Audi RS 7 Sportback (2019): Scharf gemacht

feedback@motor1.com (Roland Hildebrandt)
Audi RS 7 Sportback (2019)

Auf der IAA steht der schicke Bruder des RS 6 Avant

Erst vor kurzem konnten wir den brandneuen Audi RS 6 Avant bewundern. Jetzt schiebt die Audi Sport GmbH ein weiteres Brikett nach und heizt uns mit der zweiten Generation des RS 7 Sportback ein. Offiziell vorgestellt wird er auf der IAA 2019 in Frankfurt (12. bis 22. September). Und zwar erstmals als Fünfsitzer mit deutlich verbreiterter Karosserie sowie gesteigerter Leistung plus Mild-Hybrid-System. Wir konnten uns bereits im Vorfeld einen ersten Einblick verschaffen.

Die Rivalen des neuen Audi RS 7 Sportback:

Besonders von vorne fällt die Ähnlichkeit zum neuen Audi RS 6 Avant auf. Die massive
Breite ist keine optische Täuschung – mit 1,95 Meter an den vorderen Kotflügeln zeigt das Maßband rund 20 Millimeter pro Seite mehr als beim normalen Audi A7 Sportback. Mit der Karosserie des Grundmodells teilt sich der neue RS 7 Sportback zwar die coupéhafte Silhouette, aber lediglich vier gleiche Teile: Haube, Dach, Vordertüren und Heckdeckel. Insgesamt ist der neue RS 7 Sportback 5,01 Meter lang. Im übrigen soll er auch den Platz einer RS 6 Limousine besetzen, etwaige Hoffnungen in diese Richtung kann man also beerdigen.

Kommen wir zurück zur Optik: Die Farbe Schwarz dominiert die Frontpartie inklusive der Ringe. Am neuen RS 7 Sportback zeigt sich ein flacher und breiter Singleframe ohne farblich abgesetzten Rahmen. Ein horizontales Blade bildet nach unten hin einen klaren Abschluss der Frontpartie. Gewölbte Flächen und scharf gespannte Linien prägen die Seitenansicht, hier finden sich auch RS-spezifische Schweller mit schwarzen Einlegern. Bei Tempo 120 km/h fährt ein Spoiler aus der Heckklappe aus. Die RS-Abgasanlage mit groß dimensionierten chromfarbenen ovalen Endrohren auf beiden Seiten sitzt in einem RS-spezifischen Stoßfänger mit Heckdiffusor und Designelementen in Schwarz glänzend.

Audi RS 7 Sportback (2019)

LED-Scheinwerfer sind Serie beim neuen RS 7 Sportback. Die optionalen RS-Matrix LED-Laser-Scheinwerfer und die LED-Heckleuchten verfügen über ein dynamisches Blinklicht und werden beim Ent- und Verriegeln RS-spezifisch inszeniert. Mehr als 30 Assistenzsysteme stehen zur Verfügung – darunter der Adaptive Fahrassistent, der Kreuzungsassistent, die Spurwechselwarnung, die Bordsteinwarnung und die Umgebungskameras.

Ab in den Innenraum: Mithilfe der Anzeige „RS-Monitor“ erhält der Fahrer dort einen Überblick über den Temperaturstatus der Antriebskomponenten, die maximalen g-Beschleunigungswerte sowie Informationen über Reifendruck und –temperatur. Im Digitalcockpit informieren spezielle RS-Anzeigen über Reifendruck, Drehmoment, Leistung, Motoröltemperatur, Ladedruck, Rundenzeitmessungen, Beschleunigungsmessungen und g-Kräfte. Beim Erreichen der Drehzahlgrenze fordert die Schaltblitz-Darstellung den Fahrer zum Hochschalten auf. Auch das optionale Head-up-Display stellt einige RS-spezifische Grafiken dar.

