Aktivisten blockieren Güterzug mit Neuwagen am VW-Werk in Wolfsburg

Aktivisten an dem blockierten Zug

Aktivisten haben am Dienstag einen mit Neuwagen beladenen Güterzug am VW-Werk im niedersächsischen Wolfsburg blockiert. Nach eigenen Angaben ketteten sich unter anderem mehrere Beteiligte vor und hinter dem Zug an die Gleise, um damit ihre Forderung nach einer "radikalen Verkehrswende" angesichts des globalen Klimawandels zu unterstreichen.

Die Polizei nannte die Situation "sehr entspannt". Etwa 25 Beamte beobachteten die Aktion, sagte ein Sprecher. Weitere Einsatzkräfte seien auf dem Weg. Wie Aktivisten über den Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilten, bereitete die Polizei die Räumung der Blockade durch spezialisierte Beamte vor.

Die Beteiligten gehörten laut Selbstbeschreibung zu verschiedenen Gruppierungen, die sich für die Aktion zusammenschlossen. Eine davon nennt sich Aktion Autofrei. Nach eigenen Angaben startete diese auch eine zusätzliche Protestaktion im Eingangsbereich der VW-Autostadt, dem Auslieferungs- und Museumsbereich des VW-Stammwerks. Davon hatte die Polizei laut Sprecher zunächst allerdings noch keine Kenntnis.

Laut Aktion Autofrei ketteten sich mehrere Aktivisten vor und hinter dem Güterzug an die Gleise, als dieser über eine Zubringerstrecke das VW-Werk verließ. Er stoppte teilweise auf einer Brücke über den Mittellandkanal. Weitere Beteiligte mit Transparenten kletterten auf Waggons und seilten sich mit durch den Zug geführten Seilen von der Brücke ab.

Aktion Autofrei möchte demnach gegen die "Umwelt und Lebensräume zerstörende Profitgier der Autoindustrie" protestieren. Diese setze sich auch mit der Produktion "angeblich klimaneutraler E-Autos" fort. Der Abbau des für Batterien benötigten Lithiums führe in Südamerika zu neuen Problemen, erklärte diese.

Die Aktion sei den Menschen gewidmet, die in Bolivien, Argentinien und Chile dagegen kämpften. Es gehe insgesamt auch um den Kampf gegen Kohle, Massentierhaltung, Atomindustrie und "das gesamte kapitalistische Dreckssystem", hieß es.

Die Protestierenden forderten eine rasche Verkehrswende und den "sofortigen, flächendeckenden Ausbau" des öffentlichen Nahverkehrs. Der Autoverkehr in den Städten müsse "radikal minimiert und die Nutzung von Fahrrädern, Trams und Fußwegen attraktiv gemacht werden".

Die Bewegung verwies auf die Pariser Klimaschutzziele. Sie beschreiben das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.