatisieren.»

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.