Analyse: Am Rheinboulevard müssen die Spielregeln neu verhandelt werden

Doch vorerst müssen die Hintergründe der Auseinandersetzungen untersucht werden.

Der Rheinboulevard ist kein Angstraum. Niemand muss um seine Gesundheit oder gar um sein Leben fürchten, wenn er sich auf die Stufen der Freitreppe setzt. Dennoch gibt es einen ernsthaften Anlass zur Sorge, dass sich dort ein krimineller Brennpunkt entwickeln könnte.

Die gewalttätigen Auseinandersetzungen der vergangenen Wochenenden und die zunehmenden Einsätze der Polizei verdeutlichen, dass sich die Touristenattraktion zurzeit in eine negative Richtung verändert. Noch ist es allerdings früh genug, einzugreifen und zu handeln.

Reine Verdrängung der Kriminellen bringt nichts

Ein erster Schritt muss eine Verstärkung der Polizisten und der Ordnungsdienstkräfte sein, damit diese konsequent eingreifen können, wenn eine Situation eskaliert. Wer sich nicht an die gesellschaftlichen Spielregeln hält und gewalttätig wird, muss sofort merken, dass er dafür bestraft wird.

In einem zweiten Schritt muss zwingend der Versuch unternommen werden, sich den Ursachen zumindest ein Stück weit anzunähern. Eine reine Verdrängung der Kriminellen mit Hilfe einer starken Polizeipräsenz hat noch nie geholfen. Das verschiebt die Probleme lediglich an einen anderen Ort.

Um beurteilen zu können, was sich auf dem Rheinboulevard seit wenigen Wochen entwickelt, müssen sich Polizei und Sozialarbeiter ganz genau anschauen, wer sich dort freitags und samstags in den Abendstunden aufhält.

Flucht aus beengtem Zuhause in den öffentlichen Raum

Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es sich um bis zu 1500 vorwiegend männliche Jugendliche – viele von ihnen laut Polizeiangaben mit Migrationshintergrund – aus den rechtsrheinischen Stadtteilen handelt, die sich dort treffen. Wer zu Hause auf beengtem Raum lebt, der konzentriert sich in seiner Freizeit mit großer Wahrscheinlichkeit auf den öffentlichen Raum.

Auch günstiger Alkohol aus dem Supermarkt spielt offensichtlich eine große Rolle, wenn nicht genug Geld vorhanden ist, um in einen Club oder eine Bar zu gehen. Das alles stellt für sich genommen kein Problem dar, solange es friedlich bleibt.

Rein statistisch ist es aber wahrscheinlich, dass sich unter so vielen jungen Männern auch solche befinden, die unter Alkoholeinfluss enthemmt sind und nach Auseinandersetzungen suchen, um ein Machtgefühl gegenüber anderen zu empfinden.

Vertrauenspersonen müssen verhandeln

Die Aufgabe der Polizei und der Streetworker besteht jetzt darin, frühzeitig zu verhindern, dass die Gruppen, die Ärger bereiten und Besitzansprüche auf den Rheinboulevard stellen, unbeherrschbar werden. Mögliche Wortführer müssen identifiziert werden, um dann zu klären, wer Einfluss auf sie hat. Das können zum Beispiel Veedels-Polizisten, Pfarrer, Imame und andere Vertrauenspersonen sein. Über solche Mittler kann es gelingen, die Jugendlichen mit in die Verantwortung zu nehmen und klare Spielregeln mit ihnen auszuhandeln.

Dazu gehört nun aber auch eine deutliche verstärkte Präsenz der Beamten auf dem Boulevard – auch abends und am Wochenende, damit es erst gar nicht zu Vergehen und Straftaten kommt. Das ist mit Sicherheit wirksamer als das eher unglückliche Shisha-Verbot, über das die Stadtverwaltung nachdenkt.

Shisha-Verbot bringt nichts

Ja, es ist für andere Besucher sicher unangenehm, wenn gleichzeitig 50 Wasserpfeifen geraucht werden und die Treppe dadurch verschmutzt wird, aber das hängt nicht mit dem kriminellen Geschehen zusammen. Dann könnte ebenso gut der Alkoholkonsum untersagt werden. Solche Verbote helfen nicht weiter.

Der Rheinboulevard muss ein Ort für alle Kölner bleiben. Wenn sich die friedlichen Besucher jetzt aus Angst zurückziehen, geben sie einen der schönsten Plätze in der Stadt einer aggressiven Minderheit preis. Das wäre fatal....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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