"Alles verloren!" "Goodbye Deutschland!"-Familie steht in Australien vor dem Nichts

Carmen Schnitzer
·Lesedauer: 4 Min.

Tote Tiere, das Zuhause in Schutt und Asche, die Existenzgrundlage fast vollständig geraubt - ganz unabhängig von Corona erlebte Familie Davis 2020 das bislang härteste Jahr ihres Lebens. Die VOX-Doku "Goodbye Deutschland!" begleitete Sabrina, Ben und ihre Kinder beim Weg zurück in die Normalität.

"Am Anfang habe ich ihn ermutigt, viel zu weinen", erzählte "Goodbye Deutschland!"-Auswanderin Sabrina Davis (37) dem VOX-Team. Sie sprach von ihrem Mann Ben (42), der um den Jahreswechsel 2019/2020 während des verheerenden australischen Buschbrände gemeinsam mit seinem Bruder und Vater versucht hatte, seine Farm in Karatta auf Kangaroo Island zu retten und den danach viele Albträume plagten.

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In den 1950er-Jahren hatten seine Eltern die Farm aufgebaut, hier hatte er mit seiner deutschen Frau und den gemeinsamen Kindern Jordan (7) und Kerily (5) gelebt und eine große Schaf- und Bienenzucht betrieben. Die Bilder, die er während der Brände mit seiner Handykamera aufnahm und die nun in der Sendung gezeigt wurden, gaben den Zuschauern eine Ahnung davon, was er durchgemacht haben musste. Beängstigend nah wüteten die Flammen direkt vor der Fensterfront des Wohnbereichs, Funken sprühten, das Gartentrampolin flog umher ... Immer klarer wurde: Die Männer hatten keine Chance, das Haus zu schützen.

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Unterdessen durchlebte auch Sabrina die bereits kurz vorher mit den Kindern, Hunden und schnell zusammengepackten Taschen zur 80 Kilometer entfernt lebenden Schwiegermutter gefahren war, quälende Stunden der Ungewissheit: Weil Telefonnetz und Stromversorgung zusammengebrochen waren, konnte sie ihren Mann nicht erreichen, wusste nicht, ob er, ihr Schwiegervater und Schwager überhaupt noch lebten. Immerhin ihre Leben konnten die drei Männer schließlich retten, das Haus aber fiel den Flammen zum Opfer, ebenso wie die 500 Schafe sowie ein Großteil der Bienenvölker, deren Honig die Haupteinnahmequelle der Davis' war.

Sich die toten Tiere anzusehen, brachte Sabrina nicht übers Herz, erst als diese bereits entfernt worden waren, kam sie auf die Farm - beziehungsweise das, was davon übrig geblieben war. Besonders die noch erkennbaren, verkohlten Kinderspielzeuge wühlten sie auf. Gleichzeitig freute sie sich über die wenigen Dinge, die sie oder ihr Mann retten konnten, etwa Familienfotos oder ihren alten Gameboy, den sie, zusammen mit ihrer Ehe-Urkunde und anderen Dingen, die ihr wichtig sind, in eine sogenannte Notfall-Box gepackt hatte.

Dass eine solche Kiste, die man schnell greifen und aus den Flammen retten konnte, Sinn hat, hatte sie eineinhalb Jahre zuvor in einem Buschfeuer-Vorbereitungskurs gelernt. Denn Buschfeuer sind auf dem Kontinent nichts Ungewöhnliches, allerdings war das Ausmaß selten so heftig wie vor rund einem Jahr.

"Es ist hart, wenn du realisierst, dass du alles verloren hast"

Wie geht man damit um, wenn einem alles, zumindest alles Materielle, genommen wurde? Sabrina und Ben Davis erschienen in der Reportage beeindruckend stark. "Es ist hart, wenn du realisierst, dass du alles verloren hast, aber andererseits ist es auch ein Neubeginn. Wir bauen etwas ganz Neues für uns", versuchte Ben, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen.

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Die rund 70 Jahre alte Farm sei in vieler Hinsicht altmodisch und unpraktisch gewesen, erklärte die Münchnerin Sabrina, die 2009 nach Australien gekommen war. Nun hätten sie die Chance, alles nach ihren Wünschen neu zu gestalten. Möglich war der Neustart unter anderem durch das Geld, das die von einer deutschen Freundin gestartete GoFundMe-Kampagne eingebracht hatte. Dass sogar Fremde ihnen gespendet hatten, rührte Sabrina und Ben sehr.

Sabrina und Ben Davis: "Viel daraus gelernt"

Auch dass sie ihrer "Leidenschaft gefolgt" war und eine eigene kleine Firma gegründet hatte, mit der sie Schreib- und Korrekturarbeiten anbot, hatte sie indirekt dem Feuer zu verdanken, erzählte Sabrina. Zudem hatte sie viel Tagebuch geschrieben, viel mit Nachbarn und Freunde gesprochen, die Ähnliches erlebt hatten, und plante nun mit einem Filmteam eine Art "Rückblicks-Dokumentation". 86 Familien haben auf der Insel ihr Zuhause verloren, ihre Gemeinde sei durch die Katastrophe sehr zusammengewachsen, allen sei das Projekt "extrem wichtig geworden."

Sabrinas Fazit: "So blöd diese Erfahrung war und so traurig das auch wirklich war, muss ich doch sagen, hab' ich sehr, sehr viel daraus gelernt", unter anderem, "dass kein Tag dir versprochen ist. Also: Du musst jeden Tag nutzen, mach das Beste aus jedem Tag!"

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