Nach antisemitischem Übergriff von Berlin stellt sich 19-Jähriger der Polizei

In Saarbrücken hat ein Mann am Samstag zwei Familienmitglieder mit Schüssen getötet und weitere Menschen verletzt. Das teilte eine Sprecherin der Polizei mit

Nach dem neuen antisemitischen Übergriff in Berlin hat sich ein 19-jähriger Tatverdächtiger der Polizei gestellt. Er suchte am Donnerstagmittag im Beisein seiner Rechtsanwältin die Hauptstadtpolizei auf, wie die Ermittler mitteilten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte derweil ihre Entschlossenheit im Kampf gegen Antisemitismus. "Wir wenden uns entschlossen gegen Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen", betonte Merkel in der "Jüdischen Allgemeinen".

Der 19-Jährige war nach Polizeiangaben unter anderem aufgrund von Zeugenhinweisen nach der Attacke vom Dienstagabend als tatverdächtig ermittelt worden. Er sollte auf Antrag der Staatsanwaltschaft Berlin noch am Donnerstag einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Aus einer Gruppe von drei Männern waren auf einer Straße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zwei 21 und 24 Jahre alte Männer attackiert worden, wobei ein Opfer durch Schläge mit einem Gürtel leicht verletzt wurde. Diese Schläge soll der 19-Jährige ausgeführt haben. Die Angegriffenen trugen Kippas, die traditionelle Kopfbedeckung von Menschen jüdischen Glaubens.

Merkel äußerte sich in einem Grußwort in der Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine", in dem sie dem Staat Israel zum 70. Jahrestag seiner Unabhängigkeit gratulierte. "Im Bewusstsein der immerwährenden Verantwortung Deutschlands für die Schrecken der Shoa bewahren wir die Erinnerung an das Geschehene", schrieb die Kanzlerin.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) verurteilte den Angriff von Berlin scharf. "Das Judentum gehört zu Deutschland - wer das nicht akzeptiert, hat hier nichts verloren", sagte Oppermann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Es muss klar sein: Für Antisemitismus gibt es keinen Platz in Deutschland", betonte er.

Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz erinnerte an die "gesamtgesellschaftliche Verantwortung dafür, jüdisches Leben in unserem Land gegen jedwede Angriffe zu schützen". Wie wichtig ein entschlossenes, gesamtgesellschaftliches Vorgehen gegen den Antisemitismus in Deutschland sei, hätten die vergangenen Tage schmerzhaft gezeigt. Im Kampf gegen Antisemitismus seien weitere Schritte der Bundesregierung dringend notwendig.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, beklagte eine gesunkene Hemmschwelle für Antisemitismus. "Quer durch die Gesellschaft ist festzustellen, dass man sich mehr traut, das zu sagen, was man schon lange gedacht hat", sagte er der Mediengruppe "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung" laut Vorabmeldung. "Die Hemmschwelle, sich antisemitisch zu artikulieren oder gar tätig zu werden, ist nach meinem Eindruck deutlich gesunken." Das Bedrohungsgefühl in den jüdischen Gemeinschaften nehme zu.

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