Maschinen- und Anlagenbauer verzeichnen starkes Plus bei Auftragseingängen

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Mehr Aufträge für Verarbeitendes Gewerbe im September (AFP/RONNY HARTMANN)

Umfangreiche Großaufträge im Maschinen- und Anlagenbau haben im September stark zu einem steigenden Auftragseingang in der Industrie insgesamt beigetragen. Der Auftragseingang in der Branche legte um 12,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Material- und Lieferengpässe würden die Abarbeitung der Aufträge jedoch verzögern, sagte der Konjunkturexperte des Branchenverbands VDMA, Olaf Wortmann.

Insgesamt kletterten die neu eingegangenen Industrieaufträge im September um 1,3 Prozent im Vergleich zum August. Auch die Autoindustrie verzeichnete laut Statistischem Bundesamt 9,6 Prozent mehr Auftragseingänge als im Vormonat. Im Vergleich zum September 2020 lag der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe demnach 9,7 Prozent höher. Das Vorkrisenniveau wurde um 8,6 Prozent übertroffen.

Im August war der Auftragseingang in der Industrie noch deutlich gesunken, und zwar nach neuen Zahlen der Statistiker um 8,8 Prozent im Vormonatsvergleich. Viele Hersteller klagten über Lieferengpässe bei Vorprodukten. Im September dann nahmen die Aufträge aus dem Ausland um 6,3 Prozent zu. Aus dem Inland dagegen gingen 5,9 Prozent weniger Aufträge ein.

Die besonders starke Entwicklung beim Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau sei insbesondere auf das Großanlagengeschäft zurückzuführen, sagte VDMA-Konjunkturexperte Wortmann der Nachrichtenagentur AFP. "Allgemein kann man sagen, Großanlagen sind komplette Fabriken oder Teile von Fabriken", erklärte er. Beispiele seien Anlagen zur Herstellung von Papier, Zement oder chemische Anlagen.

Ein starker Auftragseingang in dem Sektor bescherte der Maschinenbauindustrie laut VDMA im September ein Auftragsplus von real 65 Prozent im Vorjahresvergleich. Schwach blieb jedoch die Inlandsnachfrage mit einem Plus von lediglich drei Prozent. Aus dem Ausland verbuchten die Unternehmen mit plus 98 Prozent hingegen fast eine Verdopplung der Auftragseingänge.

Auch auf lange Sicht zeigte sich im Maschinenbau eine positive Tendenz: In den ersten neun Monaten 2021 verbuchten die Maschinen- und Anlagenbauer bei den Auftragseingängen ein Plus von real 36 Prozent, auch hier waren Bestellungen aus dem Ausland mit plus 45 Prozent der treibende Faktor. Aus dem Inland kamen 19 Prozent mehr Bestellungen.

In den vergangenen drei Monaten beschleunigte sich der positive Trend weiter. Von Juli bis September 2021 legten die Aufträge im Vorjahresvergleich um 50 Prozent zu. Die Aufträge aus dem Inland nahmen wiederum um 19 Prozent zu, aus dem Ausland kamen 67 Prozent mehr Aufträge.

Wie schnell die Vielzahl neuer Aufträge abgearbeitet werden könne, bleibe angesichts des Materialmangels und von Engpässen in der Logistikbranche jedoch unklar, sagte Wortmann weiter. "Es fehlt an allem möglichen, es fehlt an Kupfer, es fehlt an Stahl, es fehlt wahrscheinlich demnächst noch an Aluminium", sagte er. Engpässe in der Logistikbranche bereiteten laut einer VDMA-Umfrage vom September 71 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer "merkliche oder gravierende Probleme".

Insgesamt sei das Plus beim Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau "eine richtig gute Entwicklung", sagte Wortmann. Die aktuellen Produktionsbehinderungen seien jedoch "massiv". Auf jeden Fall werde es "in vielen Bereichen zu mehrmonatigen Verzögerungen bei der Auslieferung kommen".

fho/jm

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