Angespannter Immobilienmarkt bremst Kreditgeschäft ab

Die Nachfrage beim Bausparen zieht etwas an, sagt LBS-Südwest-Chef Tilmann Hesselbarth. Foto: Lino Mirgeler

Die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt in vielen deutschen Städten hat negative Folgen für die Bausparbranche. So rechnet die größte Landesbausparkasse Deutschlands, die LBS Südwest, 2017 mit stagnierenden Geschäften in der Baufinanzierung, also mit klassischen Baukrediten außerhalb von Bausparverträgen.

«Das Angebot an Immobilien ist begrenzt, die Preise für Wohnungen galoppieren davon», sagte LBS-Südwest-Chef Tilmann Hesselbarth der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Dies dämpfe auch die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen: Viele Verbraucher fänden keine bezahlbaren Wohnungen - und wollten dann auch keinen Kredit.

2016 sank das Volumen neu abgeschlossener Baukredite bei der LBS von 1,6 auf 1,5 Milliarden Euro. Grund sei unter anderem die Situation auf dem Immobilienmarkt, sagt Hesselbarth. Aus Sicht von des LBS-Chefs ist die Politik mitverantwortlich für die schwierige Situation. «Die Politik war noch vor vier, fünf Jahren unterwegs und hat gesagt: "null Flächenverbrauch, kein neues Bauland".» Das habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Wohnungsangebot verknappt hat und die Preise für Kauf oder Mieten stiegen. «Jetzt kurbelt die Landesregierung zwar den Wohnungsbau an, aber von null auf hundert geht das nicht - das dauert.»

Andere Bausparkassen mussten ebenfalls ein Minus hinnehmen. So schrumpfte das Baufinanzierungs-Geschäft beim Branchenprimus Schwäbisch Hall 2016 um elf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Die LBS Südwest ist gemessen am Neugeschäft die drittgrößte Bausparkasse, Wüstenrot ist auf Platz zwei. Neben der Immobilienmarkt-Situation war ein verschärftes Gesetz 2016 ein weiterer Grund, dass Banken etwas weniger Kredite vergaben.

Auch beim Bausparen ging es für die LBS abwärts: Dieses Neugeschäft sank 2016 den Angaben zufolge um 7,1 Prozent, auf 9,5 Milliarden Euro. Das Durchschnittsminus in der Branche lag bei etwas unter zehn Prozent. Der Rückgang erklärt sich unter anderem mit hohen Vergleichswerten aus dem Jahr 2015 - damals liefen alte, gut verzinste Tarife aus, also griffen viele Kunden zu. 2016 war die Nachfrage dann erstmal verhalten.

Trotz des Rückgangs 2016 konnte die LBS ihren Betriebsgewinn mit 45 Millionen Euro in etwa stabil halten, unter anderem durch Einsparungen. Für dieses Jahr sieht sich die LBS beim Bausparen wieder im Aufwind. Die Nachfrage ziehe etwas an, sagt Hesselbarth. «Die Menschen wollen sich mit einem Bausparvertrag niedrige Darlehenszinsen sichern.» Er sehe hier «deutliches Wachstumspotenzial».

Für das laufende Jahr erwartet Hesselbarth ein Plus beim Neugeschäft um 0,2 Milliarden, auf 9,7 Milliarden Euro. Die LBS Südwest entstand 2016 aus der LBS Baden-Württemberg und der LBS Rheinland-Pfalz. Jeweils etwa 200 Stellen sind in Mainz und Karlsruhe, etwa 500 in Stuttgart.

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