Ausbildung im Pflegebereich wird stärker gebündelt

Die Ausbildung im Pflegebereich wird künftig stärker gebündelt: In den ersten beiden Jahren durchlaufen die Auszubildenden an allen Pflegeschulen eine generalistische Ausbildung, bevor sie dann eine separate Ausbildung etwa in der Kinderpflege fortsetzen können. Auf diesen Kompromiss haben sich die Fraktionen von Union und SPD nach langem Ringen geeinigt. Die Reaktion der Pflegeverbände fiel am Freitag gemischt aus.

Derzeit gibt es drei separate Berufsausbildungen im Pflegebereich: Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. Mit der Reform sollte unter anderem der Wechsel zwischen den verschiedenen Pflegebereichen auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel einfacher werden.

Der ursprüngliche, von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vorgelegte Gesetzentwurf sah eine einheitliche dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau vor. Das scheiterte allerdings am Widerstand auch der Koalitionsfraktionen. Die Union wollte die differenzierten Ausbildungsgänge erhalten.

Der Kompromiss sieht nun vor, dass alle Bewerber ab 2019 nach zwei Jahren entscheiden können, ob sie die generalistische Ausbildung fortsetzen oder wie bisher im dritten Jahr auf einen separaten Abschluss in der Kinderkranken- oder Altenpflege zusteuern. Das in manchen Bundesländern noch übliche Schulgeld wird abgeschafft. Die Ausbildung wird über einen gemeinsamen Fonds finanziert.

Gröhe nannte den Kompromiss in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagsausgabe) "eine wichtige Weichenstellung für eine umfassende Modernisierung der Pflegeausbildung". Schwesig erklärte: "Die kostenfreie berufliche Ausbildung, eine angemessene Ausbildungsvergütung und der generalistische Berufsabschluss, der nun verbindlich eingeführt wird, werden den Pflegeberuf aufwerten."

Der stellvertretende Vorsitzende CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Georg Nüßlein (CSU), warnte, ohne die weitere Wahlfreiheit der drei Berufsabschlüsse "wird es keine Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag geben". Er hatte den Kompromiss mit ausgehandelt.

Der pflegepolitische Sprecher der Unionsfraktion, Erwin Rüddel (CDU), pochte darauf, dass es auch Hauptschülern weiterhin möglich sein müsse, einen Abschluss in der Altenpflege zu erreichen. Unionspolitiker hatten sich unter anderem gegen den ursprünglichen Entwurf gesträubt, weil sie befürchteten, dass eine generalistische Pflegeausbildung Hauptschulabsolventen einen erfolgreichen Berufsabschluss erschweren würde.

Auch Altenpflege-Verbände hatten eine Vereinheitlichung der Ausbildung abgelehnt und vor einer faktischen Abschaffung des Altenpflegeberufs gewarnt. Die nun gefundene Lösung lasse "der Altenpflege vorerst eine Chance", erklärte das Bündnis für Altenpflege.

Caritas-Präsident Peter Neher sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung". Jetzt müssten die weiteren gesetzgeberischen Schritte "zügig erfolgen".

Der Deutsche Pflegerat sieht die große Reform der Pflegeausbildung gescheitert. "Die generalistische Pflegeausbildung kommt nun zumindest scheibchenweise", erklärte Pflegerats-Präsident Andreas Westerfellhaus.

Die Grünen kritisierten die Reform als halbherzig. Die Koalition wolle die generalistische und auch die integrativ-gestufte Ausbildung "jeweils ein bisschen einführen", erklärte Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik.

Sechs Jahre nach dem Start der neuen Pflegeausbildung soll der Bundestag darüber entscheiden, welche Form der Ausbildung weitergeführt wird. Haben mehr als die Hälfte der Auszubildenden den generalistischen Abschluss gewählt, sollen die anderen eigenständigen Berufsabschlüsse auslaufen.

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