Allein geflüchtet, alleingelassen: Junge Migranten in Madrid

Momo ist 17. Mit seinem Bruder machte er sich auf die Flucht aus Ghana in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Eine Reise durch die Hölle: "Es war schrecklich. Ich hatte keine Ahnung, dass ich an einem Ort wie Libyen landen würde."

Libyen: Verkauft für ein paar hundert Euro

Erst ein tagelanger Fußmarsch durch die Wüste, dann die Ankunft in dem von Krieg und Armut gebeutelten Land. In Libyen nutzen korrupte Milizen und Schleuser die Not der Flüchtlinge schamlos aus.

Auch Momo geriet in die Fänge von Menschenhändlern, wurde für ein paar hundert Euro als Sklave versteigert: "Wir wurden verkauft. Alle. Ich war 1.700 Dinar wert."

Leben in Madrid: "Wir leben nicht, wir existieren"

Momo schaffte es auf ein Schlauchboot, wurde im Mittelmeer aus Seenot gerettet, nach Italien und schließlich nach Spanien gebracht. Er würde gern eine Ausbildung machen, Arbeit finden. Doch nach zwei Monaten im Auffanglager in Madrid fühlt er sich im Stich gelassen.

"Es ist, als würden sie uns wie Tiere in einen Käfig sperren. Sie schließen ihn ab und es ist egal, ob wir leben oder sterben. Das ist unser Alltag. Wir leben nicht, wir existieren nur", sagt der 17-Jährige, der seinen Bruder auf der Flucht aus den Augen verloren hat.

Momo ist einer von Tausenden unbegleiteten minderjährigen Migranten, die in Madrid gestrandet sind. Er lebt im Auffanglager Hortaleza. eine der wenigen Unterkünfte für unbegleitete Minderjährige in der spanischen Hauptstadt. Sie bleiben dort, bis sie einen Platz in einem Heim oder einer anderen Einrichtung bekommen.

Das Warten auf eine Ausbildung und auf Arbeit halten viele nicht aus. Sie landen auf der Straße, schlagen sich irgendwie durch. Das führt zu Spannungen mit den Bewohnern der Stadt, die immer häufiger sagen: nicht bei uns.

Streit mit den Einheimischen

"Immer wieder hört man, dass ältere Menschen, oder auch nicht so alte überfallen werden, ihnen das Handy, die Tasche, ihr Schmuck gestohlen wird. Es gibt fast jede Nacht solche Überfälle", sagt Emiliana Sanchez, eine Bewohnerin Madrids. 

Es gebe einen Konflikt in der Nachbarschaft zwischen denen, die die jungen Flüchtlinge unterstützen und denen, die sie ablehnen, sagt ein Mann. Man könne das unmöglich lösen. Julian Moreno will das nicht akzeptieren. Der junge Arzt sucht Kontakt zu den Jugendlichen. Sie alle in eine Schublade zu stecken sei ungerecht und bringe nichts.

"Die meisten von ihnen wollen wirklich nur Gutes", sagt Moreno. "Klar gibt es auch die, die Ärger suchen und das hat dann leider Konsequenzen für alle diese Jugendlichen. Aber die meisten in diesem Auffanglager sind korrekte Menschen. Die Leute müssten nur herkommen und mit ihnen reden, um das auch sehen zu können."

Carlos Ghana vom Roten Kreuz erklärt: "Sie kommen mit dem klaren Ziel, zu arbeiten, Geld zu verdienen und dieses Geld dann an ihre Familien in ihren Heimatländern zu schicken. Das Problem ist, dass die Behörden hier überfordert sind, die vielen Jugendlichen wirklich zu betreuen."

13.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Spanien

Mehr als 13.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind inzwischen in Spanien registr iert. Seit dem vergangenen Jahr ist die Zahl um 160 Prozent gestiegen. Und es dürfte so weitergehen, denn im Sommer machen sich besonders viele Migranten auf den Weg.