Anhaltende Gewalt der Junta in Myanmar führt zu Massenflucht aus Yangon

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Brennende Barrikade in Yangon

Das brutale Vorgehen der Junta in Myanmar gegen Kritiker des Militärputsches treibt immer mehr Einwohner der Handelsmetropole Yangon in die Flucht. Örtliche Medien veröffentlichten am Freitag Bilder eines Mega-Staus auf einer Haupt-Ausfallstraße nördlich von Yangon. Bei neuen Protesten gegen die Junta wurden mehrere Demonstranten getötet. Ein Reporter der britischen BBC wurde von Männern in Zivil verschleppt. Sein Begleiter, ein Journalist des Nachrichtenportals "Mizzima", wurde festgenommen.

Seit dem Militärputsch am 1. Februar befindet sich Myanmar in Aufruhr. Die Junta geht gewaltsam gegen Demonstranten vor, die täglich zu Tausenden auf die Straße gehen. Am Freitag wurden mindestens sechs Menschen in einer Kleinstadt im Nordosten des Landes von Sicherheitskräften erschossen, wie die staatlichen Medien berichteten. Im benachbarten Staat Kaya wurde nach Angaben von Rettungskräften ein Passant erschossen, als Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten eröffneten.

Laut der örtlichen NGO AAPP wurden seit dem Putsch inzwischen fast 230 Menschen getötet. 2000 Menschen wurden festgenommen. Die Militärführung schränkt auch die Pressefreiheit massiv ein. Sie entzog fünf unabhängigen Medien die Sendelizenz und ließ dutzende Journalisten festnehmen. Die britische BBC teilte am Freitag mit, ihr Reporter Aung Thura sei bei einer Reportage vor einem Gerichtsgebäude in der Hauptstadt Naypyidaw von "unbekannten Männern" verschleppt worden. Der myanmarische Journalist arbeitet für das lokale Programm des Senders.

Die BBC rief die Behörden in Myanmar auf, dabei zu helfen, den Kontakt zu ihrem vermissten Reporter herzustellen und zu bestätigen, "dass er in Sicherheit ist". Nach Angaben der myanmarischen Nachrichtenwebsite "Mizzima" wurde einer ihrer Reporter, Than Htike Aung, zusammen mit Aung Thura in Naypyidaw festgenommen.

Die ehemalige Hauptstadt Yangon ist ein Zentrum der Proteste gegen die Junta, die inzwischen über sechs Stadtteile das Kriegsrecht verhängte. Fast zwei Millionen Menschen unterstehen damit praktisch der direkten Kontrolle des Militärs. Sicherheitskräfte patrouillierten am Freitag in Yangon und schossen in Wohngebieten wahllos um sich. Ein auf Facebook veröffentlichtes Video zeigte dutzende Soldaten und Polizisten im Stadtteil Tamwe, die Schüsse abgaben und den Anwohnern drohten, "euer ganzes Viertel in Schutt und Asche zu legen".

Mehrere Einwohner berichteten AFP, sie hätten Yangon aus Angst vor der Gewalt verlassen. Andere bereiteten ihre Flucht in ländliche Regionen vor. "Ich fühle mich nicht mehr sicher, in manchen Nächten kann ich nicht einmal schlafen", sagte eine Bewohnerin von Yangon. "Ich habe Angst, dass als Nächstes das Schlimmste passiert."

Ein 29-jähriger Goldschmied berichtete AFP per Telefon, er habe die Stadt bereits verlassen. "Es war zu qualvoll zu bleiben", sagte er mit Blick auf das brutale Vorgehen der Junta.

In der an Myanmar angrenzenden thailändischen Provinz Tak bereiteten die Behörden Notunterkünfte für Flüchtlinge vor. Seine Provinz sei in der Lage, zwischen 30.000 und 50.000 Menschen aufzunehmen, sagte Gouverneur Pongrat Piromat. Etwa 90.000 Flüchtlinge aus Myanmar leben bereits in der durchlässigen Grenzregion, sie waren vor dem seit Jahrzehnten anhaltenden Bürgerkrieg zwischen dem Militär und bewaffneten Gruppen ethnischer Minderheiten geflohen.

Wegen des Militärputsches will die EU unterdessen erstmals Sanktionen verhängen. Wie die Nachrichtenagentur AFP von Diplomaten erfuhr, sollen elf Militär- und Polizeivertreter auf die Sanktionsliste gesetzt werden. Diese soll beim Treffen der EU-Außenminister am Montag endgültig beschlossen werden. Die Betroffenen werden mit Einreiseverboten belegt und mögliche Vermögen in der EU eingefroren. Gleichfalls geplante Sanktionen gegen vom Militär kontrollierte Firmen wird es wegen rechtlicher Probleme dagegen erst im April geben.

ans/gt