#allesdichtmachen: Jetzt zoffen sich auch noch die Schauspieler

André Wagner
·Freier Autor
·Lesedauer: 6 Min.

Zahlreiche deutsche Film- und Fernsehstars veröffentlichten am Donnerstag ironisch-satirische Videobeiträge zur Corona-Politik der Bundesregierung. Es gab knallharte Kritik, vor allem von Schauspiel-Kollegen, aber auch Zustimmung. Doch von einigen "Unterstützern" distanzieren sich einige Stars mittlerweile.

Auch Schauspieler Jan Josef Liefers beteiligte sich an der Aktion #allesdichtmachen. (Bild: Getty Images)
Auch Schauspieler Jan Josef Liefers beteiligte sich an der Aktion #allesdichtmachen. (Bild: Getty Images)

Ob es eine gute Idee war, darüber muss sich jeder Einzelne sein eigenes Urteil bilden, aber dass es Wellen schlagen wird, war eigentlich vorprogrammiert. Rund 50 namhafte Film- und TV-Schauspieler haben mit einer groß angelegten Aktion bei Instagram und auf YouTube für Aufsehen gesorgt.

Unter dem Motto #allesdichtmachen haben prominente Künstler wie Jan Josef Liefers, Richy Müller, Heike Makatsch, Meret Becker, Ulrike Folkerts (um an dieser Stelle nur ein paar Namen zu nennen) gleichzeitig ironisch-satirische Videos veröffentlicht. Inhalt der Beiträge sind persönliche Statements zur aktuellen Corona-Politik der Bundesregierung und der Verschärfung der Corona-Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Alle Geschäfte schließen und in Tüten atmen

So fordert Ulrich Tukur dazu auf, alle Lebensmittelgeschäfte zu schließen, Richy Müller atmet abwechselnd in zwei Tüten und Meret Becker liest von einem überdimensionalen Stück Papier ironisch-anmutende Zeilen über Schutzmasken vor.

Wer genau diese Aktion koordiniert hat und welchen Zweck sie eigentlich verfolgt, ist derzeit noch nicht ganz klar. Klar war den Machern (jedenfalls sollte es ihnen bewusst gewesen sein) aber sicherlich schon vor dem Einstellen der Videos, dass - gemäß einem physikalischen Gesetz oder auch dem Stimulus-Response-Modell der Kommunikationsforschung zufolge - auf eine Aktion auch eine Reaktion erfolgen wird. Die ließ nicht lange auf sich warten und fiel zum Teil knallhart und deutlich aus. 

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Und, wie nicht anders zu erwarten bei der derzeit gespaltenen Stimmung im Land, war das Echo geteilt: Es gibt absolute Zustimmung auf der einen und sehr viel Empörung auf der anderen Seite.

Geteiltes Echo zu Internetaktion

So konnte Hans Georg Maaßen, der frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, mit seiner Begeisterung für die Aktion kaum hinterm Berg halten. Auf Twitter bezeichnete der nicht unumstrittene CDU-Rechtsaußen die Internetaktion als "großartig". 

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Jonas Schmidt-Chanasit, ein Hamburger Virologe, sprach von einem "Meisterwerk", das "uns sehr nachdenklich machen" sollte. 

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Und Joana Cotar, Bundestagsabgeordnete der AfD, huldigte Jan Josef Liefers Medienkritik auf Twitter mit "Ich feier ihn gerade! Jan Josef Liefers. Das ist intelligenter Protest."

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Doch während es von vielen Seiten Lob und Zuspruch für #allesdichtmachen gab, kam von zahlreichen Prominenten der durch die Corona-Maßnahmen besonders hart gebeutelten Kulturszene heftiger und knallharter Gegenwind.

So twitterte Tobias Schlegel: "Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben". 

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Der Moderator arbeitet auch als Notfallsanitäter.

Schauspieler Marcus Mittermeier kommentierte die Aktion mit: "Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!"

Auch auf Instagram wurde Kritik an #allesdichtmachen laut. So kommentierte Elyas M'Barek das Video von Babylon-Berlin-Star Volker Bruch mit den Worten: "Come on, das ist doch Blödsinn. Was unterstellst du denn da unserer Regierung? Kann ich null nachvollziehen. Jeder will wieder zur Normalität zurückkehren und das wird auch passieren. Wenn alle dafür sorgen, dass eine weltweite PANDEMIE bekämpft wird. Mit Zynismus ist doch keinem geholfen."

Volker Bruch hatte in seinem Video die Bundesregierung auf ironische Art und Weise dazu aufgefordert, den Bürgern doch bitte mehr Angst zu machen.

WEIMAR, GERMANY - DECEMBER 12:  Nora Tschirner and Christian Ulmen attend the premiere of 'Tatort - Die Fette Hoppe' at Deutschen Nationaltheater on December 12, 2013 in Weimar, Germany.  (Photo by Jens-Ulrich Koch/Getty Images)
Nora Tschirner und Christian Ulmen kritisierten ihre Kollegen scharf (Bild Jens-Ulrich Koch/Getty Images)

Tschirner und Ulmen schämen sich für Kollegen

Auch Nora Tschirner reagierte bei Twitter auf die umstrittene Aktion. Als Antwort auf einen Tweet, in dem sie markiert wurde, schrieb die "Tatort"-Kommissarin: "Echt ja, Leude? Was‘ los da? "Make cynicism great again?" Oder wie? Wird’s schon boring im Loft und im Brandenburger Landhaus? Jetzt doch mal raus wagen und n' büschn kokeln, weil man sich sonst um die eigene Gefühlsverwaltung kümmern müsste? Joah, kann man machen. Kann halt sein, dass man sich ein büschn schämen wird in nen paar Jahren (Wochen). Unfuckingfassbar."

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Und Christian Ulmen, langjähriger "Tatort"-Kollege von Tschirner, schloss sich ihrer Meinung an: "Heute bisschen für Kollegen schämen. #allesschlichtmachen", schrieb er.

Zusammen startete das Duo auf Twitter eine Gegenaktion unter dem Motto #allesschlichtmachen. Ebenso wie #allesdichtmachen fand sich der Hashtag in den Twitter-Trends.

Liefers distanziert sich von "Unterstützern" - Makatsch löscht ihr Video wieder

Jan Josef Liefers kritisierte die Medienszene für deren Berichterstattung über die Pandemie scharf. 

Mittlerweile distanziert sich der "Tatort"-Star - jedoch nicht für seine sarkastisch-scharfe Medienschelte, sondern von zahlreichen Personen, die ihn für seine seine Videobotschaft feierten. "Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück", twitterte der 56-Jährige. "Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt."

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Und auch Heike Makatsch bläst, angesichts der Beifall-Klatscher vom rechten Spektrum, ins selbe Horn wie Liefers. Am Freitagmorgen nahm sie Abstand von ihren "Unterstützern". "Ich distanziere mich klar und eindeutig von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Schon immer. Ohne Frage. Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht und will niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen schmälern und sie womöglich dadurch verletzen. Soll das geschehen sein, so bitte ich um Verzeihung", schrieb die Schauspielerin auf Instagram.

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"Ich habe durch Kunst und Satire den Weg gewählt, die Veränderungen unserer Gesellschaft aufzuzeigen und Raum zu schaffen für einen kritischen Diskurs. Ich finde es wichtig, unsere nicht mehr wieder zu erkennende Welt auf irgendeine Art zu spiegeln oder zu kommentieren. Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst", erklärte Makatsch ihre Teilnahme an der Aktion #allesdichtmachen. Ihr Video hat sie mittlerweile wieder gelöscht.

Gut möglich, dass es nicht der letzte #allesdichtmachen-Clip ist, der wieder zurückgenommen wird.

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