Aktivisten: Mehr als 30 Tote bei Luftangriffen auf Rebellengebiete in Syrien

Verletzte Kinder nach Angriff in Ost-Ghuta

Bei mehreren Luftangriffen auf Rebellengebiete in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 30 Menschen getötet worden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, starben bei nächtlichen Angriffen auf ein Gefängnis in Idlib mindestens 16 Menschen, darunter Häftlinge und Gefängniswärter. Bei einem Luftangriff auf die Stadt Hammurijeh nahe der Hauptstadt Damaskus wurden zudem 16 Zivilisten getötet, darunter ein Kind, sowie Dutzende weitere verletzt.

Der Luftangriff auf das Gefängnis im nordwestsyrischen Idlib sei vermutlich von russischen Kampfjets geflogen worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Nach dem Angriff hätten Wärter auf fliehende Insassen geschossen, wobei es weitere Opfer gegeben haben soll. Die Aktivisten bestimmen die Zugehörigkeit von Kampfjets nach Typ, Ort, Flugmustern und eingesetzter Munition. Russland hatte im September 2015 in den Syrien-Konflikt eingegriffen und unterstützt die Truppen von Präsident Baschar al-Assad.

Die Stadt Idlib steht unter der Kontrolle von Rebellen. Im März 2015 hatte die sogenannte Eroberungsarmee die Stadt eingenommen. Dabei handelt es sich um ein Bündnis, das vom ehemaligen Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front angeführt wird. Die Gruppe trägt mittlerweile den Namen Fateh al-Scham. Fast die gesamte Provinz Idlib ist in der Hand oppositioneller Gruppen.

Auch die Region Ost-Ghuta, in der die Stadt Hammurijeh liegt, ist eine Hochburg der Opposition. Bei diesem Angriff war der Beobachtungsstelle zufolge zunächst unklar, ob das syrische Militär oder russische Verbündete verantwortlich waren. Die Region Ost-Ghuta ist seit dem Jahr 2012 im Belagerungszustand und wird von den Regierungstruppen und auch von den Russen immer wieder attackiert. In der Umgebung von Damaskus ist es die letzte verbliebene Hochburg der Opposition.

Bei dem Angriff vom Samstag auf die Hauptstraße von Hammurijeh gab es der Beobachtungsstelle zufolge mindestens 16 zivile Todesopfer sowie rund 50 Verletzte. Es war zunächst aber unklar, ob es sich bei allen Verwundeten ebenfalls um Zivilisten handelte oder ob auch Rebellenkämpfer unter ihnen waren. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle ist in Syrien breit vernetzt und stützt sich auf Angaben von Informanten. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite aber nur schwer überprüfbar.

Ein AFP-Fotograf sah in Hammurijeh Rettungskräfte der syrischen Weißhelme, die Überlebende aus zerstörten Häusern zogen. Ein Helfer löschte brennende Trümmer mit Wasser. Ein Mann trug zwei verletzte Kinder in Sicherheit, ein anderer hatte die Leiche eines Kindes im Arm.

Im Syrien-Krieg wurden seit dem Frühjahr 2011 mehr als 320.000 Menschen getötet. Der Konflikt hatte mit regierungskritischen Protesten begonnen, die blutig niedergeschlagen wurden. Daraufhin griffen Teile der Opposition zu den Waffen.

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