Alice Weidel erntet Kritik für Selfie mit Künstler Ai Weiwei

Ist bisher noch nicht als Kunstliebhaberin in Erscheinung getreten: Alice Weidel. (Bild: Getty Images)

In einem Berliner Restaurant traf die AfD-Politikerin Alice Weidel auf den chinesischen Aktionskünstler Ai Weiwei. Wenig später stellte sie ein Selfie, das bei der Begegnung entstanden ist, ins Netz. Die Reaktionen darauf fielen eindeutig aus.

Als Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag arbeitet sie beständig daran, den Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland zu begrenzen. Nun ist Alice Weidel in einem Berliner Lokal auf einen Mann getroffen, der selbst aus seinem Land fliehen musste, um in Freiheit leben zu können.

Bei dem Mann handelt es sich um Ai Weiwei, der in seiner Heimat China wegen seiner subversiven Kunst bereits eine Gefängnisstrafe absitzen musste. Denn freie Kunst ist in dem kommunistischen Staat auch im 21. Jahrhundert noch nicht erwünscht. Ai Weiwei lebt seit seiner Flucht aus China hauptsächlich in Berlin, wo er auch ein Atelier besitzt.

Das Foto der Flüchtlingskritikerin Weidel mit dem Flüchtling Ai Weiwei löst im Netz große Verwunderung aus.


Etliche User fanden das Selfie befremdlich.


Daneben äußerten sich neben dem Entertainer und Moderator Klaas Heufer-Umlauf unter anderem der SWR-Journalist Fritz Frey sowie das Satiremagazin extra3 zu dem ungewöhnlichen Foto.




Ai Weiwei, der in einem Interview mit der ARD einmal „Ich bin selbst Flüchtling, mein Leben lang“ sagte, hat sich in seiner künstlerischen Arbeit bereits mehrfach mit dem Thema Flucht auseinandergesetzt. So fertigte der Chinese vor einigen Monaten etwa eine Installation an, die ein Flüchtlingsboot darstellt.

Die 70 Meter lange Schlauchboot-Skulptur, auf der sich 258 aufblasbare Figuren befinden, wollte Ai Weiwei auf die große Verantwortung aufmerksam machen, die Europa in der Flüchtlingsfrage zufalle. Das Kunstwerk trägt den Titel „Law of the Journey“ (dt.: „Gesetz der Reise“) und wurde für die Tschechische Nationalgalerie hergestellt, aber auch auf der „Sydney Biennale“ gezeigt.

Ein Mahnmal für die Flüchtlingskrise: Ai Weiweis „Law of the Journey“, hier in Sydney. (Bild: Getty Images)

Ob der Künstler, der in seiner Heimat China als Persona non grata gilt, wusste, mit wem er da in Berlin für ein Selfie posiert hat? Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hat sich Ai Weiwei inzwischen geäußert: „Obwohl ihre Ansichten völlig gegensätzlich zu meinen sind, hat niemand das Recht, über sie persönlich zu richten“, sagte der 60-Jährige. Weidel sei eine demokratisch gewählte Politikerin, daher stehe es ihr zu, ihre politische Meinung frei zu äußern. Ai Weiwei fügte hinzu: „Ich glaube nicht, dass gegensätzliche politische Anschauungen oder Werte ein Hindernis für Kommunikation sein sollten. Ich kämpfe dafür, diese Grenzen einzureißen.“