Angst vor Gewalt und Coronavirus überschattet Parlamentswahl in Mali

Mali registrierte bisher 87 Infektionsfälle

Inmitten einer angespannten Sicherheitslage und wachsenden Sorgen wegen der Coronavirus-Pandemie haben die Malier ein neues Parlament gewählt. Stunden vor dem Beginn des ersten Wahlgangs am Sonntag meldete die Regierung in Bamako den ersten Todesfall durch das neuartige Coronavirus in dem Land. Die Zahl der Infektionsfälle stieg demnach auf 18.

Doch nicht nur die Furcht vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus überschattete die erste Parlamentswahl seit sieben Jahren. Rund 200.000 Vertriebene, die vor der dschihadistischen Gewalt im Zentrum und im Norden Malis geflohen sind, waren faktisch von der Wahl ausgeschlossen. Es sei "kein Mechanismus geschaffen" worden, um ihnen die Abstimmung zu ermöglichen, sagte ein Regierungsvertreter.

Abgestimmt wird über die 147 Abgeordneten im Parlament. Ein zweiter Wahlgang ist am 19. April geplant.

Regulär hätte die Wahl bereits 2018 stattfinden sollen. Wegen Sicherheitsbedenken wurde die Abstimmung jedoch mehrfach verschoben. Seit islamistische Gruppen 2012 die Kontrolle über den Norden des Landes übernommen hatten, kommt Mali nicht zur Ruhe. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff 2013 militärisch ein und drängte die Islamisten zurück. Trotz der Präsenz tausender internationaler Soldaten herrscht jedoch weiter Instabilität.

Am Mittwoch war der Oppositionsführer Soumaila Cissé während einer Wahlkampfveranstaltung im Zentrum des Landes von mutmaßlichen Islamisten entführt worden. Die Angreifer verschleppten auch sechs seiner Mitarbeiter, ein Leibwächter wurde getötet.

Der Sprecher der Regierung für die Wahl räumte ein, dass die Bedingungen für den Urnengang "nicht perfekt" seinen. Mit Blick auf die Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus sagte er, in der Hauptstadt Bamako würden Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel an die Wähler ausgegeben. Auf dem Land seien Utensilien zum Händewaschen verteilt worden.

Mehrere Oppositionsparteien hatten angesichts der Corona-Krise eine Verschiebung der Wahl gefordert. Zahlreiche der 19 Millionen Einwohner Malis leben in bitterer Armut. Experten befürchten deshalb eine Katastrophe, wenn sich das Virus in dem Land weiter ausbreitet.