Ausmaß der Verwüstung durch Zyklon "Amphan" wird erst langsam deutlich

In Satkhira in Bangladesch beginnen die Aufräumarbeiten

Hunderte Gemeinden überflutet, zehntausende Häuser zerstört und zahllose Felder vernichtet: Nach dem Durchzug von Super-Zyklon "Amphan" über Teile Indiens und Bangladeschs wird das Ausmaß der Verwüstung erst nach und nach deutlich. Behördenangaben vom Freitag zufolge starben mehr als 100 Menschen - eine im Vergleich zu früheren Sturmkatastrophen niedrige Opferzahl. Millionen von Menschen sind aber auf Hilfe angewiesen, und die Furcht vor Coronainfektionen wächst.

"Amphan", der stärkste Wirbelsturm in der Region seit über 20 Jahren, war am Mittwoch mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Stundenkilometern und heftigem Regen an der Küste von Ostindien auf Land getroffen und dann weiter nach Bangladesch gezogen, wo er sich im Laufe des Donnerstags abschwächte. Er zerstörte Häuser, Felder, Dämme sowie Strom- und Telekommunikationsleitungen, entwurzelte Bäume und sorgte für schwere Überschwemmungen.

Allein im indischen Bundesstaat Westbengalen meldeten die Behörden 80 Tote, darunter viele in der überfluteten Hauptstadt Kolkata. Indiens Premierminister Narendra Modi kündigte großzügige Hilfen an. Er traf am Freitag in Kolkata ein, um sich persönlich ein Bild von den Schäden in Westbengalen und Odisha zu machen.

In Bangladesch starben laut den Behörden mindestens 26 Menschen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind dort rund zehn Millionen Menschen von den Auswirkungen des Zyklons betroffen, rund eine halbe Million könnten demnach obdachlos geworden sein.

Zuletzt war die Region im Jahr 1999 von einem Super-Zyklon getroffen worden, dabei starben in Odisha fast 10.000 Menschen. 1991 wurden in Bangladesch fast 140.000 Menschen durch von einem Zyklon ausgelöste Tornados und Überschwemmungen getötet. Dieses Mal sorgten verbesserte Wettervorhersagen und rechtzeitige Evakuierungsmaßnahmen dafür, dass die Zahl der Opfer gering blieb. Insgesamt drei Millionen Menschen wurden im Vorfeld in den betroffenen Regionen in Sicherheit gebracht.

Erschwert wurden die Evakuierungen aber durch die Corona-Pandemie. Um Ansteckungen zu verhindern, riefen die Behörden die Evakuierten auf, Masken zu tragen und sich an die Abstandsregeln zu halten - was aber oftmals nicht möglich war. Die Hilfsorganisation WaterAids warnte zudem, dass sich die Hygieneregeln vielerorts wegen verseuchter Wasserquellen kaum einhalten ließen. Die Furcht vor einer zweiten Infektionswelle ist groß.

Die Europäische Union kündigte unterdessen eine Ersthilfe in Höhe von 500.000 Euro für Indien und weitere 1,1 Millionen Euro für Bangladesch an.