Annalena Baerbock im Interview mit Hundetrainer Martin Rütter

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Annalena Baerbock will Kanzlerin werden. Dafür müssen sie die Wähler aber besser kennenlernen. Das versucht sie nun durch ein Interview mit dem Hundetrainer Martin Rütter zu erreichen.

Die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock auf der Bühne einer Wahlkampfveranstaltung im September.
Annalena Baerbock auf Wahlkampftour. Beim Interview mit dem Hundetrainer hatte sie eher ein angenehmes Heimspiel. (Bild: REUTERS/Michele Tantussi)

Martin Rütter ist eigentlich ein bekannter Hundetrainer. Mit seinen Büchern und Fernsehsendungen ("Der Hundeprofi") hat er schon tausenden von Haustierbesitzern geholfen. Doch jetzt begab sich der 51-Jährige auf ungewohntes Terrain. Er begleitete die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock in ihrem Wahlkampfbus und führte ein gut halbstündiges Interview mit der 40-jährigen Politikerin.

Dabei herausgekommen ist eine etwas skurrile Homestory, in der es um illegalen Welpenhandel und das Antibiotikaverbot für Haustiere geht. Der Bus ist, parteigerecht, eingerichtet mit Grünpflanzen. Rütter leitet das Gespräch ein mit dem Hinweis, er sei "das erste Mal richtig vorbereitet" für ein Interview. Doch damit meint Rütter wohl nicht, die Kandidatin kritisch anzugehen. Vielmehr geht es erstmal lange um eines seiner Herzensthemen, Tierschutz. Da fühlt sich auch Baerbock wohl, auch wenn sie eher in der Rolle der Zuhörerin beim Thema Welpenhandel bleibt. Auch ihr Statement, das Tierschutzgesetz sei zu lasch, dürfte nicht gerade überraschen.

Kein Antibiotikaverbot für Haustiere

Nachdem das Welpenthema, zu dem Rütter momentan auch an einer Reportage arbeitet, nach gut 13 Minuten abgeschlossen ist, folgt eine kurze Exkursion in den Bereich Antibiotika für Tiere. Ein Verbot sei nicht Teil des grünen Wahlprogramms, verspricht Baerbock. Es ginge nicht um Haustiere, sondern um die Antibiotikagabe in der Massentierhaltung, die oft präventiv ohne Krankheit erfolge. Denn dadurch entstünden multiresistente Keime, das sei "ein riesengroßes Problem", weil dann am Ende Antibiotika nicht mehr bei Menschen wirken. "Jeder Tierarzt kann in seiner Praxis den Hund oder das Kaninchen weiter mit Antibiotika versorgen," verspricht die Kanzlerkandidatin.

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Damit geht das Gespräch doch noch etwas mehr in Baerbocks Expertise. Das Thema Massentierhaltung ist einer der Kernbereiche grüner Landwirtschaftspolitik. "Eigentlich ist das System falsch", stellt Baerbock klar. Um das zu ändern müsse aber auch das EU-Fördersystem gründlich umgekrempelt werden. Bei der Vergabe von öffentlichen Geldern müsse öffentliches Interesse wie Tierschutz und nachhaltiger Umgang mit dem Anbaugebiet eine wichtigere Rolle spielen. Dabei kritisiert sie auch die Rolle von CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Verabredung nach der Wahl

Zum Abschluss bringt der fünffache Vater Rütter noch Fragen aus der Klasse seiner 13-jährigen Tochter für die Kandidatin mit. Zur Finanzierung von Klimaschutz kann Baerbock locker antworten, auch die Frage, ob sie mit ihrem ersten Triell-Auftritt zufrieden war, stellt sie nicht mehr vor große Probleme. So endet das Interview doch mit eher klassischem Wahlkampf-Palaver, in dem die grüne Kandidatin rasch noch mal ein paar Kernpunkte unterbringen kann.

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Nach der Wahl wollen sich die beiden wieder treffen, um zu sehen, welche der Vorhaben die Grünen konkret angehen, sollten sie in einer Koalition in der Regierung sein. "Ich kann sehr hartnäckig sein", verspricht Rütter der Kandidatin und die gibt zurück: "Ich auch." Bisher hat das Video nicht einmal 3000 Views, es dürfte also noch keinen entscheidenden Anstoß für eine Aufholjagd der Grünen geben. In den letzten Umfragen schnitt Baerbock zwar gut beim zweiten TV-Triell ab, ihre Partei liegt aber unverändert auf dem dritten Rang hinter SPD und CDU. 

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