Nach Appellen, Warnungen, 2G-Regel: So sprunghaft war der Anstieg bei den Erstimpfungen im November

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Die vierte Corona-Welle rollt weiter. Einzelne Landkreise in Sachsen verzeichnen Sieben-Tage-Inzidenzen um die 2.000. Viele Bundesländer hatten zuletzt auf die steigende Zahl der Neuinfektionen reagiert. Anstatt nur auf schärfer werdende Impf-Appelle zu setzen – wie es lange der Fall war – gilt in vielen Bundesländern mittlerweile die 2G-Regel. Heißt: Nur noch Geimpfte und Genesene Personen haben Zugang zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, für Ungeimpfte werden die Freiräume zunehmend enger.

Auch eine entsprechende bundesweite Regelung ist im Gespräch – inklusive Debatten über Sinn und Unsinn der Maßnahme. Doch wie wirken sich Appelle und Einschränkungen auf die Impfbereitschaft und den Fortschritt der Impfkampagne aus? Lassen sich inzwischen mehr Menschen erstimpfen, oder werden hauptsächlich Booster-Impfungen verabreicht?

Ein Blick auf das digitale Impfmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) liefert da Aufschluss. Insgesamt sind bundesweit Stand 30. November 71,3 Prozent der Menschen hierzulande mindestens einmal geimpft, 68,5 Prozent vollständig. Am niedrigsten ist die Quote der vollständig Geimpften mit gut 58 Prozent in Sachsen, aber auch Brandenburg und Thüringen hinken mit jeweils gut 62 Prozent hinterher.

Damit ist die Quote zwar weiterhin zu niedrig, die Impfkampagne hat aber im November wieder an Dynamik gewonnen. Gut zehn Millionen Impfdosen wurden laut RKI verabreicht – mehr als doppelt so viele wie noch im Oktober. Den Großteil trugen dazu zwar die Boosterimpfungen bei: Sie machten rund 72 Prozent der verabreichten Impfdosen aus, Erstimpfungen nur 15 Prozent. Aber auch bei letzteren gab es einen Aufwärtstrend. Hatten sich im Oktober noch gut eine Million Menschen erstimpfen lassen, waren es im November knapp 1,6 Millionen.

Ab Einführung der 2G-Regel in Sachsen steigt die Zahl der Erstimpfungen kontinuierlich

Den Einfluss der einzelnen Corona-Maßnahmen auf diesen Anstieg abzuschätzen ist allerdings schwierig. Schließlich könnten auch schlicht die Rekorde bei Fallzahlen und Inzidenzen mehr Menschen motiviert haben, sich doch noch impfen zu lassen. Und: Die einzelnen Bundesländer haben die Einschränkungen für Ungeimpfte zu unterschiedlichen Zeitpunkten veranlasst.

Sachsen war dabei Vorreiter. Als erstes Bundesland hatte es landesweit auf die 2G-Regel gesetzt. Seit dem 8. November sind Ungeimpfte dort aus Innenräumen wie Gastronomie, Clubs, Bars und von Veranstaltungen ausgeschlossen. Andere Bundesländer hatten nachgezogen, bereits vorher war die Regel schon eine Option für Gebiete mit hohem Infektionsgeschehen. Ab Mitte des Monats galt 2G dann beispielsweise auch landesweit in Bayern, Berlin, Brandenburg oder Hamburg. Andere Länder setzten weiterhin auf regionale 2G-Beschränkungen oder optionale Modelle, bei denen Veranstalter selbst entscheiden konnten. In der Woche vom 22. November hatten mehrere Bundesländer ihre Regelungen allerdings verschärft und die 2G-Regel eingeführt, beziehungsweise sogar hin zu einer 2G-Plus-Regel ausgeweitet. Eine gute Übersicht über den Stand vergangene Woche liefert beispielsweise die „Berliner Morgenpost“.

Das Impfquotenmonitoring des RKI zeigt parallel eine bundesweit ansteigende Zahl an Erstimpfungen. So lag die erste Novemberwoche mit 226.000 Erstimpfungen sogar noch unter der letzten Oktoberwoche, in der sich 236.000 Menschen ihre erste Dosis geholt hatten. Ab dem 8. November – und damit parallel zur landesweiten 2G-Regel in Sachsen – ging es allerdings bundesweit kontinuierlich bergauf. Ein direkter kausaler Zusammenhang scheint aber unwahrscheinlich: In Sachsen selbst blieb die Zahl der Erstimpfungen etwa zwei Wochen lang weitgehend unverändert.

Sprunghafter Anstieg in der vergangenen Woche

Markant ist aber sowohl dort wie auch bundesweit der Sprung von der dritten Novemberwoche mit 380.000 Erstimpfungen auf etwa 599.000 in der vergangenen Woche – so viele wie zuletzt Anfang September. Allein zwischen diesen beiden Wochen beträgt die Zunahme also fast 60 Prozentpunkte. Auffällig ist, dass gerade dieser letzte sprunghafte Anstieg knapp eine Woche nach Einführung der 2G-Regeln in mehreren Bundesländern verzeichnet wird.

Auch wenn sich direkte Zusammenhänge schwer ausmachen lassen, dürfte der schon seit Oktober langsam zunehmende Druck auf Ungeimpfte durch die 2G-Regel sicherlich zum erneuten Aufwind in der Impfkampagne beigetragen haben. Ähnliches hatte beispielsweise auch das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ aus diversen Bundesländern berichtet. Neben den steigenden Corona-Fallzahlen hätte 2G den Druck zusätzlich erhöht, wie auch frisch Erstgeimpfte berichtet hätten.

Bei den Auffrischungsimpfungen gibt es außerdem eine deutliche Korrelation zu den Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese hatte am 18. Oktober allen Über-70-Jährigen sowie Menschen mit Vorerkrankung die Booster-Impfung empfohlen. Mit leichter Verzögerung schnellte daraufhin die Zahl der verabreichten Auffrischungsimpfungen in die Höhe – auf 685.000 in der ersten Novemberwoche, mehr als doppelt so viele wie noch zwei Wochen zuvor. Nach der allgemeinen Booster-Empfehlung der Stiko am 18. November war der Anstieg sogar noch drastischer: Zwischen dem 22. und dem 28. November holten sich mehr als 3,35 Millionen Menschen die Auffrischungsdosis – ein Zuwachs von gut 70 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche.

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