Das unten abgeflachte Sportlederlenkrad mit neuen großen Aluminium-Schaltwippen verfügt über Multifunktionstasten, mit denen der Fahrer auch die neuen Modi RS1 und RS2 über die „RS-MODE“-Taste direkt anwählen kann. RS- und RS 7-Schriftzüge finden sich im Innenraum an Lenkrad, Sitzen und den beleuchteten vorderen Einstiegsleisten. Projektoren an den vorderen und hinteren Türen projizieren bei geöffneten Türen das Audi Sport-Emblem auf die Fahrbahn.

Audi RS 7 Sportback (2019)

Sportsitze mit Rautensteppung und RS-Prägung sind Serie. Im Vergleich zum Vorgängermodell verspricht Audi zudem eine gesteigerte Funktionalität. Erstmals bietet Audi Sport den viertürigen Gran Turismo auf Wunsch auch mit einer Dreier-Sitzbank im Fond an. Der Kofferraum fasst im Grundmaß 535 Liter, durch Umklappen der geteilten Fondlehnen wächst er auf bis zu 1.390 Liter. Die Heckklappe öffnet und schließt serienmäßig elektrisch, optional mit dem Komfortschlüssel auch per Fußgeste.

Audi RS 7 Sportback (2019)

Beim Antrieb gibt es gegenüber dem alten RS 7 einen Zuschlag um 40 PS, das neue Modell spielt in der Liga des früheren RS 7 Performance.  Der 4.0 TFSI im neuen Audi RS 7 Sportback leistet 441 kW (600 PS) und liefert zwischen 2.100 bis 4.500 U/min konstant 800 Newtonmeter Drehmoment. In 3,6 Sekunden sprintet der Wagen von Null auf 100 km/h. Der Vortrieb wird bei 250 km/h elektronisch begrenzt. Mit optionalem Dynamikpaket steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 280 km/h beziehungsweise mit dem "Dynamikpaket plus" auf 305 km/h. Audi sagt, dass der RS 7 mit letzterem Paket mehr Längsdynamik als der Vorgänger in der Performance-Variante bieten soll.

Etwas sparsamer soll der Ober-A7 ebenfalls sein: Dank des Mildhybrid-Systems (MHEV) mit 48 Volt-Hauptbordnetz. Der Riemen-Starter-Generator kann bei leichten Verzögerungen bis zu 12 kW Leistung zurückgewinnen und als Energie in einen Lithium-Ionen-Akku einspeisen. Geht der Fahrer im Geschwindigkeitsbereich zwischen 55 und 160 km/h vom Gas, wählt das Antriebsmanagement eine von zwei Optionen: Je nach Fahrsituation und Einstellung im Audi drive select rekuperiert der RS 7 Sportback oder segelt mit ausgeschaltetem Motor. Beim Tritt aufs Gaspedal startet der Riemen-Starter-Generator den Motor wieder. Die MHEV-Technologie erlaubt den Start-Stopp-Betrieb ab 22 km/h Restgeschwindigkeit. Somit lassen sich im Alltagsbetrieb laut Hersteller bis zu 0,8 Liter pro 100 Kilometer Kraftstoff einsparen. Indes: Mit 2.065 Kilogramm ist der RS 7 Sportback nicht wirklich leicht.

Audi RS 7 Sportback (2019)

Als weiterer Effizienz-Baustein ist das System cylinder on demand (COD) an Bord. Bei geringer bis mittlerer Last und Drehzahl deaktiviert es in den oberen Gängen die Zylinder 2, 3, 5 und 8, in dem es Einspritzung und Zündung abschaltet und die Ein- und Auslassventile schließt. Im Vierzylinderbetrieb verlagern sich in den aktiven Zylindern die Betriebspunkte zu höheren Lasten in Kennfeldbereiche mit höherem Wirkungsgrad, während die deaktivierten Zylinder wie Gasfedern weitestgehend verlustfrei mitlaufen. Beim Tritt auf das Gaspedal werden sie sofort wieder zugeschaltet. Der Umschaltvorgang soll nur Millisekunden dauern und für Fahrer und Mitfahrer praktisch nicht wahrnehmbar sein.

Der Vierliter-Motor erzeugt laut Audi "einen sportlich-voluminösen V8-Sound". Für ein noch volleres Klangbild soll die optionale RS-Sportabgasanlage mit schwarzen Endrohrblenden sorgen. 

