Anteil russischer Gaslieferungen fällt im Juni auf 26 Prozent

Deutschland hat die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen weiter reduziert. So betrug der Anteil russischer Gaslieferungen in Deutschland zu Ende Juni noch 26 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium in dem am Mittwoch vorgelegten Dritten Fortschrittsbericht Energiesicherheit mitteilte. Noch vor Kurzem lag der russische Anteil im Mittel bei 55 Prozent. Grund für den Rückgang seien auch die gedrosselten Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1.

Deutschland befinde sich "in einer sich zuspitzenden Energiekrise", heißt es weiter in dem Bericht. Die Herausforderungen seien "weiterhin groß", es bedürfe "umfassender Anstrengungen". Das Ministerium verwies unter anderem auf Fortschritte beim Aufbau einer Flüssiggas-Infrastruktur und eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen, die auf eine Befüllung der Gasspeicher und eine Absenkung des Energieverbrauchs zielen.

Insbesondere im Bereich Verkehr und Gebäude seien zusätzliche Bemühungen notwendig. Die Regierung plane deshalb, die Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz "nochmals erheblich zu steigern", um den Gas- und Öl-Verbrauch "kurzfristig deutlich zu senken".

Bei den Erdöllieferungen habe es bereits deutliche Fortschritte gegeben, heißt es in dem Bericht. So verbleibe aktuell noch ein Anteil russischen Öls von zwölf Prozent, insbesondere in den ostdeutschen Raffinerien in Schwedt und zu einem kleineren Teil in Leuna. Bis zum Jahresende will die Bundesregierung vollständig auf Importe von russischem Öl verzichten, ein entsprechendes Embargo hatte die Europäische Union Anfang Juni beschlossen.

Auch im Bereich der Steinkohle gab es laut dem Bericht Fortschritte: Lag der Anteil der russischen Lieferungen hier bisher bei rund 50 Prozent des deutschen Steinkohleverbrauchs, konnte dieser zuletzt auf rund acht Prozent abgesenkt werden.

Ein Ende der russischen Gasimporte sei im Vergleich deutlich anspruchsvoller, hieß es weiter in dem Bericht. Um die Unabhängigkeit von russischem Gas zu erreichen, sei ein "nationaler Kraftakt" notwendig. So sei der aktuell niedrige russische Anteil von 26 Prozent am deutschen Gasverbrauch auch auf die Drosselung der Gaslieferungen durch Russland aufgrund der Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 zurückzuführen.

Realistisch ist laut dem Energiesicherheitsbericht ein Anteil der russischen Gaslieferungen zum Ende des Jahres von 30 Prozent. Nötig seien dafür aber "viele Schritte von vielen Akteuren gleichzeitig – Bund, Ländern, Kommunen, Unternehmen und privaten Haushalten". Die Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen könne "in einem gemeinsamen Kraftakt bis Sommer 2024 weitgehend erreicht werden". Voraussetzung dafür seien aber "Diversifizierung, Einsparungen, der schnellere Hochlauf von Wasserstoff sowie der massive Ausbau der Erneuerbaren".

fho/pw

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