Apps wie Nina, Katwarn & Co. sollen euch vor Waldbränden, Fluten und Katastrophen warnen: Das solltet ihr darüber wissen

 - Copyright: Rolf Vennenbernd/picture alliance via Getty Images
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In Sachsen brennt seit Tagen der Wald im Nationalpark Sächsische Schweiz, in Brandenburg sorgten Waldbrände vor wenigen Wochen für Evakuierungen ganzer Dörfer, in Berlin brennt der Grunewald und mit ihm ein Munitionslager, auf dem das Feuer immer wieder für Explosionen sorgt. Zur Dürre kommt die Hitze, seit Wochen verzeichnet Deutschland immer wieder Tage mit Temperaturen nahe der 40 Grad. Die Hitzewelle und sommerliche Dürre, aber auch die Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr zeigt: vom Klimawandel verstärkte Extremwetter-Ereignisse häufen sich in der Bundesrepublik.

Und sie verursachen große Schäden und fordern Todesopfer. In der vergangenen Hitzewoche etwa meldete Deutschland laut Recherchen von "Politico" eine Übersterblichkeit von 3000 Toten mehr als in den fünf Jahren zuvor. Die Fluten im vergangenen Sommer kosteten mindestens 186 Todesopfer und verursachten Schäden in Höhe von 40,5 Milliarden Euro.

Armin Schuster, der damalige Präsident des Bundesamts für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK), kam trotzdem zu dem Fazit: „Unsere Warninfrastruktur hat geklappt“. Es seien zwischen Mittwoch und Samstag der Katastrophen-Woche 150 Warnmeldungen über die Apps des Amtes — Katwarn und Nina — verschickt worden.

Das Problem: Viele Bürger nutzten die Warn-Apps damals noch nicht. Auch heute sind die Nutzerzahlen der Apps noch gering: Nina hat 10 Millionen Nutzer, Katwarn knapp unter 4 Millionen. Warnmeldungen, die ausgesendet werden, kommen dadurch oft nicht bei den gefährdeten Personen an. Ein Warnsystem per SMS gibt es auch ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal nicht; erst im Winter soll ein neu entwickeltes System getestet werden.

Wir stellen euch hier die wichtigsten Warn-Apps aus Deutschland vor. Seit Februar 2019 werden die offiziellen Warnmeldungen dabei untereinander von den Apps geteilt und parallel verbreitet, damit kein Nutzer ausgeschlossen wird. Alle Apps sind zudem kostenlos erhältlich.

Die Nina-Warnapp: Der Allrounder

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App ist ein Angebot des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die App bezieht ihre Informationen aus dem modularen Warnsystem des Bundes, dem Deutschen Wetterdienst sowie von der regionalen Feuerwehr und den teilnehmenden Rettungsleitstellen. Nina ist seit 2015 in Betrieb und sendet Warnmeldungen zu verschiedenen Gefahren wie Großbränden, Hochwasser, Chemieunfällen und vielen mehr aus.

Per GPS-Dienst können die Nutzer immer für den aktuellen Standort die Warnmeldungen erhalten oder in der App Orte abspeichern, für die Informationen erhalten werden sollen. Die App informiert außerdem über die Corona-Pandemie und gibt Notfalltipps zu besonderen Gefahrenlagen. Die Warnungen können außerdem auch per SMS oder E-Mail weitergeleitet werden.

In der App finden sich darüber hinaus auch Notfalltipps des BBK, wie ihr euch in bestimmten Gefahrenlagen verhalten solltet.

Die Katwarn-App: Die abgespeckte Variante von Nina

Katwarn wurde von Fraunhofer FOKUS im Auftrag der öffentlichen Versicherer Deutschlands und der Combirisk GmbH entwickelt und verarbeitet ebenfalls die Informationen des bundesweiten Warnsystems und vom Deutschen Wetterdienst. Die App ist seit 2011 in Entwicklung und warnt ähnlich wie Nina vor Großbränden, Bombenwarnungen, Umweltkatastrophen und vielem mehr.

Allerdings ist die App nicht so weit verbreitet wie Nina. Gerade regionale Warnungen von Kommunen und Gemeinden werden dadurch nicht flächendeckend versendet. Außerdem können neben der aktuellen Position nur acht weitere Postleitzahlen hinzugefügt werden, zu denen Warnmeldungen erhalten werden können. Das führt vor allem in Großstädten zu Problemen.

Mit Biwapp auch über Schulausfälle informiert bleiben

Die "Bürger-Info und Warn-App" (Biwapp) hat sich weiter spezialisiert und bietet im Gegensatz zu Katwarn und Nina nicht nur Meldungen über Katastrophen, sondern auch zu Fahndungen und Schulausfällen an (insofern die Schulen den Dienst nutzen). Über Biwapp können Nutzer ebenfalls die Informationen des BBK oder der regionalen Warnstellen erhalten. Wer sich in Gefahr befindet, kann über Biwapp einen Hilferuf inklusive Ortungsfunktion aussenden. Im Gegensatz zur Nina-App und Katwarn ist Biwapp jedoch aktuell nicht im Google Play Store und damit nur für iOS-Geräte erhältlich.

Wetter-Warnungen dank der App des Deutschen Wetterdienstes

Über die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes können Nutzer auch Informationen zur aktuellen Wetter- und Gefahrenlage in Deutschland erhalten. Gegen einen Aufpreis werden außerdem Funktionen wie eine Sieben-Tage-Wettervorhersage freigeschaltet.

Viele Warn-Apps — aber noch immer kein Alarm per SMS in Deutschland

Trotz dieser App-Angebote konnten sich viele Bürger in den Hochwasser-Gebieten 2021 nicht rechtzeitig retten. BBK-Chef Schuster verteidigt das App-System: „Die Warninfrastruktur ist nicht unser Problem gewesen, sondern die Frage, wie sensibel reagieren Behörden und die Bevölkerung auf diese Warnungen?“ Der Deutsche Wetterdienst habe Warnungen verschickt, diese seien an die Hochwasserzentralen der Länder gegangen und von da an die Kreisbehörden.

Letztlich kamen diese Warnungen jedoch nicht bei der Bevölkerung an. Auch, weil es in Deutschland nicht nur kaum noch Warnsirenen für den Katastrophenfall gibt, sondern zudem kein Warnsystem per Alarm-SMS, wie etwa in den USA oder Russland.

Zwar wurde nach den Hochwassern im vergangenen Sommer die Einführung eines SMS-Warnsystems beschlossen. Doch im Einsatz ist es noch immer nicht. Einen ersten Test soll es erst am Warntag 2022, dem 8. Dezember, geben. Einsatzbereit soll das System dann ab Februar 2023 sein – wenn alles nach Plan läuft.

Warn-Apps versagten am bundesweiten Warntag 2020

Die Verzögerungen schon beim Test des SMS-Systems erinnern an den bundesweiten Warntag im Jahr 2020. Dort sollten um Punkt 11 Uhr in ganz Deutschland die Sirenen ertönen und Warnmeldungen verschickt werden. Der Test war ein großer Fehlschlag. Aufgrund technischer Probleme wurden vielerorts die Warnmeldungen viel zu spät verschickt. Das System war durch Absprachefehler überlastet. Der damalige BBK-Chef Christoph Unger musste seinen Posten räumen.

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