Angriff auf Somalier: Verfahren gegen anwesenden Polizisten eingeleitet

·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Der rassistische Angriff im sächsischen Aue-Bad Schlema zieht weitere Kreise. Denn in dem Bus war zum Tatzeitpunkt auch ein Polizist, der nicht eingriff, um die Attacke zu verhindern.

Gegen den Polizisten, der bei der Attacke im Bus war, wird nun ein Disziplinarverfahren eingeleitet. (Symbolbild: Getty)
Gegen den Polizisten, der bei der Attacke im Bus war, wird nun ein Disziplinarverfahren eingeleitet. (Symbolbild: Getty)

Der brutale Angriff gegen einen Somalier in einem Bus in der Kreisstadt Aue-Bad Schlema hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Acht Männer hatten den Mann zunächst rassistisch beleidigt. Danach stießen sie ihn zu Boden und traten auf den 20-Jährigen ein. Die vom Busfahrer gerufene Polizei konnte die Tatverdächtigen noch im Bus stellen. Gegen die Männer im Alter zwischen 37 und 49 Jahren wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Zudem hat sich auch der Staatsschutz eingeschaltet, um den rassistischen Hintergrund der Tat zu prüfen. 

Verfahren gegen Polizisten eingeleitet

Doch nachdem die Polizei eingetroffen war, stellten sie fest, dass unter den Passagieren im Bus auch ein Kollege war. Gegen den Polizeibeamten der Polizeidirektion Zwickau, der außer Dienst war, ist nun ein Disziplinarverfahren eingeleitet, wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilte. Aus den Videoaufnahmen aus dem Bus, die mittlerweile ausgewertet wurden, sei ein "aktiver Beitrag des Beamten an der gefährlichen Körperverletzung nicht ersichtlich", teilte die Polizei weiter mit. 

Überwachungsskandal Pegasus: Auch Emmanuel Macron ausspioniert

Doch es sei zu sehen, dass "der Polizeibeamte den körperlichen Angriff nicht unterbunden hat und dem 20-Jährigen, der leicht verletzt wurde, auch nicht zu Hilfe kam". Nun werde geprüft, ob er sich strafbar gemacht habe. Auch die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Täter laufen noch und werden nach Abschluss an die Staatsanwaltschaft Chemnitz weitergeleitet.

Reaktion aus dem Polizeipräsidium

Aus der Polizeidirektion gab es eine offizielle Mitteilung des Präsidiums. Die zuständigen Polizeipräsidenten Carsten Kaempf und Lutz Rodig positionierten sich deutlich: "Wir erwarten von unseren Polizisten, dass sie auch außerhalb des Dienstes die Begehung von Straftaten verhindern, zu deren Aufklärung beitragen und nicht wegschauen." Auch aus der Politik gab es Reaktionen auf den Vorfall. Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender der Linken im Landtag, twitterte: "Also ein Poizist der zuschaut, wenn ein Mensch angegriffen wird, hat in der Polizei Sachsen echt keinen Platz." Es sei auch keine Entschuldigung, dass er selbst keine körperliche Gewalt angewandt habe. Zunächst hatte es noch geheißen, der Polizist sei sogar selbst an dem tätlichen Angriff beteiligt gewesen.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

Dabei geht es der Polizei auch um Aufklärung des Falles im eigenen Interesse. Denn in den vergangenen Jahren waren immer wieder rechtsextreme Fälle in Polizeikreisen aufgetaucht. Mehrfach flogen rechte Chat-Gruppen in verschiedenen Bundesländern auf. Und auch die Polizei in Sachsen hat mit Rechtsextremismus in den eigenen Reihen zu kämpfen. 

Niederlande: Abschied von ermordetem Journalisten de Vries

Auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz gab die sächsische Polizei bekannt, dass es deutlich mehr Vorfälle mit rechtsextremem Bezug in ihren Reihen gegeben habe, als zunächst gemeldet. Statt 17 Fällen seien es insgesamt 37 seit 2014 in vier von fünf Polizeidirektionen gewesen. Die Bandbreite reichte dabei von rassistischen Sprüchen bis hin zum Vorwurf der Unterstützung rechtsextremer Organisationen. 

VIDEO: Noch immer 170 Vermisste in Rheinland-Pfalz

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.