Anne Will greift Norbert Röttgen an: "Wie opportunistisch und machtversessen ist das eigentlich?"

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Anne Will (links) ärgerte sich über den CDU-Politiker Norbert Röttgen, der ihren Fragen auswich. Manuela Schwesig (SPD) sprach von einem
Anne Will (links) ärgerte sich über den CDU-Politiker Norbert Röttgen, der ihren Fragen auswich. Manuela Schwesig (SPD) sprach von einem "Witz in Tüten". (Bild: ARD/NDR)

Nach dem Wahldebakel der Union stand auch bei "Anne Will" die Zukunftsfrage des CDU-Kanzlerkandidaten im Raum: "Wollen Sie, dass Armin Laschet Kanzler wird?", fragte die Moderatorin Will den CDU-Mann Norbert Röttgen. Dieser wich wieder und wieder aus. Bis es der Gastgeberin zu bunt wurde...

Eine Woche nach der Wahl werden die internen Kämpfe in der Union härter: Kann Armin Laschet trotz Wahlklatsche noch ein Jamaika-Bündnis schmieden und Kanzler werden? Eine Frage, für die sich auch Anne Will in ihrem ARD-Polittalk brennend interessierte. Zu Gast waren die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), Otto Fricke (Beisitzer im Bundesvorstand der FDP), der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz, "Spiegel"-Autorin Christiane Hoffmann sowie derjenige, der für die passende Antwort auf die K-Frage eigentlich prädestiniert war: Norbert Röttgen, Außenpolitik-Experte und Ex-Parteichefbewerber der CDU. Der hatte, das ließ sich vorweg erahnen, in der Runde keinen leichten Stand.

"Wollen Sie, dass Armin Laschet Kanzler wird?": Auf diese klare Frage bekam Anne Will (links neben Manuela Schwesig und Norbert Röttgen) keine Antwort. (Bild: ARD/NDR)
"Wollen Sie, dass Armin Laschet Kanzler wird?": Auf diese klare Frage bekam Anne Will (links neben Manuela Schwesig und Norbert Röttgen) keine Antwort. (Bild: ARD/NDR)

Zwischen der SPD und der FDP habe es bei den ersten Gesprächen "nicht geknallt", fasste Anne Will die zurückliegenden Sondierungen zusammen: "Hat sich Jamaika dann erledigt und damit dann auch Armin Laschets Traum von der Kanzlerschaft?", fragte sie ihren Gast. Röttgen antwortete ausweichend: Der Ausgangspunkt sei das Wahlergebnis von vor einer Woche, welches die SPD als Siegerin hervorgebracht habe. Dennoch: "Nach meiner Bewertung - und nicht nur meiner - ist die CDU/CSU die einzige Volkspartei in Deutschland." Nach dem Verlust am vergangenen Sonntag bestünde allerdings die Gefahr, diese Position zu verlieren und das gelte es mit allen Mitteln zu verhindern. 

"Warum antworten Sie nicht mit einem einfachen Ja oder Nein?"

Dies sei nicht die Frage, entgegnete Will und wiederholte: "Hat sich Armin Laschets Traum von der Kanzlerschaft erledigt?" Die Regierungsbildung sei eine zweite Schiene, fuhr Röttgen unbeirrt fort. Will wurde daraufhin noch deutlicher: "Wollen Sie, Herr Röttgen, dass Armin Laschet Kanzler wird?" Man wolle Gespräche über Gemeinsamkeiten führen, wich Röttgen abermals aus: "Wenn es dazu kommt, dass Jamaika die größere Übereinstimmung hat, dann kommen am Ende auch Personalfragen."

Norbert Röttgen hatte es in der ARD-Talkshow
Norbert Röttgen hatte es in der ARD-Talkshow "Anne Will" nicht leicht. (Bild: ARD/NDR)

Nun riss Will endgültig der Geduldsfaden: "Warum antworten Sie nicht mit einem einfachen Ja oder Nein? Wissend, dass auch Sie diese Woche etliche Interviews gegeben haben, wo Sie im Grunde die volle Verantwortung für die Wahlniederlage Armin Laschet untergeschoben haben." Röttgen verteidigte sich: "Natürlich gab es ein Akzeptanzproblem des Kanzlerkandidaten. Das weiß auch der Kanzlerkandidat." Die Ursachen für das Wahldebakel reichten aber "weit über die Amtszeit von Armin Laschet" hinaus. "Wir haben einen Runderneuerungsbedarf." Es sei eine Frage des demokratischen Respekts, dass man nach einem Verlust von neun Prozent nicht automatisch davon ausgehe, man habe einen Regierungsauftrag. 

