AFP-Fotojournalist nach Costa Rica abgeschoben

Retamal vier Tage ohne Anklage in Polizeigewahrsam

Der chilenische Fotojournalist der Nachrichtenagentur AFP, Héctor Retamal, ist nach vier Tagen in Polizeigewahrsam mit dem Flugzeug aus Nicaragua nach Costa Rica abgeschoben worden. Das teilte der chilenische Konsul in Nicaragua, Diego Rivera, mit. "Ich bin froh, in Freiheit zu sein; es waren sehr schwierige, beängstigende Tage", sagte Retamal nach seiner Ankunft auf dem Flughafen der costaricanischen Hauptstadt San José.

Die Polizei nahm den 37-jährigen Reporter am Dienstagabend in der Nähe der Residenz des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega fest. Er wollte dort über das Treffen Ortegas mit dem Außenminister der palästinensischen Autonomiebehörde, Riad Malki, berichten. Nach Behördenangaben wurden dem Fotografen Verstöße gegen das Einwanderungsgesetz vorgeworfen. Eine Anzeige oder Anklage gegen ihn lag nicht vor.

Seit seiner Festnahme befand sich Retamal im Gewahrsam der für Terrordelikte, Drogenhandel und organisiertes Verbrechen zuständigen Kriminalpolizei. Er hatte keinen Zugang zu einem Anwalt und durfte nur zwei Mal Besuch vom chilenischen Konsul in Nicaragua bekommen, zuletzt am Donnerstagabend. Keine Anzeige oder Anklage wurde gegen ihn erstattet. Die französische Botschaft schaltete sich ebenso in den Fall ein wie die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Nicaragua (ACEN). AFP forderte Retamals "sofortige Freilassung".

Retamal berichtete für AFP unter anderem über das Erdbeben in Haiti 2010 und die im gleichen Jahr in Chile verschütteten Bergarbeiter. In Zentralamerika war er als Reporter in Guatemala, Nicaragua und Costa Rica tätig. Zuletzt berichtete er über den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama Anfang Mai in Costa Rica.

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