Anne Will: Giftgasangriff in Syrien - der feine Unterschied zwischen Anne Will und Markus Lanz

Anne Will diskutiert mit ihren Studiogästen über den Giftgasangriff in Syrien und den Luftschlag der USA. Auch Markus Lanz tat das in der letzten Woche. Mit dem gleichen Gast –  unter anderen Voraussetzungen.

Motto der Talk-Runde bei Anne Will: Trump bekämpft Assad – Droht jetzt ein globaler Konflikt?

Anne Will diskutiert den Giftgasangriff in Syrien mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, dem Biologen und außenpolitischen Sprecher der Linken, Jan van Aken, Ex-US-Botschafter John Kornblum, Historiker Michael Wolffsohn und Autor und Nahostexpertem Michael Lüders.

Van Aken: „Frau von der Leyen! Es gibt ein Völkerrecht!“

Jan van Aken: “Wir können das Völkerrecht nicht einfach hinten runterfallen lassen.”

Die Runde wägt ab, ob der Luftschlag der USA richtig oder falsch gewesen sei, wozu sich keiner so Recht äußern mag. „Nachvollziehbar“ steht im Raum – so nannte es schon Angela Merkel. Van Aken appelliert, man dürfe unter keinen Umständen einfach so die Völkerrechtscharta hinten runterfallen lassen. „Ich verstehe die Debatte nicht. Erst bomben, dann Fragen stellen?“ Das könne es nicht gewesen sein. Wolffsohn nennt den Luftschlag eine „Hau-Drauf-Aktion“ mit offensichtlichen politischen Zwecken.

Auch Michael Lüders diskutiert mit in dieser Runde. 1993 bis 2002 war er Nahostkorrespondent der ZEIT. Seit 2004 ist er freiberuflich als Politik- und Wirtschaftsberater tätig. Lüders ist Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft e.V. und Autor mehrerer Romane und Sachbücher.

Michael Lüders: Autor des Buches ‘Die den Sturm ernten: Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte”

Anne Will betont von Anfang an: „Wir haben Sie heute bewusst nicht als einen neutralen Nahostexperten vorgestellt. […] Sie sind ein Geschäftsmann, der sein Wissen an Firmen verkauft die ihre Geschäfte im Nahen und mittleren Osten machen wollen.“ Und das ist der springende Punkt.

Michael Lüders hat derzeit eine große Medienpräsenz. Auch bei Markus Lanz war er letzte Woche zu Gast. Seine These: Es sei einzig der Westen, der Syrien ins Chaos gestürzt habe. Und: Die Russen seien vorgewarnt gewesen, daher wehrten sie keine der 59 Tomahawk-Raketen ab, mit denen die USA in der Nacht zum Freitag die syrische Luftwaffenbasis angriff.

John Kornblum: „Das sind Verschwörungstheorien“

John Kornblum: Hält Lüders’ Thesen für Verschwörungstheorien

Was den feinen Unterschied zwischen Lanz und Will ausmacht: Bei Anne Will entsteht eine Diskussion. Stellen Gäste hier Thesen in den Raum, dann gehen andere dagegen an. In diesem Fall ist das unter anderem John Kornblum. „Das Schöne an Verschwörungstheorien ist, dass sie so kompliziert sind, dass sie nicht stattfinden können.“ Will stellt kritische Fragen und stört sich nicht daran, wenn das ungemütlich wird. „Herr Lüders, sagen Sie das nur so, oder können Sie das belegen?“ – „Das steht so in meinem Buch.“ – „Ihr Buch soll der Beleg sein?“ Markus Lanz hingegen ist der Pretty-Boy im Samt-Jackett, der allem voran gemocht werden will.

Hat Lüders nun Recht oder Unrecht? Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es zur Diskussion kommt – Gegenargumente inklusive. Als die gleiche These bei Markus Lanz im Raum stand, ging dieser zu Rainer Langhans über, welcher über den spirituellen Abschied seiner verstorbenen Partnerin orakelte. Man könnte nun sagen, dass Lanz seinen Zuschauern mehr zutraut. Dass er ihnen zutraut, selber kritisch zu hinterfragen und zu recherchieren. Aber seien wir mal ganz ehrlich: Ist das eine gute Idee? (ah)

Fotos: Screenshots/ARD

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