Altersarmut im reichen München - "Ohne Unterstützung würde ich gar nicht mehr leben"

Irene Kleber

Auch im reichen München gibt es sie: die armen Alten. Warum einer wie Helmut Heller dazu gehört, wie das Sozialsystem der Stadt hilft – und warum das ohne Hilfsvereine trotzdem nicht reicht.

München - Vielleicht wäre es anders gelaufen für Hermann Heller, wäre er an einem anderen Ort geboren worden, hätte seinen Wunschberuf gelernt, hätte Wurzeln geschlagen, irgendwann, irgendwo.

Aber es war nun mal wie es war, und so lebt er heute, 78 Jahre alt, mit allerschmalstem Geldbeutel in einer winzigen Sozialwohnung im Münchner Osten. Hermann Heller gehört zu den Münchnern, die in Altersarmut leben. Einer von den alten Menschen, die man allzugern wegblendet an der Isar, weil Münchens Wohlstand und Glamour die Armut überstrahlt.

In einem Heim für Buben nahm das Schicksal seinen Lauf

Dabei sind es nicht wenige, denen es geht wie ihm – und es werden immer mehr: Allein 14.750 Rentner haben vergangenes Jahr Sozialhilfe von der Stadt bekommen, die sogenannte "Grundsicherung", die immerhin sicherstellt, dass nach Abzug von Warmmiete samt Strom 430 Euro monatlich zum Leben bleiben.

Da sind die mehreren tausend Alten längst nicht mitgerechnet, die solche Hilfe aus Scham gar nicht erst beantragen.

Hermann Heller, 1938 geboren, ist als Vertriebenen-Kind in einem Dorf in der Eifel aufgewachsen. Er habe Installateur werden wollen, sagt er, es habe aber keine Lehrstelle gegeben, wo die Familie lebte. Also schickten ihn die Eltern in ein Heim für Buben, wo er Universal-Fräser lernen sollte.

Es sei da "furchtbar" gewesen, erzählt er. "Die haben uns Kinder den ganzen Tag im Dunklen, im Staub und in der Kälte arbeiten lassen." Aber heimholen wollten die Eltern ihn auch nicht mehr.

"Der Hilfsarbeiter ist ja immer der Dumme"

Als 14-Jähriger läuft er weg, allein auf sich gestellt und ohne Ausbildungsabschluss. Findet Tagelöhner-Arbeit in einem Kohlebergwerk im Ruhrgebiet, schlägt sich durch als Gelegenheits-Fräser. Landet schließlich in München, wo er erst als Tellerwäscher im noblen Hotel "Vier Jahreszeiten" anheuert – "für Kost, Logis und ein ganz kleines Taschengeld".
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