Aktivisten: Vier belagerte syrische Städte sollen evakuiert werden

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Evakuierung von Kranken aus Sabadani im März 2016

Nach mehr als zwei Jahren der Belagerung sollen in Syrien nach Angaben von Aktivisten vier Städte evakuiert werden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle mitteilte, gilt die Vereinbarung für Sabadani, Madaja, Fua und Kafraja

Nach mehr als zwei Jahren der Belagerung sollen in Syrien vier Städte evakuiert werden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte, gilt die am Dienstagabend erzielte Vereinbarung für die von Regierungstruppen belagerten Städte Sabadani und Madaja bei Damaskus sowie die von bewaffneten Aufständischen umzingelten schiitischen Ortschaften Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib.

Die Einigung sei auf Vermittlung Irans und Katars erfolgt, erklärte die Beobachtungsstelle. Vorgesehen sei auch, dass die syrische Regierung die Freilassung von 1500 "politischen" Gefangenen veranlasst, die seit Beginn des Bürgerkriegs vor sechs Jahren inhaftiert wurden. Ein Zeitrahmen dafür wurde allerdings nicht genannt. Katar unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Rebellen, der Iran die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad.

Die Evakuierung werde voraussichtlich erst ab dem 4. April beginnen, als Zeichen des guten Willens sei aber bereits in der Nacht eine Waffenruhe in Kraft getreten, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. "Es ist dort jetzt ruhig", fügte er hinzu. Der Syrische Arabische Rote Halbmond ist in die Evakuierungsaktionen einbezogen.

Die UNO hatte im Februar vor einer humanitären Katastrophe in den vier Städten gewarnt. Die Lage in Sabadani, Madaja, Fua und Kafraja sei verheerend, dort seien "60.000 unschuldige Menschen" eingeschlossen, die dringend Hilfe benötigten.

Die den Rebellen nahestehende Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien stützt sich nach eigenen Angaben auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

An der Nordfront setzten die von den USA unterstützen Kräfte ihre Offensive auf die Stadt Raka fort, die letzte große Bastion der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der Vormarsch der arabisch-kurdischen Allianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) konzentrierte sich auf den vom IS kontrollierten Tabka-Staudamm am Euphrat, den größten des Landes.

Die SDF-Kämpfer nahmen den Nordteil des Staudamms ein. Syrische Ingenieure nahmen dort am Mittwoch dringende Wartungsarbeiten vor. Wie ein AFP-Reporter berichtete, griffen die Dschihadisten sie jedoch mit Granaten an, als sie einen Kanal anlegten, um aufgestautes Wasser abfließen zu lassen.

Durch das schwere Bombardement in der Region wurde überdies das Kraftwerk beschädigt, das die Stromversorgung am Staudamm sicherte. Dies könnte eine Gefahr für die Städte flussabwärts bedeuten.

Die SDF hatten bereits am Sonntag den rund 50 Kilometer westlich von Raka gelegenen Militärflughafen Tabka erobert, den die Dschihadistenmiliz IS im August 2014 eingenommen hatte. Die drei Kilometer nördlich gelegene Stadt Tabka war am Mittwoch weiterhin in der Hand der Dschihadisten.

Der Islamische Staat hatte Raka im Sommer 2014 ebenso wie weite Landstriche in Syrien und im Irak erobert und in den von ihm kontrollierten Gebieten ein Kalifat ausgerufen. Raka gilt als die "Hauptstadt" des IS. Mit Unterstützung der von den USA angeführten Militärkoalition hatten die SDF im November ihre Offensive zur Rückeroberung der Stadt begonnen.

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