Ai Weiwei befürchtet gewaltsames Eingreifen Chinas in Hongkong

Ai Weiwei befürchtet gewaltsames Eingreifen Chinas in Hongkong

Angesichts der anhaltenden Proteste in Hongkong befürchtet der chinesische Dissident Ai Weiwei ein ähnlich brutales Vorgehen Chinas wie bei der Niederschlagung der Proteste am Pekinger Tiananmen-Platz 1989. China sei bereit, "alles zu opfern", um die Kontrolle über die Sonderverwaltungszone zu behalten, sagte der weltbekannte Künstler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP in seinem Berliner Atelier.

Seit dem Beginn der Demonstrationen für mehr Demokratie in Hongkong vor mehr als zwei Monaten habe er davor gewarnt, dass "die chinesische Regierung früher oder später Gewalt anwenden wird, wenn sie es nicht schafft, die Proteste verstummen zu lassen", sagte Ai. 1989 habe die ganze Welt zugeschaut, als chinesische Panzer die friedlichen Demokratie-Proteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking niederschlugen.

Die Proteste in Hongkong hatten sich in den vergangenen Wochen radikalisiert. Immer häufiger kommt es zu Gewalt - sowohl auf Seiten der Demonstranten als von der Polizei. China drohte den Demonstranten zuletzt immer unverhohlener. In den vergangenen Tagen schickte die Volksbefreiungsarmee zusätzliche Truppen zu "Übungszwecken" an die Grenze zu Hongkong.

Ai zeigte sich solidarisch mit den Demonstranten in Hongkong. "Ich teile ihre Frustration", sagte er. Die Protestbewegung müsse weiter für das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" kämpfen. "Sie sollten nicht zulassen, dass Hongkongs Freiheit verschwindet. Und der einzige Weg dazu ist es, weiter zu kämpfen."

China hatte London bei der Übergabe Hongkongs im Jahr 1997 zugesichert, dass in der ehemals britischen Kolonie Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit für mindestens 50 Jahre gewahrt blieben.

China setzte nicht nur körperliche, sondern auch psychische Gewalt gegen Andersdenkende ein, sagte Ai. "Jede Diskussion wird verweigert", kritisierte er. "Diese Art der staatlichen Gewalt ist schrecklich." Die westlichen Staaten kritisierte er dafür, enge wirtschaftliche Beziehungen mit China zu pflegen, sich aber davor zu "scheuen", über die Menschenrechte in dem Land zu sprechen.

Ai Weiwei geriet wegen seiner Kritik an Zensur und Unterdrückung immer wieder mit den chinesischen Behörden in Konflikt. Als Dissident galt er spätestens, seit er nach dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan 2008 mit mehr als 87.000 Toten scharfe Kritik an der verbreiteten Korruption bei Bauprojekten übte. 2011 wurde der Künstler für 81 Tage verhaftet, sein Reisepass wurde beschlagnahmt. Als er ihn 2015 zurückbekam, zog er nach Berlin.