Afghanistans Ex-Präsident Ghani verteidigt Flucht vor Taliban

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Ex-Präsident Ghani (AFP/-)

Afghanistans Ex-Präsident Aschraf Ghani hat in seinem ersten TV-Interview seit seiner Flucht vor den radikalislamischen Taliban seine Entscheidung zur Ausreise verteidigt. Am Morgen des 15. August, als die Taliban die Kontrolle über die Hauptstadt übernahmen und seine Regierung zusammenbrach, habe er "keine Ahnung" gehabt, dass dies sein letzter Tag in Afghanistan sein würde, sagte Ghani der BBC in dem am Donnerstag ausgestrahlten Interview.

Am Nachmittag sei der Sicherheitsdienst des Präsidentenpalastes jedoch "zusammengebrochen", fuhr Ghani fort. "Sie waren nicht in der Lage, mich zu schützen". Sein nationaler Sicherheitsberater, Hamdullah Mohib, war "buchstäblich entsetzt". "Er hat mir nicht mehr als zwei Minuten gegeben", um zu gehen, sagte er. Da die Städte Chost im Südosten und Dschalalabad im Osten in die Hände der Islamisten gefallen waren, "wusste ich nicht, wohin wir gehen würden", fügte er hinzu. "Erst beim Start war klar, dass wir das Land verlassen würden".

Ghani lebt seither in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seine Flucht war von Afghanen heftig kritisiert worden. Kritiker beschuldigten ihn, sie im Stich gelassen und große Geldbeträge mitgenommen zu haben. Ghani bestreitet die Vorwürfe. Sein Hauptanliegen habe darin bestanden habe, Straßenkämpfe im mit Flüchtlingen gefüllten Kabul zu vermeiden. "Ich musste mich opfern, um Kabul zu retten und die Realität der Situation zu zeigen: ein gewaltsamer Staatsstreich, keine politische Einigung."

Er teile die "Wut" der Menschen: "Mein Lebenswerk wurde zerstört, meine Werte wurden mit Füßen getreten und ich wurde zum Sündenbock gemacht", sagte er.

Ghani stand seit 2014 an der Spitze des Landes. Seit seiner Flucht führt eine international nicht anerkannte Regierung aus Taliban-Vertretern die Geschicke in Afghanistan. Sie kehrten damit 20 Jahre nach ihrer Vertreibung durch US-Truppen wieder an die Macht zurück. Im September hatte Ghani sich bereits auf Twitter beim afghanischen Volk entschuldigt.

fml

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