Andere Länder, andere Sitten: Wo Schmatzen zum guten Ton gehört

In China herrschen andere Tischsitten als hierzulande (Symbolbild: Getty Images)

Sommerzeit heißt Reisezeit: Damit Sie nicht von fremd wirkenden Bräuchen und andersartigen Traditionen überrascht werden, haben wir hier einige Gepflogenheiten aus verschiedenen Teilen der Welt zusammengesucht.

Kopfschütteln heißt „nein“, oder? Nein. Also ja.

Die Reiseplattform „Urlaubsguru“ erklärt, wie verwirrend die Deutung von „Ja“ und „Nein“ sein kann: In den meisten Ländern, wie auch in Deutschland, ist nicken eine zustimmende Geste, Kopfschütteln eine verneinende. In Bulgarien aber steht das Schütteln-und-Nicken Kopf, denn hier ist alles genau umgekehrt. Ähnliches gilt auch für Indien und Pakistan. Wer in diesen beiden Ländern „Ja“ zeigen möchte, wiegt den Kopf sanft hin und her.

Ruckartiges Zurückwerfen desgleichen bedeutet ebenfalls Zustimmung – zumindest in Äthiopien. Das Gegenteil wiederum gilt in arabischen Ländern, Griechenland oder der Türkei. Wer in Japan „Nein“ sagten möchte, wedelt übrigens mit der Hand vor dem Gesicht.

Chinesische Tischsitten

Dezente Musik bei Tisch, eine Serviette, rechts des Tellers oder auf dem Schoß, um einen Klecks Soße aus dem Mundwinkel streichen zu können, vielleicht am Ende ein anerkennendes wie kurzes „Mmhh“ murmeln, um zu zeigen, dass die Speise gemundet hat: Nein, so vornehm geht es im Land der Mitte nicht zu. In China wird während des Essens geschmatzt und geschlürft, vielleicht sogar mal gerülpst oder auf den Boden gespuckt (nicht im Restaurant). Was befremdlich wirkt, zeugt in China von Respekt und Höflichkeit. Der „Focus“ schreibt, selbst sich „Fleischreste aus den Zähnen puhlen und sogar eine Zigarette beim Essen anzünden“ gehört zum guten Ton. Lautstarkes Essen bedeutet schlicht, dass es schmeckt. Nur die Nase putzen, darauf sollte bei Tisch verzichtet und stattdessen kurz die Toilette aufgesucht werden.

Haute Cuisine in Frankreich

Wer nach seiner China-Reise als nächstes Frankreich anvisiert, sollte vorher besser nochmal den Restaurant-Knigge rauskramen. Denn im Geburtsland der „Haute Cuisine“, der Hohen Küche, gehen Kulinarik und eine entsprechende (vornehme wie stille) Wertschätzung derselben Hand in Hand: Wie die „Deutsche Welle“ schreibt, misst man ordentlichem Benehmen bei Tisch absolut zentrale Bedeutung zu. Schlürfen und Schmatzen ist nicht nur ungern gesehen, sondern verpönt. Besser: Hähnchenfleisch zart und vorsichtig mit Besteck zupfen, zu große Salatblätter säuberlich falten und, auch wenn es vorzüglich schmeckt, einen kleinen Anstandsrest zurücklassen. Merci.

Hausschuhe – Kloschuhe

Wer in Japan das stille Örtchen aufsucht, muss (meist in privater Umgebung) die Schuhe tauschen. So schreibt es „Wissen.de“. In Japan stehen dafür eigens vorgesehen Klo-Schlappen bereit. Die Einwohner unterscheiden sehr streng zwischen reinen und unreinen Orten. Daher ist es auch wichtig, im Anschluss an den Toilettengang nicht mit den Klo-Schlappen durch das ganze Haus zu stapfen. Ein positiver Nebeneffekt hat der Schuhwechsel: Stehen Straßenschuhe vor der Toilette, ist diese wohl besetzt.

Zwischen Wertschätzung und Beileid liegt nur eine Zahl

Blumengeschenke aus Freundschaft oder Romantik – die wohlfeile Absicht kann schnell ins Gegenteil kippen, wenn man nicht richtig abgezählt hat. Denn in Russland und anderen osteuropäischen Ländern gilt die Regel: Ein Blumenstrauß sollte stets aus einer ungeraden Anzahl Blumen bestehen. Denn eine gerade Anzahl schenkt man nur im Trauerfall und zur Beerdigung. Und auch auf gelbe Blumen sollte verzichtet werden, die symbolisieren nämlich Abschied – so schreibt es das „Goethe-Institut“.

Für dich soll’s rote Rosen regnen

Apropos Blumen, wer in Mexiko Rosen verschenken möchte – sollte ebenfalls die richtige Farbe wählen. Wie „Fossbytes“ berichtet, nutzen Mexikaner rote Rosen ausschließlich, um Verstorbener zu gedenken und deren Gräber zu schmücken. Weiße Rosen hingegen symbolisieren Reinheit und können auch problemlos für Liebe und Zuneigung stehen.

Diebische Elster, sei gegrüßt

Die schwarz-weiß gefiederten Elstern haben keinen guten Ruf. In anderen Ländern als „diebisch“ verrufen, gelten sie, laut „Buzzfeed“, in Großbritannien als schlechtes Omen. Zumindest, wenn sie allein unterwegs sind. So heißt es etwa in dem Kinderlied „One for Sorrow“, dass eine Elster stets Trauer bedeute, zwei hingegen Freude.

In vielen britischen Regionen grüßen Einheimische daher, wenn sie eine Elster sehen, mit folgenden Worten: „Guten Morgen Herr Elster, wie geht es ihrer Frau Gemahlin am heutigen Tage?“ Denn diese Grußformel, so der Volksmund, soll das Unglück mildern. Also nicht wundern, wenn ein Brite vor sich hin murmelt und in die Ferne grüßt – vermutlich ist nur eine Elster vorbeigeflattert.