Anonyme Alkoholiker: Mehr Nachfrage in Corona-Krise

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Für viele Alkoholiker sind Gespräche mit anderen Betroffenen ein wichtiger Baustein, um trocken zu werden oder trocken zu bleiben. Dass die Treffen der Anonymen Alkoholiker vielfach nun im Internet stattfinden, vereinfacht den Zugang.

silhouette of a person drinking behind bottles of alcohol with added filter
(Symbolbild: Getty Images)

Gottfrieding (dpa) - In Zeiten der Pandemie haben auch die Anonymen Alkoholiker (AA) ihre Treffen teilweise in das Internet verlegt. Das senkt die Hemmschwelle, sich zu beteiligen, wie ein Sprecher der bundesweit agierenden Selbsthilfegruppe sagt. Zwar gebe es keine konkreten Zahlen, weil keine Mitgliederlisten geführt werden, jedoch sei ein Zulauf spürbar. Insbesondere mehr junge Menschen nähmen an den Online-Treffen teil.

Bundesweit gibt es zurzeit den Angaben nach mindestens 260 Gruppen der Anonymen Alkoholiker, die sich per Videoschalten treffen. Einige weitere können - je nach regionalen Corona-Vorschriften - noch persönlich zusammenkommen. Vor der Pandemie gab es etwa 1800 Gruppen der Anonymen Alkoholiker und geschätzt 20 000 Betroffene, die die Angebote nutzten.

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Die Online-Treffen hätten einen großen Nachteil, sagt der Sprecher. «Ein solches Meeting ersetzt nicht wirklich ein persönliches Treffen. Das ist klar.» Deswegen sollen nach der Pandemie wieder mehr Präsenzveranstaltungen angeboten werden. Jedoch sieht er auch zwei positive Effekte: «Wir sind viel erreichbarer geworden.» Interessenten könnten quasi von überall aus in einer beliebigen Stadt zu unterschiedlichen Zeiten an einem Treffen teilnehmen.

Treffen finden online statt

Das erleichtere es gerade Menschen auf dem Land, die eine schlechte Verkehrsanbindung haben, oder Gehbehinderten, die Anonymen Alkoholiker zu besuchen. Gerade unter den Anonymen Alkoholikern gebe es ja auch Leute, die keinen Führerschein oder kein Auto hätten, sagt der Sprecher. Sie könnten nun vom Computer oder Handy aus teilnehmen.

Der zweite Vorteil der Videotreffen sei der niedrigschwellige Eintritt. «Ich muss nicht aufstehen und wohin fahren und mich von Angesicht zu Angesicht zeigen.» Außerdem könne man ein Onlinemeeting schnell wieder verlassen. «Ich kann mich reinklicken und wenn ich das Gefühl habe, ich halte es nicht mehr aus, drücke ich auf den Knopf.»

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Dass Menschen an Videoschalten teilnehmen und ihr Gesicht nicht zeigen, sei nicht gerne gesehen, sagt der Sprecher, der selbst nach eigenen Angaben seit 40 Jahren trocken ist. Dann könnte es leicht Missbrauch geben, Leute könnten sich die Treffen anschauen und Unfug machen. Die Betroffenen, die emotional vielleicht gerade stark belastet sind, würden dadurch gestört werden.

Ganz grundsätzlich sei die Teilnehmerzahl in den vergangenen Jahren eher rückläufig gewesen. «Ich habe den Eindruck, wir wachsen jetzt.» Dass die Menschen in der Pandemie wesentlich mehr trinken, denkt der Sprecher nicht. «Gesoffen wird mit und ohne Corona.» Nun seien eben die Kneipe und die Pizzeria geschlossen und die Leute kauften sich Alkohol im Supermarkt.

Homeoffice wirkt sich auf Konsum aus

Das Arbeiten im Homeoffice könne für Trinker Vor- und Nachteile haben. In manchen Betrieben sei es üblich, dass sich Mitarbeiter «um 9 Uhr mal ein Fläschchen aufmachen». Die Ehefrau beispielsweise sehe nur, was der Mann abends zu Hause trinkt. «Im Homeoffice steht die Frau nun quasi hinter ihm und er kann nicht mehr trinken.» Es gebe aber auch die Menschen, bei denen Alkohol während der Arbeitszeit nicht möglich ist, und die nun alleine zuhause an ihrem Schreibtisch sitzen und niemand kriegt das mit. Da fehle das Korrektiv.

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