Ahrtal-Katastrophe: ZDF-Doku über den Tod von zwölf behinderten Menschen

Die Ahrtal-Katastrophe im Sommer 2021 kostete unter anderem zwölf Bewohner eines Lebenshilfehauses das Leben. Offenbar hätten sie bei schnellerem Eingreifen gerettet werden können. Eine "ZDFzoom"-Doku rekapituliert die Ereignisse vor der Katastrophe und stellt die Frage nach der Verantwortung.

Im Lebenshilfehaus in Sinzig kam es in der Nacht zum 15. Juli 2021 im Zuge der Ahr-Katastrophe zu einer Tragödie: Zwölf behinderte Menschen ertranken. Eine Doku begibt sich nun auf die Suche nach den Gründen. (Bild: ZDF / Till Röhlig)
Im Lebenshilfehaus in Sinzig kam es in der Nacht zum 15. Juli 2021 im Zuge der Ahr-Katastrophe zu einer Tragödie: Zwölf behinderte Menschen ertranken. (Bild: ZDF / Till Röhlig)

Als die Fluten kamen, brachten sie Tod und Verzweiflung; als sie gingen, hinterließen sie Zweifel: Während der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal drückte das Wasser die Wände des Lebenshilfehauses in Sinzig ein und kostete zwölf Bewohner mit Behinderungen das Leben. Ein Jahr nach den tragischen Ereignissen bleibt die quälende Frage, ob man das Unglück hätte vermeiden können. Im Rahmen von "ZDFzoom: Die Spur" geht die Dokumentation "Allein gelassen in der Flut" (Mittwoch, 18. Mai, 22.45 Uhr, ZDF) von Cristina Helberg, Johannes Musial, Eser Aktay, Torben Becker und David Seeberg dieser Frage nach.

Warnung kam nur etwa eine halbe Stunde vor der Flutwelle

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Wären die Bewohner früher vor der Flut an der Ahr gewarnt worden, wäre ihre Rettung möglich gewesen. Stattdessen kam die Warnung viel zu spät, obwohl genug Zeit geblieben wäre. Denn Sinzig, der Ort, in dem die gehandicapten Menschen ertranken, liegt fast am Ende der Ahr. Mehrere Stunden zuvor suchten Wassermassen in der Flutnacht von 14. zum 15. Juli 2021 bereits die Ortschaften flussaufwärts heim.

Nach Recherchen der Autorinnen und Autoren traf die Warnung jedoch nur etwa eine halbe Stunde vor der Flutwelle ein. Lediglich ein Betreuer hatte in der Nacht Dienst. Alle Bewohner zu evakuieren, erwies sich als unmögliche Aufgabe. Immerhin einigen konnte er das Leben retten. Polizei und Feuerwehr kamen nicht zur Hilfe.

Auswertung von Hochwasserkarten und Social-Media-Videos

Hinter der "ZDFzoom"-Doku steht akribische Arbeit. Cristina Helberg und Johannes Musial rekonstruierten die Stunden vor dem Unglück. Für ihre Analyse standen ihnen Social-Media-Videos, Warn-Ketten, Hochwasserkarten und Satellitenbilder zur Verfügung. Auch den Zuständigkeiten von Behörden und Politik wurde nachgegangen. Während ihrer Recherche tauschten sich die Journalistinnen und Journalisten mit wütenden Angehörigen aus und begegneten traumatisierten Nachbar*innen, einem Feuerwehrmann sowie mutigen Ersthelfer*innen.

Das ZDF kündigt das Rechercheergebnis als "beispielloses Systemversagen" an. Unter dem Strich stellt die Dokumentation die Frage nach der Verantwortung für das Drama. Die Klärung dieser Frage würde den Hinterbliebenen den Umgang mit der Katastrophe wohl deutlich erleichtern.

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