AZ-Serie "München nicht wie geplant" - Teil 4: Die Retter ihrer Stadtviertel

Christian Pfaffinger

Lebensraum retten: Wie die Viertel-Sanierungen im Westend, dem Lehel und in Haidhausen die Protestkultur fördern.

München - Wem’s wurscht ist, der reißt nie was. Der schaut halt zu, was passiert und lebt damit. Es ist um die Mitte der Sechziger Jahre, als das in München vielen Menschen zu blöd wird.

Denn es ist die Zeit der großen Viertelsanierungen. Fast alle an die Altstadt angrenzenden Wohngebiete werden als Kerngebiete ausgewiesen. Vom Wohnraum soll dort teils nurmehr ein Drittel übrigbleiben. Der damalige Stadtbaurat Uli Zech wollte die "Glasscherbenviertel abräumen". Dass es alteingesessenen Bürgern dann zu teuer werden könnte, war ihm wohl gleich. Dazu sagte er bei einer Rede vor der Bauinnung im Jahr 1970 sogar, dass die jetzige Bevölkerung, etwa im Lehel, bald eh verschwinde. Die Leute würden in zehn, fünfzehn Jahren durch finanzstärkere ersetzt, und die Bewohnerstruktur, die jetzt Probleme mache, sei dann nicht mehr da.

Mit diesem Angriff auf die Heimat vieler Münchner beginnt die Zeit der Stadtviertel-Bürgerinitiativen. In verschiedenen Stadtteilen entstehen Gruppen, die sich gegen die aus ihrer Sicht menschenfeindliche Stadtplanung wehren. Es sind vor allem Bürger, die selbst betroffen sind, denen es aber nicht gleich ist, was passiert. Sie mucken auf – und werden so ein Stück weit zu den Rettern ihrer Stadtviertel.

Lehel: Erste Proteste regen sich

Die geplante Sanierung des Lehels bringt zum ersten Mal so viel Protest, dass die Idee der Bürgerbeteiligung aufkommt. Ausgangspunkt ist der Plan, das Viertel moderner und vor allem lukrativer zu machen: Weil man die Baukosten des ins Viertel hineingeschlagenen Altstadtrings Ost wieder reinbringen muss, soll es wesentlich mehr Büros und Luxuswohnungen geben.

Das Lehel soll Kerngebiet werden, nicht mehr bloß Wohnviertel.
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