Amnesty: Zahl der weltweiten Hinrichtungen im vergangenen Jahr gesunken

Zahl der Hinrichtungen laut Amnesty gesunken

Die Zahl der von Amnesty International erfassten weltweiten Hinrichtungen ist im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel auf 1031 gesunken. 87 Prozent der Hinrichtungen fanden in vier Ländern statt: im Iran (567), Saudi-Arabien (154), im Irak (88) und Pakistan (87), wie aus der am Dienstag veröffentlichten jährlichen Statistik der Menschenrechtsorganisation hervorgeht. Spitzenreiter ist jedoch mutmaßlich China, das keine offiziellen Zahlen herausgibt.

Amnesty kritisierte die "Verschleierungspolitik" der chinesischen Regierung - vermutlich wurden in China auch 2016 wieder mehr Menschen als im Rest der Welt zusammengenommen hingerichtet, wie es in dem Bericht heißt. Amnesty geht von tausenden Fällen aus.

"Informationen zur Todesstrafe in China stehen per Gesetz als Staatsgeheimnis unter Verschluss. Die öffentliche staatliche Datenbank lässt entgegen den Behauptungen der Regierung keine Rückschlüsse darauf zu, ob die Todesstrafe in China weniger angewendet wird", erklärte Alexander Bojcevic, Experte zur Todesstrafe bei Amnesty International in Deutschland.

2015 lag die Zahl der weltweit registrierten Hinrichtungen laut Amnesty bei 1634. Das war eine Rekordzahl. Dem neuen Jahresbericht zufolge wird inzwischen in 141 Staaten die Todesstrafe nicht mehr angewendet: In 104 Ländern ist sie vollständig abgeschafft, sieben Staaten sehen die Todesstrafe nur noch für außergewöhnliche Straftaten wie Kriegsverbrechen oder Vergehen nach Militärrecht vor. In 30 Ländern ist die Todesstrafe in der Praxis, aber nicht im Gesetz abgeschafft.

Auch die Zahl der Länder, in denen Todesurteile gesprochen wurden, sank laut Amnesty im Vergleich zum Vorjahr von 61 auf 55. Allerdings stieg gleichzeitig die Gesamtzahl der Todesurteile drastisch auf 3117, nach 1998 im Jahr 2015. Dies ist auf einige wenige Staaten wie Nigeria, Kamerun, Sambia und Somalia zurückzuführen.

Zum ersten Mal seit 2006 sind die USA nicht unter den fünf Staaten mit den meisten Hinrichtungen, wie es in dem Amnesty-Bericht weiter heißt. Demnach ging die Zahl der Exekutionen um fast 30 Prozent auf 20 zurück. Grund dafür seien teilweise Anfechtungsklagen, die dazu führten, dass Hinrichtungsvorschriften für die Giftspritze geändert werden mussten, sowie Probleme mancher Bundesstaaten, sich die Chemikalien für Giftinjektionen zu beschaffen.

In Arkansas etwa werden nach dem 30. April vorerst keine Todeskandidaten mehr hingerichtet werden, weil dann das Haltbarkeitsdatum eines für die Spritze benötigten Medikaments abgelaufen sein wird. Nachdem Delaware im vergangenen Jahr die Todesstrafe abgeschafft hat, nehmen nun noch fünf US-Bundesstaaten Hinrichtungen vor.

Die Menschenrechtsorganisation fordert ein sofortiges und dauerhaftes Moratorium für Hinrichtungen in allen Ländern, in denen es die Todesstrafe noch gibt. Todesurteile sollten in Haftstrafen umgewandelt werden. Länder, die an der Todesstrafe festhielten, sollten aussagekräftige Zahlen zu den verhängten und vollstreckten Urteilen veröffentlichen, hieß es in dem Bericht weiter.

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