Afghanischer Milizenführer Hekmatjar nach 20 Jahren nach Kabul zurückgekehrt

Hekmatjar (M.) neben Präsident Ghani (2.v.l.)

Mit einem Konvoi von mehreren hundert schwer bewaffneten Fahrzeugen ist der frühere afghanische Milizenführer Gulbuddin Hekmatjar nach zwei Jahrzehnten Exil in die Hauptstadt Kabul eingezogen. Der Ex-Regierungschef nutzte die im September vereinbarte Straffreiheit, um am Donnerstag begleitet vom Jubel seiner Anhänger sein politisches Comeback zu feiern. Präsident Aschraf Ghani empfing Hekmatjar mit großem Zeremoniell an seinem Amtssitz und sagte, bei gutem Willen könnten "die Friedensbemühungen erfolgreich sein".

"Lasst uns den Krieg beenden", sagte Hekmatjar beim Empfang im Präsidentenpalast. Die Afghanen sollten "wie Geschwister zusammenleben und die Ausländer dann auffordern, das Land zu verlassen". Hekmatjar zählte zu den führenden Köpfen der Mudschaheddin, die in den 80er Jahren gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans kämpften. In den 90er Jahren war er für die Belagerung Kabuls mitverantwortlich, bei der ein Drittel der Stadt zerstört und zehntausende Zivilisten getötet wurden. Seither trägt er bei seinen Kritikern den Beinamen "Schlächter von Kabul".

Im September wurde jedoch für Verbrechen der Vergangenheit eine juristische Immunität vereinbart, im Februar beschloss auch der UN-Sicherheitsrat, die wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verhängten Strafmaßnahmen gegen Hekmatjar aufzuheben.

"Nur wenige haben an den Erfolg der Friedensbemühungen geglaubt", sagte Ghani beim Empfang Hekmatjars im Präsidentenpalast. "Heute aber ist klar, dass bei gutem Willen und Bemühen Frieden hergestellt werden kann."

Der 52-jährige Gurkenverkäufer Sajed Mohammed aus Kabul kommentierte: "Alle Warlords haben Blut an den Händen." Doch fügte er hinzu: "Wir begrüßen ihn in Kabul, weil wir den Krieg leid sind."

Nach der Machtübernahme der Taliban 1996 floh Hekmatjar aus Afghanistan. Er soll in den vergangenen Jahren in Pakistan gelebt haben. Am Samstag hielt Hekmatjar vor Anhängern in der Provinz Laghman eine Rede, es war sein erster öffentliche Auftritt in Afghanistan seit mehr als 20 Jahren. Das Friedensabkommen zwischen der afghanischen Regierung und Hekmatjars Miliz Hesb-i-Islami sieht vor, dass die Gruppe ihren bewaffneten Aufstand beendet. Die Straffreiheit für Hekmatjar wird von Menschenrechtsgruppen und Hinterbliebenen der Opfer kritisiert.

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