Apostelnplatz: Skurrile Aktion soll auf Leidensdruck Übergewichtiger aufmerksam machen

Die Aktion ist noch bis zum 13. Mai zu bewundern.

Es sind skurrile Szenen, die sich zurzeit jeden Nachmittag auf dem Pastor-Könn-Platz – dem Areal rund um die Kirche St. Aposteln am Neumarkt – abspielen. Vor den Café-Terrassentischen an der Mittelstraße ist der ganze Platz mit Zucker-Packungen ausgelegt; dazwischen liegt Ása Ástardóttir – eine der drei Akteure der Performance – bekleidet in einer Badewanne. Sie nimmt ein Zuckerbad: Nach und nach öffnet sie ein Päckchen nach dem anderen und lässt sich lustvoll mit dem weißen Stoff berieseln.

Ein paar Schritte weiter sitzt Torsten Schierenbeck mit Stirnband und Sportklamotten vor einem Mini-Basketballfeld – und brüllt im Stile eines aufgeregten Trainers Kommandos an eine imaginäre Mannschaft auf dem Spiel-Parkett: „Jetzt nach links – abspielen – weiter vorne!“

Künstlerische Vorschau auf „Fat Facts“

Die Dritte im Bunde, Siiri Mälzer, liegt rücklings auf einer Euro-Palette mit Zucker und strickt mit einem rot-weißen Flatterband, das mit Botschaften wie „Großherzkörper“ beschriftet ist. Einige Meter entfernt liegen ein paar Megaphone im Halbkreis auf dem Boden, aus denen ein kakophonisches Gewirr von Stimmen ertönt; darunter auch derbe Beschimpfungen wie „Du fette Kuh!“.

Um den Platz hat sich eine Traube von Schaulustigen gebildet, die über die Bedeutung der Performance rätseln; immer wieder halten Passanten inne und schießen Fotos.

Des Rätsels Lösung: Es ist eine künstlerische Vorschau auf das urbane Installations- und Performance-Projekt „Fat Facts“ unter Konzeption und Realisation von Angie Hiesl und Roland Kaiser, das am Donnerstag um 18 Uhr auf dem Platz seine Uraufführung gefeiert hat. Es will auf die Stigmatisierung, Ausgrenzung und den Leidensdruck übergewichtiger Personen aufmerksam machen, die nicht dem propagierten Idealbild entsprechen.

Kostenloses Schauspiel bis zum 13. Mai zu sehen

„Zucker umgibt uns alle, es ist ein Teil unserer Welt“, erläutert Hiesl, die das Schauspiel am Rande mitverfolgt. Die unter anderem von Stadt und der Kunststiftung NRW geförderte Performance ist bewusst darauf angelegt, die Passanten zu irritieren und nachdenken zu lassen – sie soll persönliche Erfahrungen der Akteure reflektieren und dazu beitragen, sich mit den „gesellschaftlichen Konzepten von Norm und Übermaß“ auseinanderzusetzen.

Auch am Freitag und Samstag, 5./6. Mai, sowie am Donnerstag/Freitag/Samstag, 11./12./13. Mai, ist das 60- bis 90-minütige Schauspiel „Fat Facts“ jeweils ab Punkt 18 Uhr zu betrachten. Das Zuschauen kostet nichts. (bes)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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