Angst vor Rasern: Anwohner der Escher Straße sorgen sich um ihre Kinder

Sie fordern von der Stadt, die Escher Straße sicherer zu machen.

Dass es auf ihrer Straße tagtäglich sehr gefährlich zugeht, daran ließen die Nachbarn aus der Escher Straße kaum einen Zweifel.

Gleich vier Familien waren zur Sitzung der Bezirksvertretung Nippes gekommen, um für ihren Bürgerantrag einzutreten: In der gemeinsam formulierten Eingabe fordern sie ein mehrteiliges Aktionspaket, um den Streckenabschnitt sicherer zu gestalten. Die Familien sind alle vor kürzerer Zeit an die Escher Straße gezogen, sie wohnen in einem der Neubau-Mehrfamilienhäuser.

„Wir sind alle Eltern von Kindern; wir weisen nachdrücklich darauf hin, dass die Sicherheitslage bei uns ganz schlimm ist“, meldete sich Rainer Dietz, einer der Besucher, zu Wort. „Der Verkehr knallt ohne Rücksicht auf Verluste die Escher Straße durch, einschließlich des Überfahrens der Gehwege. Regelmäßig werden wir fast über den Haufen gefahren, auch mich selbst hätte es zwei Mal fast erwischt.“

Auch eine weitere Bewohnerin machte ihren Sorgen Luft. Dass jemand angefahren werde, sei da nur eine Frage der Zeit. „Ich muss jeden Tag die Straße überqueren, weil ich zur Kita auf der anderen Seite muss. Das ist für mich jeden Tag mit Herzklopfen verbunden“, erläutert sie. „Die kommen da teilweise mit Tempo 70 gefahren, wegen der Kurve können wir jedoch nichts sehen. Ein Zebrastreifen und ein Spiegel ist für uns das Minimum.“

Escher Straße ist das letzte Stück des „Schleichweges“ zwischen Ehrenfeld und der Inneren Kanalstraße

Entlang des Nippeser Teils der Escher Straße, zwischen Hartwich- und Innerer Kanalstraße am westlichen Rande des Sechzigveedels gelegen, ist in den vergangenen Jahren viel gebaut worden. Rund um den alten Nippeser Bahnhof an der Escher Straße 31, der inzwischen selbst zum Wohn- und Geschäftshaus geworden ist, sind drei große Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 42 Wohnparteien entstanden.

Gleichzeitig ist die Escher Straße das letzte Stück des „Schleichweges“ zwischen Ehrenfeld und der Inneren Kanalstraße, der über Bartholomäus-Schink- und Hüttenstraße am Bahndamm und die Liebigstraße führt. Über die Route lassen sich die Autobahn 57 vermeiden sowie die oft quälend langen Wartezeiten in der Umgebung des Gleisdreiecks – ob von der Autobahn oder der Inneren Kanalstraße kommend. Dementsprechend herrscht viel Verkehr auf der Meile; gegen Abend, wenn der Betrieb nachlässt, mutiere die Straße regelrecht zur Rennstrecke, monieren die Nachbarn.

Um für mehr Sicherheit zu sorgen, schlugen die Nachbarn in ihrem Antrag zusätzliche und höhere Bodenschwellen vor, den erwähnten Zebrastreifen plus Außenspiegel. Zudem solle es regelmäßige mobile Blitzerkontrollen geben und die komplette Strecke – nicht nur, wie derzeit auf Höhe der Wohnhäuser – mit Tempo 30 ausgewiesen werden. Um die Gehwege vor Überfahren zu schützen, sollten Absperrpoller installiert werden. Zudem solle man prüfen, den Durchgangsverkehr über die unbewohnte Hornstraße in Neuehrenfeld zu leiten.

Verkehrskonzept wurde bereits 2012 auf den Weg gebracht - aber nicht umgesetzt

Einstimmig folgten die Bezirkspolitiker den Bürgern und beauftragten die Verwaltung, die Vorschläge zu prüfen. Außerdem, so ergänzten sie, möge die Stadt endlich das vor langer Zeit beschlossene Verkehrskonzept für den Bereich vorstellen. Ein solches hatten sie bereits 2012 auf den Weg gebracht. Die Runde kritisierte dabei, dass bisher so wenig passiert sei. „Es ist traurig, dass da Bürger nochmal nachhaken müssen – das hatten wir hier schon mal alles“, so SPD-Mandatsträger Ludger Traud. „Wir stimmen aber einer Prüfung der Vorschläge zu, damit endlich Maßnahmen folgen können.“ Grünen-Vertreterin Bärbel Hölzing machte auf die gewachsene Bevölkerung entlang der Straße aufmerksam. „Dadurch ist eine neue Situation entstanden, deshalb sprechen wir uns auch dafür aus.“

Bereits zuvor hatte die Verwaltung signalisiert, die Vorschläge der Anwohner zu prüfen und hieraus der Bezirksvertretung einen Lösungsvorschlag vorzulegen. Doch sei eine Verbesserung der Lage von heute auf morgen nicht möglich, da der Antrag umfangreich sei.

„Die Eingabe umfasst eine Vielzahl von Vorschlägen und Hinweisen, für deren Prüfung und Bewertung eine umfangreiche Bearbeitungszeit erforderlich wird. Zudem werden bei der Prüfung beträchtliche Kapazitäten gebunden.“ Ein wenig wird es also noch dauern, bis sich die Anwohner der Escher Straße sicherer fühlen.

FDP-Antrag zum Thema Escher Straße abgelehnt

Keine Mehrheit fand dagegen ein Antrag des FDP-Mandatsträgers Biber Happe zum gleichen Thema. Er hatte als Abhilfe vorgeschlagen, die Escher Straße zur Einbahnstraße in Richtung Innere Kanalstraße zu machen, und sie im Abschnitt der Wohnhäuser – zugunsten des Bürgersteigs und neuer Radstreifen – auf eine Spur zurückzubauen. Der Verkehr von der Inneren Kanalstraße in Richtung Sechzigveedel solle die Hornstraße nutzen, schlug er vor – das seien schließlich nur zwei bis drei Minuten Umweg.

Einen ähnlichen Antrag hatte er 2013 schon einmal formuliert, ihn aber dann zurückgezogen, nachdem die Verwaltung ein Verkehrskonzept zugesichert hatte. „Jetzt habe ich den Antrag nochmals hier, vor dem Hintergrund, dass akut etwas passieren muss“, so Happe. Doch es regte sich Skepsis. „Wenn die Strecke zur Einbahnstraße würde, hätte man dort noch mehr freie Fahrt, da kein Gegenverkehr zu erwarten ist“, so SPD-Mandatsträger Ludger Traud. Außerdem seien bei dem zuvor beschlossenen Bürgerantrag schon genügend Aufträge enthalten.

Für CDU-Fraktionschef Christoph Schmitz sprach noch ein weiterer Punkt dagegen: „Wenn man die Escher Straße zur Einbahnstraße macht, verlagert sich das Problem zum Merheimer Platz“, vermutete er. „Dort würden dann alle herfahren, die ins Sechzigveedel wollen. Den Umweg über die Hornstraße wird keiner machen. So würde das Verkehrschaos verstärkt in der Sechzigstraße aufschlagen.“

Letztlich wurde der Antrag mit SPD- und CDU-Mehrheit gegen den Rest des Stadtteilparlaments knapp abgelehnt; Anette Schumacher (Liberal-Konservative Reformer) enthielt sich. (bes)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen