Automobilbranche erwartet erst im zweiten Halbjahr Entspannung auf deutschem Markt

·Lesedauer: 2 Min.
Neuwagen bei VW in Wolfsburg

Die Autoindustrie blickt angesichts der Corona-Krise mit Sorge auf das laufende Jahr und rechnet erst im zweiten Halbjahr mit einer Entspannung. Für 2021 erwartet der Verband der Automobilindustrie (VDA) ein Absatzplus von acht Prozent auf 3,15 Millionen Pkw, wie VDA-Präsidentin Hildegard Müller am Dienstag sagte. Allerdings sei das Niveau im Corona-Jahr 2020 auch "sehr niedrig" gewesen. Beim Thema Chipmangel forderte Müller eine europäische Anstrengung.

Ein Plus von acht Prozent klinge "im ersten Moment viel", sagte Müller in Berlin, allerdings liege die Produktion damit weit unter den Vorjahren. Die Corona-Lage "besorgt uns als Branche sehr", fuhr sie fort, und eine Entspannung im Jahresverlauf könne es auch nur dann geben, "wenn die Fortschritte beim Impfen so groß sind, dass die Pandemie im Alltag spürbar eingedämmt werden kann".

Im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge erwartet der Verband laut Müller ein Wachstum von 15 Prozent - nach einem Rückgang um 30 Prozent im vergangenen Jahr. "Das heißt, ich kann noch keine Entwarnung geben für den Standort, aber es geht wieder aufwärts."

Für den weltweiten Automarkt geht der VDA 2021 von einem Plus von neun Prozent auf 73,9 Millionen Neuwagen aus. Im Jahr 2020 war der Absatz um 15 Prozent eingebrochen. Damit liege das Absatzvolumen in diesem Jahr "deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau", erklärte der Verband.

Zur Zukunft der Automobilindustrie sagte Müller, nötig seien dringend bessere Standortbedingungen in Deutschland. Das Jahr 2021 werde "über die Zukunft der Industrie in Deutschland und Europa entscheiden". Deutschland benötige "das schnellste Internet in Europa", außerdem seien Arbeitskosten und Steuerbelastungen hierzulande "überdurchschnittlich hoch". Energiekosten und Bürokratie seien ebenfalls zu hoch und die Verwaltung sei nicht ausreichend digitalisiert.

Zum Mangel an Chips und Lieferengpässen in der Industrie sagte Müller, hier sei "Europa als Wirtschaftsraum" am Zug. "Wir haben zurzeit sehr wenige Hersteller von Halbleitern und die sitzen in der Hauptsache in Asien." Ohne Halbleiter und Chips seien auch andere Industriezweige und Zukunftstechnologien gefährdet, das sei kein reines Problem des Automobilsektors. "Ganz kurzfristig" werde es hierbei keine Entspannung geben.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, Automobilindustrie und Bundesregierung müssten "mutig" den Weg hin zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit bestreiten. Das dürfe auch in dieser Branche kein Widerspruch sein. Nötig seien etwa das Aus für den fossilen Verbrennungsmotor und ein "vernünftiges und abgestimmtes Schnellladegesetz", um die Elektromobilität zu fördern.

Greenpeace warf der Autoindustrie "Rückwärtsgewandtheit" vor. Der VDA binde die Branche an die "überholte Technik des Verbrenners" und ignoriere den "Rückstand der Industrie bei der Elektromobilität".

hcy/ilo