AZ-Serie "München nicht wie geplant" - Teil 9: Münchner Straßenbahn - Tramhaft schee!

Christian Pfaffinger

Die Münchner mögen ihre Straßenbahn schon recht gern. Darum retten sie diese auch, als die Stadt sie loswerden will. Eine Liebesgeschichte.

München - Oh bella tram, amore mio! Wackelst nicht so wie ein Bus, bist nicht so finster wie eine U-Bahn. Wenn du anfährst, dann knistert’s oft. Und wenn du schneller wirst, dann singst du. Bist halt eine wie wir, eine Gemütliche. Und darum mögen wir dich so.

Die Münchner haben ihre Tram schon recht gern. Weil sie von Haus aus was Nostalgisches hat. Und wenn dann ein älteres Modell mit Holzschalensitzen daherkommt, spätestens da singt im Geist der Weiß Ferdl von der Linie 8. Geben tut’s die nicht mehr. Auch die Linie 6 zum Harthof, die durchs Siegestor fuhr, macht das seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber andere fahren noch.

"Aus is mit der Linie 8"

Dass es so kam, hat eben mit Amore zu tun, mit Treue und solchen Sachen. Denn als man versuchte, den Münchnern ihre Straßenbahn auszureden, da haben sie zu ihr gehalten. Was für eine Liebesgeschichte! Eine besondere Liebe macht auch schwere Zeiten durch, und so ist es mit den Münchnern und ihrer Tram. Die sollte nämlich weg. 1975 heißt es "Aus is’ mit der Linie 8". Auch andere Linien sollen weichen, bis zum Jahr 1992 sollen sogar alle Wagen verschrottet sein. Schon der Stadtentwicklungsplan von 1963 sieht vor, die Tram einzustellen und ganz auf U-Bahn sowie Bus zu setzen. Der wegen der Olympischen Spiele vorgezogene U-Bahnbau beschleunigt den Plan.

Dazu kommt ein besonders fleißiger Tram-Abschaffer als Werkdirektor, Peter Engelbrecht. Und eine Stadtregierung der CSU, die den Plan gut findet, allen voran auch Oberbürgermeister Erich Kiesl, der noch 1980 bei der Eröffnung des U-Bahnhofs Theresienstraße sagt, dass sich München bei Verkehrsproblemen nostalgische Sentimentalität nur bis zu einem gewissen Grad leisten könne.
Den ganzen Artikel lesen Sie hier

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen