Soll aufkommensneutral bleiben - Berlin nennt als erste Kommune Zahlen: So teuer wird die neue Grundsteuer

Ein Grundsteuerbescheid für 2024 wird vor einen Computerbildschirm gehalten, auf dem das Logo der Steuerplattform Elster angezeigt wird.<span class="copyright">Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild</span>
Ein Grundsteuerbescheid für 2024 wird vor einen Computerbildschirm gehalten, auf dem das Logo der Steuerplattform Elster angezeigt wird.Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Ab 2025 gilt die neue Grundsteuer, doch noch hat so gut wie keine Kommune die genauen Hebesätze dafür bekannt gegeben. Berlin ist jetzt vorangegangen und veröffentlicht erste Zahlen

Wer in Deutschland ein Grundstück besitzt, am besten noch mit einem Haus darauf, der muss Grundsteuer zahlen. Jahrzehntelang war diese Abgabe, die von den Bundesländern eingezogen wird, unangetastet, bis das Bundesverfassungsgericht 2018 die bisherige Praxis, mit der der Wert von Grundstücken und damit die jeweilige Steuerlast berechnet wurden, als verfassungswidrig einstufte. Deswegen gab es ein Jahr später eine Grundsteuerreform. Sie tritt am 1. Januar 2025 in Kraft und hat Hausbesitzer in den Vorjahren viel Nerven gekostet. Jedes Grundstück muss mit einem neuen Verfahren neu bewertet werden.

Zwar ist klar, wie sich die neue Steuer ab kommenden Jahr berechnet, unklar ist aber in vielen Regionen noch, wie viel Hausbesitzer tatsächlich zahlen müssen. Dazu ein kurzer Exkurs, wie die Steuer berechnet wird: In einem neu bestimmten Verfahren, für das Grundbesitzer eben seit 2022 zahlreiche Daten einreichen mussten, wird der Grundsteuerwert bestimmt. Damit es nicht zu einfach wird, wenden nur 9 der 16 Bundesländer ein einheitliches Verfahren dafür an, die restlichen 7 haben eigene Berechnungsgrundlagen. Der Grundsteuerwert richtet sich grob nach dem Grundstückswert, liegt aber in der Regel meist darunter.

So wird die Grundsteuer berechnet

Anhand dessen wird die Steuerlast berechnet. Darauf wird der Grundsteuermessbetrag fällig. Er beträgt zwischen 0,31 Promille für Wohnhäuser und 0,55 Promille für land- und forstwirtschaftliche Flächen. Allerdings darf jedes Bundesland von diesem Wert abweichen, sieben haben das bisher angekündigt. In Baden-Württemberg wird der Grundsteuermessbetrag zum Beispiel bei 1,3 Promille liegen. Der wird wiederum mit dem Hebesatz multipliziert, den jede Kommune individuelle festlegen darf.

Berlin ist eine der wenigen Kommunen, die diesen Hebesatz bereits festgelegt hat. Er liegt künftig bei 470 Prozent. Damit können Hausbesitzer in der Hauptstadt ihre Steuerschuld bereits ausrechnen. Hat Ihr Wohn-Grundstück etwa einen Grundsteuerwert von 500.000 Euro, läge der Grundsteuermessbetrag – Berlin verwendet das Bundesmodell – bei 155 Euro. Multipliziert mit dem Hebesatz von 470 Prozent ergäbe das eine Steuerlast von 728,50 Euro pro Jahr.

Weil durch die neue Berechnung der Grundstückswerte diese im Schnitt stark ansteigen werden, hat die Bundesregierung in ihrem Vorschlag den Grundsteuermessbetrag stark gesenkt. Zuvor lag er bei 3,1 Promille für Wohnhäuser, also zehnmal so hoch wie jetzt. Hintergrund ist, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schon bei der Reform 2019 – damals war er noch Bundesfinanzminister – versprach, dass dadurch die Steuerlast nicht steigen solle. Als Kanzler wiederholte er diese Forderung. Auch wenn sowohl Bundesländer als auch Kommunen Grundsteuermessbeträge und Hebesätze völlig frei festlegen dürfen, herrscht damit ein großer Druck, die Steuer nicht zu erhöhen.

Bundesländer veröffentlichen faire Werte

Das wird aber nur im Durchschnitt möglich sein, nicht in jedem Einzelfall. Und der wiederum könnte stark davon abhängen, wo Sie wohnen und wie sich der Grundsteuerwert Ihres Besitzes durch die Reform verändert hat. Bayern und Baden-Württemberg etwa senken ihre Grundsteuermessbeträge nur um rund 30 Prozent. Zwar lagen die vorher schon unter dem Bundesdurchschnitt, Baden-Württemberg verlangt jetzt aber mit 1,3 Promille deutlich mehr als das Bundesmodell. Bei gleich hohen kommunalen Hebesätzen würde die Steuerlast hier stark steigen. Die Bundesländer üben deswegen Druck auf die Kommunen aus, Hebesätze so anzulegen, dass keine höheren Steuern entstehen. In vielen Ländern geschieht das etwa dadurch, dass alle Hebesätze künftig in einer Tabelle veröffentlicht werden. Wer als Kommune da ganz oben steht, muss sich dann möglicherweise für seine Gier rechtfertigen. Lediglich Sachsen-Anhalt und Thüringen scheren hier aus.

Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Hessen haben bereits für jede Kommune veröffentlicht, wie hoch der Hebesatz liegen müsste, damit er aufkommensneutral ist, die Kommune also genauso viel verdient wie bisher. Hausbesitzer in diesen Bundesländern können diese Werte also später mit den tatsächlichen Hebesätzen ihrer Kommune vergleichen – und im Zweifel protestieren.

Bis Sie den tatsächlichen Hebesatz in Ihrer Gemeine kennen, kann es noch dauern. Theoretisch hat jede Kommune bis Ende Juni 2025 (!) Zeit, ihre Hebesätze für 2025 zu nennen oder auch zu ändern.

Folgen Sie dem Autor auf Facebook

Folgen Sie dem Autor auf Twitter