„Ampero“ verleiht Powerbanks: Kölner Start-Up sorgt für volle Handy-Akkus

Das Trio hinterlegt geladene Powerbanks, die man sich etwa in Cafés ausleihen kann.

„100% voll“ steht auf seinem T-Shirt. Kein Hinweis auf einen etwaigen Alkoholpegel, sondern das Motto einer unternehmerischen Mission. Denn Robin Kirchhartz (29) und seine beiden Geschäftspartner Philip Haverkamp (29) und Shahnawaz Naeem (30) haben es sich zur Aufgabe gemacht, ein dringliches Bedürfnis der modernen Menschheit zu stillen: der Wunsch nach einem stets vollen Handy-Akku.

Die drei Freunde haben vor knapp zwei Jahren ihr Unternehmen Ampero gegründet, mit dem sie die Welt fern der heimischen Steckdosen mit Powerbanks ausstatten. Eine Powerbank ist ein tragbarer Energiespeicher, mit dem Handys aufgeladen werden können. Das Ganze funktioniert mit einem Sharing-System. Mittels einer App können Nutzer Standorte finden, an denen sie die Ampero genannten Powerbanks ausleihen, tauschen, und zurückgeben können.

Start-Up Idee entstand auf einem Festival

„Man loggt sich in die App ein, identifiziert sich mit Paypal oder der Kreditkarte und kann eine Ampero Powerbank ausleihen“, erklärt Robin Kirchhartz. Die ersten zwei Stunden gratis, dann kostet der Service zwei Euro pro Tag oder fünf Euro im Monat. Wenn der Ampero aufgebraucht ist, kann er an jedem Ampero-Standort gegen einen vollen austauschen oder zurückgeben werden. „Die App ermöglicht es, die Partner zu finden und den Zahlungsverkehr ohne Bargeld abzuwickeln“, sagt Jungunternehmer Kirchhartz.

Die Ampero-Powerbanks verfügen über eine Kapazität von 3000 Milli-Ampere-Stunden (mAh), was in etwa einer gesamten Akku-Ladung eines Smartphones entspricht.

Die Geschichte der Firma begann vor drei Jahren auf einem Festival für elektronische Musik in Belgien. Philip Haverkamp konnte sein Smartphone nicht mehr benutzen – Akku leer. „Ich konnte nicht mehr telefonieren, keine SMS oder Whatsapp verschicken und die schönen Momente nicht festhalten“, erinnert er sich. „Da kam mein Cousin mit einer Powerbank um die Ecke, die man dort ausleihen konnte. Ich fand die Idee genial, diese Powerbanks waren aber unfassbar hässlich und qualitativ minderwertig.“ Das habe ihn auf die Idee gebracht, dass es „doch interessant wäre, wenn es die nicht nur auf Festivals, sondern auch in Cafés oder Restaurants geben würde“.

Zurück zu Hause macht sich Haverkamp kundig, bestellte mehr als 100 unterschiedliche Powerbanks, verglich sie, analysierte den Markt und überzeugte seinen Freund Shahnawaz Naeem von seiner Idee eines Sharing-Systems. „Philip fragte mich: Weißt Du, was meine kleine Cousine in ihrer Schulpause macht? Steckdosen suchen, um ihr Handy aufzuladen.“ Der Kumpel war sofort begeistert. Kurze Zeit später stieß Robin Kirchhartz dazu.

Keiner will mehr das Handy aus der Hand geben

Das Trio, das sich seit Kindertagen kennt, fing 2015 klein an. „Wir haben nicht viel gebraucht außer unserer Laptops, und dann haben wir Vollgas gegeben“, sagt Kirchhartz. Sie erstellen Business-Pläne, bewerben sich um Fördergelder und suchen vor allem nach einem passenden Namen.

Bei ihrer Arbeit profitieren die drei von ihren unterschiedlichen Abschlüssen. Robin Kirchhartz hat einen Master in Marketing, Wirtschaftspsychologie und International Business. Er kümmert sich um Organisation, Buchhaltung und das Marketing. Philip Haverkamp ist Wirtschaftsingenieur mit dem Spezialgebiet erneuerbare Energien und Batteriesysteme und für die Entwicklung des Produkts verantwortlich. Und Shahnawaz Naeem ist als gelernter Hotelkaufmann für die Kundenbetreuung zuständig.

Die Idee des Sharing-Systems komme bei Partnern und Nutzern gut an, sagen sie. Denn der Kampf um die wenigen Steckdosen sei mitunter unerbittlich und bringe manche Gastronomen sowie auch die Handybesitzer in unangenehme Situationen: „Niemand will mehr sein Handy aus der Hand geben und schon gar nicht hinter irgendeiner Theke oder auf dem Boden ablegen, um es dort an der Steckdose laden zu lassen“, weiß Naeem.

„Man hat uns erzählt, dass die Gäste teilweise Lampen und Kühlschränke ausstöpseln würden, um ihre Handys aufzuladen“, sagt Kirchhartz. „Die Leute machen alles für Steckdosen. Früher hing das Telefon am Kabel, heute hat fast jeder ein Handy, hängt aber immer noch an der Steckdose. Diesen Freiheitsentzug wollen wir den Leuten nehmen.“

8000 Powerbanks in Umlauf

Mit Hilfe einer Investition konnte das Dreiergespann im vergangenen Jahr fünf Mitarbeiter einstellen und in eigene Büroräume in Ehrenfeld ziehen. Von hier aus haben sie bereits 8000 Powerbanks zu 200 Partnern in ganz Deutschland in Umlauf gebracht. Auch in London werde das Ampero-System eingesetzt.

Die Amperos laden hauptsächlich noch bei Partnern in Köln, etwa dem Excelsior-Hotel oder dem Marriott. Die Geräte befinden zudem in Restaurants, in Fitnessstudios, in Handy-Läden, der Uni- Mensa, am Flughafen, in der Lanxess-Arena sowie auf dem Messegelände.

Bei der Herstellung des Produkts haben die drei in ihrer GmbH immer das Lokale im Auge gehabt. „Wir versuchen immer mit der Region Köln zusammenzuarbeiten. Unsere Powerbank wird in Köln veredelt, die Ladestationen, in denen die Powerbanks stehen, werden hier produziert“, sagt Philip.

Und wenn man die drei nach ihren Zielen für die Zukunft fragt? „Köln ist natürlich unsere Heimat und dort wollen wir das Netzwerk weiter verdichten und Ampero bekannter machen“, sagt Philip. Gelingt das, will die Firma in anderen großen Städte weitere Partner suchen. Ein Ausblick in die näherer Zukunft: „Deutschlandweit haben wir etwa 200 Kunden. Bis Ende des Jahres streben wir 1000 an.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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