"Ein ganz großer Witz in Tüten"

Nun schaltete sich auch Schwesig ein, die schimpfte: "Herr Rötgen, was Sie hier gerade erzählen, ist ehrlich gesagt ein ganz großer Witz in Tüten." Wenn man sich eingestehe, es gebe keinen Auftrag, die Regierung zu stellen, müsste die CDU konsequent in die Opposition gehen. "Aber Sie wollen einerseits eine Regierung bilden, sagen aber nicht, wer die Regierung anführen soll." Dabei sei gerade dies die wichtigste Frage bei der aktuellen Wahl nach 16 Jahren Angela Merkel gewesen.

Gegen Ende der Sendung griff Anne Will das CDU-Spitzenpersonal schließlich frontal an: "Sie, Friedrich Merz, Jens Spahn, andere sprechen Armin Laschet die Führungsfähigkeit ab, machen ihn im Prinzip voll verantwortlich für die Wahlniederlage und Sie sagen gleichzeitig aber: Der Mann kann Kanzler und solange das nicht ausgeschlossen ist, muss er auch nicht zurücktreten. Wie opportunistisch und machtversessen ist das eigentlich?"

Auch Otto Fricke (FDP, links) und Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) sahen Röttgens ausweichende Taktik kritisch. (Bild: ARD/NDR)
Auch Otto Fricke (FDP, links) und Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) sahen Röttgens ausweichende Taktik kritisch. (Bild: ARD/NDR)

Es sei eine schwierige, ja gar "existenzbedrohende" Lage für die Union als Volkspartei, verteidigte sich Röttgen. Natürlich werde, wenn man Konsequenzen aus dem Ergebnis zieht, auch der Spitzenkandidat eine Rolle spielen: "Das bestreitet auch Armin Laschet nicht." Denn wenn man den Willen des Volkes nicht wahrnehme, werde man "den Weg der SPD bestreiten" und keine Volkspartei mehr sein. SPD-Wahlsiegerin Schwesig, gerade in Mecklenburg-Vorpommern wiedergewählt, lauschte den Ausführungen kopfschüttelnd. 

"Es gibt einen eisenharten Machtkampf in Ihrem Laden"

"Ihre Ausgangsthese war, dass es ein guter Schritt wäre, wenn Laschet bleibt", fasste der Grünen-Politiker Konstantin von Notz seine Sicht der Dinge zusammen: "Das ist natürlich nicht so: Wenn Sie es geworden wären, hätten Sie für Jamaika ja eine ganz andere Ausgangsposition. Sie sind ein progressiver Typ und Sie haben ja recht: Russland und China - das ist schwierig mit der SPD. Aber Sie sind es nicht geworden und es gibt Gründe dafür, dass Sie es nicht geworden sind." Der Grünen-Mann weiter: "Es gibt einen inhaltlichen, eisenharten Machtkampf in Ihrem Laden, bei dem man eben nicht weiß: Wird der jetzt progressiver und mittiger oder stellt er sich jetzt schon auf für die Opposition und sagt: Rechts einer mittigen Ampelkoalition, da muss man hin."

Manuela Schwesig schimpfte:
Manuela Schwesig schimpfte: "Sie wollen einerseits eine Regierung bilden, sagen aber nicht, wer die Regierung anführen soll." Nach 16 Jahren mit Angela Merkel als Kanzlerin sei das nicht richtig. (Bild: ARD/NDR)

"Spiegel"-Autorin Christiane Hoffmann glaubt hingegen fest an eine Ampelkoalition: "Was wir doch tatsächlich sehen, ist, dass wir nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Merkel jetzt an einem Punkt von eher einem Machtvakuum angekommen sind. In der Union gibt es ein Machtvakuum, das drückt sich dadurch aus, dass alle wissen, dass es mit Laschet nicht weitergehen wird." Dies sei nach 16 Jahren zwar verständlich, doch keiner sage es offen und frei heraus.

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