Anklage gegen sechs Männer nach Einbruch in Grünes Gewölbe in Dresden

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Statue von Justitia (AFP/INA FASSBENDER)

Rund ein Jahr und neun Monate nach dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden ist Anklage gegen sechs Tatverdächtige erhoben worden. Den Beschuldigten im Alter zwischen 22 und 27 Jahren werden unter anderem schwerer Bandendiebstahl und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Dresden am Donnerstag mitteilte. Sie machten bislang keine Angaben zu den Vorwürfen.

Die Männer sollen im November 2019 in das Historische Grüne Gewölbe eingebrochen sein und 21 Schmuckstücke mit insgesamt mehr als 4300 einzelnen Diamanten und Brillanten gestohlen haben. Der Schmuck, der bis heute nicht wiedergefunden wurde, hat laut Anklage einen Versicherungswert von insgesamt mindestens 113,8 Millionen Euro.

Die Verdächtigen stammen laut Staatsanwaltschaft aus dem kriminellen sogenannten Clanmilieu um die einschlägig bekannte Berliner Familie Remmo. Alle sechs Beschuldigten wurden in Berlin gefasst, der letzte erst vor gut zwei Wochen.

Zwei der Beschuldigten im Alter von 23 und 24 Jahren verbüßen derzeit mehrjährige Jugendstrafen. Sie wurden im vergangenen Jahr vom Landgericht Berlin rechtskräftig wegen Beteiligung am spektakulären Diebstahl einer hundert Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum im Jahr 2017 verurteilt. Die anderen vier Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.

Der Anklage zufolge drangen die Tatverdächtigen am Morgen des 25. November 2019 durch ein Erdgeschossfenster in das Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss ein. Zuvor setzten sie einen Stromverteilerkasten in der Nähe des Museums in Brand, um die Stromversorgung der Straßenbeleuchtung am Grünen Gewölbe zu kappen.

Im Residenzschloss stahlen sie dann binnen wenigen Minuten historischen Juwelenschmuck aus dem 18. Jahrhundert aus einer Vitrine. Zur Absicherung der Tat waren die Beschuldigten laut Anklage mit einem geladenen Revolver und einer Selbstladewaffe mit Schalldämpfer sowie Munition bewaffnet. Anschließend flohen sie mit einem Auto, das sie später in einer Tiefgarage anzündeten. Von dem Feuer wurden drei weitere Autos erfasst und insgesamt 61 Wagen beschädigt.

Der Coup löste auch international große Aufmerksamkeit aus. Neben dem Verlust der kunst- und kulturhistorisch außerordentlich bedeutsamen Schätze entstanden den Angaben zufolge am Residenzschloss, am Pegelhaus mit dem Stromverteiler und an der Tiefgarage sowie den dort abgestellten Autos Sachschäden in Höhe von mehr als einer Million Euro.

Eine Sonderkommission der sächsischen Polizei ermittelt seitdem. Gegen vier weitere Männer im Alter zwischen 24 und 37 Jahren wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum schweren Bandendiebstahl ermittelt. Sie sollen den Einbruch vorbereitet haben, indem sie den Tatort einen Tag vorher ausspähten.

Auf die Spur der Verdächtigen führten den Ermittlern zufolge die akribische Auswertung von Kamerabildern und vieler anderer Spuren, unter anderem aus dem Grünen Gewölbe. Das Landgericht Dresden entscheidet nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage. Die Anklage wurde zur Jugendkammer erhoben, weil zwei 22-jährige Beschuldigte zur Tatzeit Heranwachsende waren.

Die Ermittlungen zu dem Juwelendiebstahl und zum Verbleib der Kunstschätze dauern derweil weiter an. "Sie werden aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Sachverhalts noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen", betonte die Staatsanwaltschaft. Im Auftrag der Ermittlungsbehörde ordnete der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Dresden am Montag einen sogenannten Vermögensarrest gegen alle sechs Beschuldigten in Höhe von 113,8 Millionen Euro an, um unrechtmäßig erworbenes Geld zu sichern.

hex/cfm

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