Die Kräfte des 4.0 TFSI gelangen über die serienmäßige Achtstufen-Automatik mit optimierten Schaltzeiten und einer neuen Launch Control-Funktion an den permanenten Allradantrieb. Die Antriebskräfte werden im Verhältnis 40:60 über das rein mechanisch arbeitende Mittendifferenzial auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Tritt Schlupf auf, gelangt automatisch mehr Antriebsmoment an die Achse mit der besseren Traktion – bis zu 70 Prozent können nach vorn, bis zu 85 Prozent nach hinten fließen.

Audi RS 7 Sportback (2019)

Die radselektive Momentensteuerung soll das Handling des neuen RS 7 Sportback optimieren – sie bremst die kurveninneren Räder leicht an, bevor sie durchrutschen können. Optional gibt es das quattro Sportdifferential, dass die Kräfte zwischen den Hinterrädern verteilt sowie eine Dynamik-Allradlenkung.

Serienmäßig verfügt der RS 7 über eine Luftfederung mit neuem Luftfedermodul und einer um 50 Prozent höheren Federrate. Die Karosserie liegt in der Normalposition 10 Millimeter tiefer als bei einem Audi A7 Sportback mit Serienfahrwerk, ab Tempo 120 km/h senkt sie sich um weitere 10 Millimeter und bietet einen Lift-Modus, der das Fahrzeug bei niedriger Geschwindigkeit um 20 Millimeter anhebt. Alternativ steht das RS-Sportfahrwerk plus mit Dynamic Ride Control (DRC) zur Wahl. Es arbeitet mit Stahlfedern und dreistufig einstellbaren Dämpfern, die über diagonale Ölleitungen und ein Zentralventil miteinander verbunden sind.

Audi RS 7 Sportback (2019)

Der Fahrer kann den Charakter seines RS 7 Sportback über das Fahrdynamiksystem Audi drive select beeinflussen. Zur Wahl stehen sechs Profile: comfort, auto, dynamic, efficiency, und die individuell konfigurierbaren RS-spezifischen Modi RS1 und RS2, die sich direkt über eine Lenkradtaste „RS-MODE“ aktivieren lassen. Audi drive select nimmt unter anderem Einfluss auf das Motor- und Getriebemanagement, die Lenkunterstützung, das Fahrwerk, die Dynamik-Allradlenkung, das quattro Sportdifferential, den Motorsound sowie die Arbeitsweise der Klimaautomatik. Im Modus RS2 kann der Kunde auch die Elektronische Stabilisierungskontrolle (ESC) per Tastendruck in den Sportmodus stellen.

Audi RS 7 Sportback (2019)

Der RS 7 rollt serienmäßig auf 21-Zöllern, die mit Reifen in der Größe 275/35 bezogen sind. Optional bietet Audi Sport 22-Zöller mit 285/30er-Pneus. Die Sättel der RS-Bremsanlage mit innenbelüfteten gelochten Scheiben (420 Millimeter vorn, 370 Millimeter hinten) sind serienmäßig schwarz lackiert, auf Wunsch in rot. Bei der optionalen RS-Keramikbremse sind die Sättel wahlweise in Grau, Rot oder Blau ausgeführt. Ihre Scheiben haben die Dimension 440 Millimeter (vorn) und 370 Millimeter (hinten). Die neu entwickelte RS-Keramikbremsanlage bringt 34 Kilogramm weniger auf die Waage als ihr stählernes Pendant und reduziert somit die ungefederten Massen.

Das Farbprogramm für den neuen Audi RS 7 Sportback umfasst dreizehn Außenlackierungen, darunter die beiden RS-spezifischen Farbtöne Nardograu und Sebringschwarz Kristalleffekt, sowie fünf verfügbare Matteffektlackierungen. 

In Deutschland und weiteren europäischen Ländern kommt der neue Audi RS 7 Sportback im Laufe des ersten Quartals 2020 in den Handel. Zu den Preisen hat sich Audi noch nicht geäußert.