"Das sind alles menschliche Schicksale": ZDF zeigt Corona-Sendung zur besten Sendezeit

Rupert Sommer
·Lesedauer: 4 Min.
"Mein Corona-Jahr war, was das Arbeiten angeht, zunächst erst mal sehr einsam", sagt "heute"-Moderator Christian Sievers. "Ich sitze seit fast genau einem Jahr in einem Raum, der eigentlich mal dafür da war, um Anzüge, Krawatten und Hemden zwischenzulagern." (Bild: ZDF/Jana Kay )
"Mein Corona-Jahr war, was das Arbeiten angeht, zunächst erst mal sehr einsam", sagt "heute"-Moderator Christian Sievers. "Ich sitze seit fast genau einem Jahr in einem Raum, der eigentlich mal dafür da war, um Anzüge, Krawatten und Hemden zwischenzulagern." (Bild: ZDF/Jana Kay )

Seit rund einem Jahr befindet sich Deutschland im Corona-Ausnahme-Dauerzustand. Christian Sievers fängt nun im ZDF zur besten Sendezeit Stimmen der Infizierten, Überlebenden sowie von Angehörigen der Verstorbenen ein.

Es ist das Teuflische an der weltweiten Corona-Welle, dass sie den Betroffenen - und wer würde sich direkt oder indirekt betroffen nicht dazuzählen - kaum einen Moment des Innehaltens gewährt. Auch die Nachrichten zum Thema kommen seit einem Jahr in einer derart hohen Frequenz über den Äther, dass das Einsortieren und Analysieren schwerfällt. Die ZDF-Sondersendung "Wir und das Virus - Gesichter der Pandemie" möchte am Dienstag, 23. März, zur besten Sendezeit genau das bieten: Aufklärung und Überblick - ganz ohne die hitzige Tagesaktualität.

Moderator Christian Sievers, der sonst durch die "heute"-Hauptnachrichten führt, will den Schicksalen hinter dem Dauerfeuer der Schlagzeilen und Schnellmeldungen Aufmerksamkeit verschaffen. Sievers ist live aus Berlin zugeschaltet, um zusammen mit Spitzenpolitikern und ganz normalen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine Art erste Corona-Bilanz zu ziehen. Und um einfach mal zuzuhören - in hektisch-überdrehten Zeiten sicher nicht das Verkehrteste.

Die Hoffnungen ruhen auf schnellen Impf-Erfolgen. (Bild: 2021 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez)
Die Hoffnungen ruhen auf schnellen Impf-Erfolgen. (Bild: 2021 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez)

Ein Ohr für die Nöte der Abgehängten

Es war vor gut einem Jahr, als Deutschland zum ersten Mal in den Zustand der Lockdown-Lähmung und des nachrichtlichen Alarmzustands ging, der zum Dauerzustand wurde. Angesichts des oft starren Blicks auf Fallzahlen, Statistiken und Kurvendiagramme wurden womöglich allzu zu oft die Menschen hinter den Daten vergessen.

Nun möchte das ZDF ganz besonders die Stimmen der unmittelbar Betroffenen in den Fokus rücken: Was hat Corona mit den Infizierten, den Genesenen, den Weitermachern und den Angehörigen von Verstorbenen gemacht? Dabei will die von Sievers geführte Sendung auch denjenigen eine Stimme geben, die oft nicht gehört werden und sich übergangen fühlen.

Christian Sievers moderiert üblicherweise die "heute"-Nachrichten am Abend und kennt daher alle neuesten Corona-Entwicklungen. (Bild: ZDF/Jana Kay)
Christian Sievers moderiert üblicherweise die "heute"-Nachrichten am Abend und kennt daher alle neuesten Corona-Entwicklungen. (Bild: ZDF/Jana Kay)

Erzwungener Rückzug in die Klamottenkammer

Dabei gingen die strengen Hygienebestimmungen und die allgemeinen Lebenseinschränkungen natürlich auch nicht am Nachrichtenmann Sievers selbst vorbei. "Schrecklich war es im Rückblick. Und doch nicht so schrecklich wie für viele, viele andere", sagt er über sein eigenes erstes Corona-Jahr. "Man staunt immer wieder, an wie viel man sich gewöhnt."

Allerdings musste sich auch der Moderator, der sonst im Berufsleben einen engen Austausch mit den Kollegen pflegte, sich komplett umstellen - auf erzwungene Un-Geselligkeit. "Mein Corona-Jahr war, was das Arbeiten angeht, zunächst erst mal sehr einsam. Ich sitze seit fast genau einem Jahr in einem Raum, der eigentlich mal dafür da war, um Anzüge, Krawatten und Hemden zwischenzulagern. Und jetzt sitze ich da auch mit drin", berichtet Christian Sievers aus seinem pandemiekonformen Office. "Er hat den Vorteil, dass ich ganz alleine bin und vier Wände drum rum gebaut sind. Aber er hat natürlich nichts von dem Quirligen eines Newsrooms, den wir normalerweise haben, wo man über den kleinen Dienstweg über die Tische hinweg etwas zuruft und sich zu spontanen Konferenzen verabredet. Sondern ich sitze hier quasi isoliert und gehe dann runter ins Studio, wo alle Masken tragen und darf für 20 Minuten am Tag die Maske mal abnehmen, nämlich dann, wenn wir im Fernsehen sind."

Das Impfen geht vielen Bundesbürgern viel zu langsam voran. (Bild: 2021 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez)
Das Impfen geht vielen Bundesbürgern viel zu langsam voran. (Bild: 2021 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez)

Keine Hauptrolle für den Erreger

In den vielen Nachrichtensendungen, die Sievers seit Monaten in fast stoischer Sachlichkeit präsentiert, steht der Erreger immer ganz oben auf der Agenda. Umso wichtiger war es ihm, bei der Dokumentation die Perspektive zu ändern. Deswegen heißt sie auch "Wir und das Virus" und nicht "Das Virus und wir", wie der ZDF-Mann betont.

"Wir wollten auf gar keinen Fall das Virus ganz nach vorne stellen", sagt Christian Sievers. "Das sagt eigentlich schon, worauf der Hauptaspekt der Sendung liegt, nämlich auf den Menschen hinter den Zahlen, auf den Gesichtern der Pandemie und auf deren Erlebnissen. Und was wir zeigen wollen, ist einfach: Das sind nicht einfach nur Daten, statistische Werte, sondern das sind alles menschliche Schicksale. Und wir nehmen uns wirklich Zeit."

Dass es gelang, eine solche eher ungewöhnliche Sendung prominent zu platzieren, ist dem "heute"-Macher besonders wichtig: "90 Minuten im Hauptabendprogramm, um mit den Menschen zu reden, die all das durchmachen, die all das erdulden" - darauf freut sich Sievers. Seine Sendung handele von jenen, "die auch in dieser Pandemie immer wieder neue Wege finden, um sich selbst zu motivieren und auch so ein bisschen Hoffnung zu behalten oder sogar Hoffnung anderen Menschen zu geben".

Weltweit belasten die hohen Fallzahlen weiter die Krankenhaus-Infrastruktur. Viele Mediziner und Pflegekräfte sind im Dauereinsatz. (Bild: 2021 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez)
Weltweit belasten die hohen Fallzahlen weiter die Krankenhaus-Infrastruktur. Viele Mediziner und Pflegekräfte sind im Dauereinsatz. (Bild: 2021 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez)