Alte Liebe rostet nicht: Der Opel Kadett als Lebensgefühl

Stefan Küsters ist Opel-Fan seit den 1980er Jahren.

Dem Opel Kadett der dritten Generation (daher C-Kadett genannt) erging es wie vielen Brot- und-Butter-Autos: Er wurde gebraucht, verschlissen und dann einfach entsorgt. Früher dutzendfach auf jedem Parkplatz anzutreffen, ist er mittlerweile fast ausgestorben.

Doch es gibt sie noch, die Kadett-Enthusiasten, die viel Geld und Zeit in die Restaurierung der Autos investieren, obwohl deren Wert dadurch nicht entsprechend zunimmt. Ein alter Opel ist eben kein alter Porsche mit stetig steigenden Preisen. Stefan Küsters ist einer dieser „Verrückten“.

Ein Kadett C gehört für den Werkstatt-Besitzer aus Niehl einfach zum Lebensgefühl: „Ich habe immer einen Kadett gehabt, das ist ein Stück meiner Jugend.“ Sagt’s und lässt sich auf braunem Velours nieder, um den sonoren Motor anzulassen. 

Stefan Küsters erzählt, warum sein Herz an an dem Opel hängt.

Deshalb habe ich ihn:

Den ersten Kadett der C-Baureihe habe ich gekauft, als ich 17 war und den Führerschein noch gar nicht hatte. An dem habe ich auf dem Grundstück meiner Eltern in Niehl rumgeschraubt, genauer gesagt: Ich habe ihn tiefer gelegt, Sportfelgen draufgezogen, Spoiler vorne drangeschraubt und Schalensitze mit Hosenträgergurten eingesetzt. 1980er-Jahre-Sünden eben. Der Wagen hatte am Anfang 75 PS, später dann 130. Der C-Kadett war eigentlich ein normales Gebrauchsauto, aber normal ist für einen 17-Jährigen ja nicht interessant.

An den Kadett bin ich eigentlich über meinen Freundeskreis gekommen, wo die Autos weit verbreitet waren. Die Opel-Leute trafen sich sonntags ab 11.30 Uhr unter der Zoobrücke in Deutz und fuhren dann gemeinsam ins Bergische Land zum Waffelessen. Noch heute fahre ich regelmäßig zu Kadett-C-Treffen in ganz Deutschland und treffe alte Bekannte von damals. Mit der Zeit habe ich immer mehr Kadetts dazubekommen, heute habe ich vier Stück. Der goldfarbene ist das neueste Projekt.

Das kann er:

Er ist zuverlässig, einfach zu reparieren, wenn man denn Ersatzteile hat. Und speziell der goldene Kadett hat eine solide Vorgeschichte. Ich kenne das Auto seit 25 Jahren, weil es von der Mutter eines Arbeitskollegen jeden Tag gefahren wurde. Ich sagte ihm irgendwann, dass ich den Kadett kaufen würde, wenn seine Mutter ihn mal abgibt.

Und das hat sie vor zehn Jahren getan. Aus erster Hand einen unverbastelten C-Kadett zu bekommen mit lückenloser Historie (im Fahrzeugschein stehen alle Tüv-Stempel) ist heutzutage wie ein Sechser im Lotto. Entweder sind die Autos längst weggerostet oder hoffnungslos verbastelt.

Das kann er nicht:

Ein Kadett C, der nach den ersten Lebensjahren nicht hohlraumversiegelt wurde, bekommt relativ schnell Rostprobleme. Deshalb habe ich alle meine Kadetts sofort gegen Rost immunisiert. Früher hatte ich immer einen schlechten Kadett für den Winter und einen guten für den Sommer. Auch das war in den 1980er Jahren üblich.

Eine gute Wertanlage ist ein C-Kadett insgesamt nicht. Weil man in der Regel viel Arbeit und Teile reinstecken muss, die man bei einem Verkauf niemals bezahlt bekäme. Die Restaurierung eines Kadetts ist immer eine Herzensangelegenheit und hat mit Vernunft wenig zu tun.

Das habe ich für ihn getan:

Der Kadett hatte für sein Alter relativ wenig Rost, aber an den typischen Schwachstellen wie den Schwellern, Radläufen und Kotflügeln war dann doch etwas zu tun. Die Karosseriearbeiten hat ein Kollege von mir übernommen, der in der Szene gut bekannte Ede Anielski.

Die mechanischen Probleme habe ich übernommen. Im Grunde habe ich die Technik komplett überarbeitet und den Innenraum in die Obhut eines Sattlers gegeben. Allein das Velours in der Originalfarbe und -struktur zu bekommen war sehr aufwändig. Wir haben es schließlich über einen holländischen Stoffhändler erhalten.

Den Originalmotor habe ich zeitgenössisch überarbeitet, so dass er nun 160 statt ursprünglich 110 PS hat. Die Felgen stammen von einem Opel Ascona 400. Für mich muss ein Kadett zumindest technisch ein bisschen mehr können als die Serien-Version. Optisch muss gar nicht so viel verändert werden. Deshalb habe ich es auch bei der originalen Farbe Bernstein Gold Metallic belassen.

Das haben wir erlebt:

Wo immer ich mit dem Opel auftauche, ist die Resonanz positiv. Die Leute freuen sich einfach, wenn sie mal wieder einen Kadett sehen, denn die meisten Exemplare sind eben aus dem Straßenbild verschwunden. Aber jeder hat irgendwas mit dem Kadett erlebt, entweder ihn selbst gefahren oder der Opa hatte einen mit der gehäkelten Klorollen-Abdeckung auf der Hutablage.

Das haben wir vor:

Aktuell habe ich vier C-Kadetts, und ich werde versuchen, sie alle am Laufen zu halten. Das ist nicht ganz einfach, weil es viel Zeit kostet, die der Familie nicht zur Verfügung steht. Zum Glück habe ich eine verständnisvolle Frau, die mein Leiden lange kennt. Trennen kann ich mich von keinem der Autos, jedes ist eben eine Besonderheit mit eigener Geschichte. Leider gibt es die spontanen Kadett-Treffen nicht mehr. Die alten Zeiten kommen wohl nicht mehr zurück.

Aufgezeichnet von Tobias Christ

Steckbrief 

Opel Kadett C 16 S

Baujahr:  1979

Hubraum (ccm): 2000 

PS: 160

Zylinder: 4

km/h (max.): 215 

Verbrauch: 13 Liter

Gebaute Exemplare:  1,7 Mio. 

Neupreis (D-Mark):   15.706

Oldtimer-Treffen

Jeder mit mindestens 30 Jahre altem Auto ist willkommen, wenn die Interessengemeinschaft Klassik Köln am Sonntag, 7. Mai, ab 10 Uhr zum Oldtimertreffen am Butzweilerhof in Ossendorf lädt. Ein besonderes Programm ist nicht geplant, bei dem markenoffenen Treffen soll es zwanglos zugehen. Lediglich eine kleine Ausstellung mit Vorkriegs-Fahrzeugen wird organisiert. Im vergangenen Jahr kamen mehrere hundert Autos und 2500 Besucher am ehemaligen Flughafengebäude zusammen, in diesem Jahr soll sich der Erfolg wiederholen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Parkgebühr beträgt drei Euro. (cht)

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