Australische Regierung verschärft Vergabe von Arbeits-Visa

Passanten in Geschäftsviertel von Sydney

Die australische Regierung richtet die Einwanderung noch stärker am Arbeitsmarkt aus - erstes Opfer der Entscheidung ist ein Programm für Arbeitsvisa. Das Programm 457 in seiner alten Form sei "abgeschafft", sagte Premierminister Malcolm Turnbull am Dienstag. Es werde ersetzt durch ein Programm, dass "rigoros" die nationalen Interessen in den Vordergrund stelle. "Australier und australische Jobs zuerst", sagte der Regierungschef.

Das Visum 457 erlaubte es Branchen, bedarfsorientiert ausländische Arbeitskräfte anzuheuern. Gewerkschaften kritisierten jedoch, dass Arbeitgeber es missbräuchlich auf Kosten einheimischer Arbeitnehmer einsetzten. Künftig soll das vierjährige Visum durch ein zweistufiges ersetzt werden - mit einer Gültigkeit von je zwei oder vier Jahren. Die Anforderungen bei Sprachkenntnissen und Arbeitserfahrungen werden zudem erhöht.

Die australische Industrie- und Handelskammer begrüßte den Schritt der Regierung. Die Neuregelung werde das Vertrauen in ein Einwanderungssystem stärken, das auf Qualifizierung setze, sagte Kammerchefin Jenny Lambert.

Die Opposition sprach dagegen von einem Papiertiger. Die Reform gehe nicht weit genug. Es werde lediglich eine Art Visum in zwei verschiedene Visa aufgeteilt, sagte Labor-Parteichef Bill Shorten. Der Gewerkschaftsverband sprach von "mehr Schein als Sein". In der Technologie-Branche wurde unter anderem Besorgnis vor Kostensteigerungen laut.

Laut Statistik gab es Ende September 95.758 "457"-Inhaber in Australien, weniger als ein Prozent der Arbeitnehmer. Ein Viertel der Visa-Inhaber waren Inder, gefolgt von Briten (19,5 Prozent) und Chinesen (5,8 Prozent). Nach Branchen waren die meisten der ausländischen Arbeitnehmer Köche, Software-Entwickler oder Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

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