Ausgebremst: Beim Stuttgarter Tatort steht der Täter im Stau

Stuttgart im Stau – ein beklemmendes Tatort-Szenario, das funktioniert. (Bild: SWR/Alexander Kluge)

Am Sonntagabend ging im Ersten nichts mehr weiter: Im Stuttgarter Tatort ermittelten die Kommissare nämlich in einem Stau. Obwohl kein einziger Schuss fiel, konnten die Zuschauer einen beklemmenden und hochspannenden Thriller erleben – mit einem ungewöhnlichen Ende.

Lediglich zu Beginn der Folge mit dem minimalistischen Titel „Stau“ sind die einzelnen Akteure abseits der Autobahn zu sehen, wie sie ahnungslos in ihre Autos steigen und sich auf den Weg ins Verkehrschaos machen. Was harmlos anfängt, wandelt sich schon bald in einen kammerspielartigen Locked-Room-Krimi, in dem sich das Geschehen auf einen einzigen Ort begrenzt – In diesem Fall nicht auf einen Raum oder ein Haus, sondern auf einen Autobahnabschnitt der Stuttgarter Weinsteige.

Tempomäßig ging im Tatort nur für die Autofahrer nichts weiter. (Bild: SWR/ Alexander Kluge)

Anstoß der Krimihandlung ist ein 14-jähriges Mädchen, das tot am Straßenrand aufgefunden wird. Offenbar wurde Fahrerflucht begangen. Doch für den Täter kommt nur ein einziger Fluchtweg infrage – und der führt direkt in den Stau auf der Stuttgarter Autobahn. Die Kommissare Lannert und Bootz übernehmen die Ermittlungen und gehen die im Stau stehenden Wagen Stoßstange für Stoßstange ab, um unter diesen den Täter auszumachen.

In den Vernehmungen erzählen die Befragten von ihren Nöten und Sorgen, geben ihre Ängste und Hoffnungen preis. Es ist dieser psychologische Moment, der den aktuellen Tatort von vergangenen Episoden abhebt. Ja, auch in jedem anderen Tatort wird die Psyche der einzelnen Verdächtigen beleuchtet. Aber in wenigen Folgen ist dies so gut, so beklemmend und so eindringlich gelungen wie in „Stau“.

Diese Stars sagten dem Tatort Lebewohl

Die Charaktere sind allesamt geplagte Seelen: Etwa der Chauffeur, der von einer Geschäftsfrau auf der Rückbank permanent heruntergeputzt wird, oder der frustrierte Angestellte, der für seinen Chef unbezahlte Dienstfahrten erledigen muss. Auch ein Pärchen auf dem Weg zur Therapie-Session gerät in den Stau. Von den Ermittlern auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass eine Tote am Straßenrand liegt, sagt die Frau zu ihrem Mann: „Als wir uns gestritten haben, ob die Paartherapie zu teuer ist, da bist du an einem sterbenden Mädchen vorbeigefahren? Weißt du was, der Paartherapeut ist wirklich zu teuer.“ Die Beziehung nimmt in diesem Augenblick ihr Ende.

Zwar gibt es letztendlich kein Geständnis zu sehen, der Zuschauer erfährt dennoch, wer das Mädchen überfahren hat: Denn die Täterin bricht gegen Ende in ihrem Wagen in Tränen aus. Kommissar Lannert lag mit seiner Vermutung, wer für den Tod der 14-Jährigen verantwortlich ist, genau richtig.

Fazit: Ein Kriminalfall als Charakterstudie. Ein äußerst sehenswerter Tatort, der beweist, dass Spannung und Nervenkitzel nicht unbedingt rasante Hetzjagden, literweise Kunstblut und minutenlange Schusswechsel-Szenen benötigen.

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