Angstzustände, Trauer, Druck - mehr Menschen in Russland nehmen seit Kriegsbeginn Antidepressiva

Seit dem Krieg in der Ukraine machen auch viele Menschen in Russland eine schwere Zeit durch. Einige haben Angehörige verloren, andere, die gegen die Mobilisierung sind, stehen unter Druck. Angstzuständen begegnen viele mit Alkohol, Drogen und Medikamenten. Seit Kriegsbeginn ist die Zahl der Menschen mit einer Depression, die an einer Depression erkrankt sind, gestiegen.

... als ob man einfach keinen Sinn mehr sieht.

Die 22-jährige IT-Studentin Vasilina Kotova erinnert sich: "Zwei Monate lang hatte ich keine Kraft, um vor die Tür zu gehen. Ich hatte keine Energie. Nicht nur keine Energie, sondern einfach keine Motivation für irgendwas. Als ob man einfach keinen Sinn mehr sieht."

Zu den Hauptsymptomen einer Depression zählen Fachleute depressive Stimmung und/oder Verlust von Interesse und Freude über mehr als zwei Wochen - plus Nebenkriterien wie zum Beispiel Schlafstörungen, Erschöpfung und Suizidgedanken.

Laut Nachrichtenagentur TASS gaben Menschen in Russland in den ersten drei Quartalen 70 Prozent mehr Geld für Antidepressiva aus als 2021. Fast anderthalb Mal mehr Medikamente wurden verkauft.

Der Psychologe Oleg Levin sieht eine Verbindung zum Krieg in der Ukraine. "Antidepressiva bekommt man nicht einfach so in der Apotheke. Man braucht ein Rezept. Daher spiegelt der Anstieg der verkauften Antidepressiva auch den Anstieg der Patientinnen und Patienten wider. Das liegt meiner Meinung nach vor allem an den Ängsten, die durch die jüngsten Ereignisse hochkamen", erklärt er.

Anders sehen das die Meinungsforscher: Die Laune der Russinnen und Russen habe sich seit der Invasion der Ukraine nicht merkbar verschlechtert. Das unabhängige Levada-Center berichtet hingegen von einem Tief nach der Ankündigung zur Mobilisierung. Doch selbst im Oktober beschrieben demnach zwei Drittel der Befragten ihr Befinden als normal bis außerordentlich gut.

Wer die oben beschriebenen Symptome an sich wahrnimmt, sollte sich Hilfe suchen, zum Beispiel psychotherapeutische Unterstützung. Sie können sich auch an Selbsthilfegruppen wenden. Es gibt auch spezielle Angebote für Angehörige.