Atommüll-Behörde sieht Sicherheitsfragen bei längeren Akw-Laufzeiten

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) warnt vor einer Zunahme des Atommülls in Deutschland bei einer möglichen Laufzeitverlängerung für die verbliebenen Atomkraftwerke. Käme es zum Einsatz neuer Brennstäbe, erhöhe sich auch die Menge an hochradioaktiven Abfällen, "für die es bis zur Inbetriebnahme eines Endlagers in Deutschland noch auf Jahrzehnte nur Zwischenlager mit zeitbegrenzter Sicherheitsgarantie gibt", sagte die Leiterin der Abteilung Nukleare Sicherheit des Base, Mareike Rüffer, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag.

Es sei eine gesellschaftspolitische Entscheidung, ob die kurzfristige Versorgungssicherheit höher bewertet werde als der langfristige Schutz von Mensch und Umwelt vor den Gefahren der Radioaktivität, sagte Rüffer. "Maßstab jeglicher Entscheidung muss die Sicherheit sein und bleiben."

Ob ein Weiterbetrieb der noch laufenden drei Kraftwerke - Neckarwestheim 2, Emsland und Isar 2 - sicher sei, könne erst nach einer sogenannten Periodischen Sicherheitsprüfung seriös beantwortet werden, führte die Expertin aus. Das Atomgesetz verpflichte die Betreiber alle zehn Jahre dazu. Mit Blick auf den gesetzlich verankerten Ausstieg Ende 2022 seien diese Prüfungen aber ausgesetzt worden - sie müssten zunächst nachgeholt werden.

Rüffer verwies zudem auf die Interessen der Nachbarländer: "Auch unsere Nachbarn haben einen Anspruch darauf, vor den Gefahren deutscher Atomkraftwerke möglichst gut geschützt zu werden." Die Expertin unterstrich, dass eine längere Laufzeit der deutschen Reaktoren "mit einem Stromanteil von sechs Prozent letztendlich nur einen kleinen Gesamtbeitrag an der Stromversorgung in Deutschland" leisten würde.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr verspricht sich von einer Laufzeitverlängerung der Kraftwerke dennoch Auswirkungen auf die Preise. Der Weiterbetrieb "wäre der richtige Schritt, um unsere Energieversorgung zu sichern und den Strommarkt zu entlasten", sagte er der "Rheinischen Post" vom Samstag. "Mehr Angebot an Strom stabilisiert die Preise und kann den erwarteten Mehrbedarf abdecken, weil die Menschen und die Unternehmen sich natürlich nach alternativen Heizmöglichkeiten umsehen, die Strom ziehen."

Dürr verwies außerdem auf den europäischen Zusammenhang. "Ich wüsste nicht, wie wir in der EU erklären sollen, dass wir funktionierende Kraftwerke aus ideologischen Gründen abschalten, während Frankreich den Strom-Blackout fürchtet." In der Debatte gehe es daher "nicht nur um uns, sondern auch um unsere Nachbarn, denn wir sind beim Gas wiederum auf sie angewiesen", sagte der FDP-Politiker.

cne/ju

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